Was vom Tage übrig blieb

Verschworen, verwählt, verwanzt

Die taz stellt sich der Kritik ihrer Leser:innen zu ihrer Berichterstattung über Corona-Demos und Verschwörungsmythen, Twitter will nicht mehr gerichtlich gegen Wahl-Falschinformation eines Grünen-Politikers vorgehen und immer mehr Firmen in Europa setzen in Corona-Zeiten auf Beschäftigtenüberwachung. Die besten Reste des Tages.

Weiße Rosen
In Bloom: Rosen mal ganz grungig CC-BY 4.0 netzpolitik.org

„Seid ihr noch unabhängig?“ (Die Tageszeitung)
Die taz hat gestern einen lesenswerten Schwerpunkt zum Thema Corona-Demos, Verschwörungsmythen und Kritik veröffentlicht. Anlass dafür waren auch zahlreiche verärgerte Zuschriften, nicht nur von Leser:innen, sondern auch von Genoss:innen, also den Hochverbundenen der tageszeitung. Im Eröffnungsbeitrag dokumentiert die taz einige der Zuschriften. Das ist eine spannende Mischung aus fundierter Sachkritik, Menschen, die sich mehr Meinungspluralität wünschen und solchen, die der taz den Verlust ihrer „Unabhängigkeit“ vorwerfen, weil sie kritisch über die Verschwörungsmythen berichtet. Letzteres kennen wir aus Zuschriften an netzpolitik.org: Für einige Menschen sind Medien offenbar nur so lange unabhängig, wie sich ihre Inhalte mit der eigenen Meinung decken.

Twitter nimmt Berufungen am OLG Dresden und OLG Nürnberg zurück (Spirit Legal)
Twitter hat eingesehen, bestimmte ironische Tweets und Accounts zu Unrecht gesperrt zu haben. Konkret geht es um den Fall des Grünen-Politikers Dietrich Herrmann. Dieser hatte vor der vergangenen EU-Wahl AfD-Wähler dazu aufgefordert, ihren Wahlzettel zu unterschreiben – was ihre Stimme ungültig gemacht hätte. Twitter sah dies als einen Verstoß gegen die unternehmenseigene „Richtlinie zur Integrität von Wahlen“ und sperrte Herrmanns Account. Es folgte ein Rechtsstreit durch mehrere Instanzen. Nun hat Twitter entschieden, nicht mehr weiter gegen Urteile vorzugehen, die Herrmann Recht gegeben hatten.

Creepy Technologies Invade European Post-Pandemic Workplaces (Bloomberg)
Fabrikarbeiter:innen in Großbritannien und Dockarbeiter:innen in Belgien müssen bei der Arbeit Überwachungsarmbänder tragen, damit sie nicht in Ansteckungsnähe zu ihren Mitarbeitenden kommen. Dabei handelt es sich nur um eine von zahlreichen Maßnahmen, mit denen Firmen ihre Angestellten in der Corona-Pandemie schützen wollen. Doch viele der Maßnahmen helfen nicht nur bei der Aufrechterhaltung des Betriebs, sondern könnten solche Überwachung normalisieren und vielleicht später zu regulären Formen der Arbeits- und Leistungskontrolle umgebaut werden, fürchten Datenschützer:innen.

Misinformation about coronavirus finds new avenues on unexpected sites (Washington Post)
Seit Beginn der Corona-Pandemie stellen Verschwörungstheorien und deren Jünger neue Rekorde auf. So hat etwa das jüngst viral gegangene „Plandemic“-Verschwörungsvideo deutlich mehr Interaktionen auf Facebook erhalten als neue Videos von Popstars wie Taylor Swift, der TV-Serie „The Office“ und angebliche UFO-Aufnahmen des Pentagons – und zwar zusammengerechnet. Inzwischen gehen vor allem die großen Plattformen recht konsequent gegen solche Inhalte vor, von ihren Diensten – oder gar aus dem Internet – können sie diese jedoch nicht restlos entfernen.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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