Im Streit um die chinesische Videoplattform TikTok in den USA scheint eine Lösung in Sicht. Laut einem Bericht der Financial Times, die sich auf Insider beruft, will Mutterkonzern Bytedance den Hauptsitz von TikTok in die USA verlegen, von dort aus wird in Zukunft das weltweite Geschäft der App gesteuert. Dafür soll Bytedance die Mehrheit an TikTok behalten.
Gleichzeitig soll das Softwareunternehmen Oracle in das Unternehmen einsteigen und für die Verwaltung aller TikTok-Daten weltweit verantwortlich sein. Offenbar hat Bytedance auch vorgeschlagen, dass die US-Behörde CFIUS, die ausländische Investitionen überprüft, die Sicherheit der Nutzer:innendaten überwachen soll.
In einem Interview mit CNBC sagte Finanzminister Steven Mnuchin, Bytedance hätte sich dazu verpflichtet, „TikTok Global als ein Unternehmen mit Hauptsitz in den USA“ aufzustellen.
US-Hauptquartier statt Verkauf
Der Deal ist erstaunlich, denn bislang war eher vom Verkauf des US-Geschäfts die Rede. Hintergrund ist die Drohung von US-Präsident Donald Trump, TikTok in den USA zu verbieten, wenn das Unternehmen nicht bis zum 20. September an einen US-Konzern verkauft würde. Trump hatte den Schritt damit begründet, dass TikTok die nationale Sicherheit gefährden würde, da die Daten der Nutzer:innen nicht vor dem chinesischen Staat sicher seien. Vertreter der US-Regierung hatten dabei die vor allem bei Teenagern beliebte Video-App als Spionagewerkzeug gebrandmarkt.
Mit der jetzigen Konstruktion könnte Bytedance dem Verkauf von Tiktok entgehen und trotzdem weiter in den Vereinigten Staaten operieren. Die App wurde dort im Jahr 2019 fast 50 Millionen Mal heruntergeladen und soll mehr als 100 Millionen Nutzer:innen haben. Der Deal muss allerdings noch vom Komitee für ausländische Investitionen in den Vereinigten Staaten bewilligt werden.
Der Druck auf TikTok stellt einen weiteren Schritt zur Balkanisierung des Internets dar, Beobachter sahen vor allem auch geopolitische Motive im Handeln der US-Regierung.
Sicherheitslücken und Datenschutz
TikTok ist eines der am schnellsten gewachsenen sozialen Netzwerke der letzten Jahre und die erste weltweit erfolgreiche Plattform, die nicht aus dem Silicon Valley kommt. TikTok stand in der Vergangenheit wegen gravierender Sicherheitslücken und wegen seiner Moderationspraktiken in der Kritik. Darüber hinaus gilt als unbestritten, dass Daten der Nutzer:innen einer chinesischen Firma nicht vor dem Zugriff des Staates sicher sind. TikTok hatte hingegen immer wieder betont, dass es keine Daten an den chinesischen Staat weitergebe und auch nicht unter dessen Einfluss stehe.
Auch in den USA sind Daten von Bürger:innen anderer Staaten nicht sicher vor dem Zugriff der US-Behörden. Erst im Juli hatte der Europäische Gerichtshof unter anderem deswegen den sogenannten „Privacy Shield“, ein Datenabkommen zwischen der EU und den USA, für ungültig erklärt.
