Was vom Tage übrig blieb: Intransparente Online-Werbung, Julia-Reda-Abschied und Geheimdienst-Überwachung

Mozilla und unabhängige Wissenschaftler:innen legen einen Kriterienkatalog für mehr Transparenz bei politischer Werbung vor, Julia Reda verlässt das EU-Parlament und die Piraten, eine Studie zeigt, wie Kontrolle bei Massenüberwachung verbessert werden könnte, und Frontext wird ausgebaut. Die besten Reste des Tages.

Das Einheitsgrau des Berliner Himmels kann den Frühlingsbeginn bestenfalls überdecken, aber nicht aufhalten.

Facebook and Google: This is What an Effective Ad Archive API Looks Like (Mozilla Blog)
Wie transparent muss politische Werbung im Netz sein? Die großen Internetkonzerne haben der EU im Kampf gegen die Desinformation versprochen, mehr Informationen über bezahlte politische Anzeigen auf ihren Plattformen zu liefern. Die bisherigen Bemühungen reichen aber nicht, sagen der Browser-Hersteller Mozilla und unabhängige Wissenschaftler. Sie legen einen Kriterienkatalog für mehr Transparenz vor. Dazu gehört ein vollständiges Register alle Anzeigen und relevanter Inhalte inklusive genauen Targeting-Kriterien und Reichweite. Das soll helfen, einen neuen Fall Cambridge Analytica zu verhindern. Einer von Mozilla in Auftrag gegebenen Umfrage nach vermuten über 80 Prozent aller Europäer, innerhalb einer Woche über Desinformation im Netz gestolpert zu sein.

Warum Julia Reda die Piratenpartei verlässt (Spiegel Online)
Kurz nach der Abstimmung zur EU-Urheberrechtsreform hat Julia Reda in einem Video angekündigt, nicht nur das EU-Parlament, sondern auch die Piraten-Partei zu verlassen. Sie möchte damit nicht nur gegen ihren ehemaligen Büroleiter protestieren, der im Parlament mehrere Frauen sexuell belästigt haben soll, sondern auch gegen die Entscheidung ihrer Partei, dass er Listenplatz Zwei bei den Europawahlen belegt. Der Artikel von Patrick Beuth ordnet die Ankündigung von Julia Reda übersichtlich in die Parteipolitik der Piraten ein.

Massenüberwachung bändigen. Gute Rechtsnormen und innovative Kontrollpraxis im internationalen Vergleich (Heinrich-Böll-Stiftung)
Die Snowden-Enthüllungen sind sechs Jahre her, der öffentliche Aufschrei vorbei. Aber die Geheimdienst-Überwachung hat nicht etwa aufgehört, sondern nimmt stetig weiter zu. Thorsten Wetzling und Kilian Vieth von der Stiftung Neue Verantwortung zeigen in einer Studie, wie die Praxis der massenhaften Kommunikationsüberwachung in Deutschland rechtsstaatlich besser eingehegt und die Kontrollpraxis durch den Einsatz innovativer Technologien verbessert werden könnte.

EU beschließt Ausbau von Frontex (Zeit Online)
In der EU hat man sich auf den Ausbau der EU-Grenzschutzagentur Frontex geeinigt und möchte den EU-Grenz- und Küstenschutz auf 10.000 Einsatzkräfte aufstocken.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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