Was vom Tage übrig blieb: Druck, Drohgebärden und Deutschepresseagentur

Geleakte Audio-Aufnahmen von Mark Zuckerberg gestatten einen (kleinen) Blick hinter den Vorhang, das NetzDG steht vor seiner Überarbeitung und die Deutsche Presse-Agentur muss sich mit Drohgebärden aus dem Axel-Springer-Verlag herumschlagen. Die besten Reste des Tages.

Fernsehturm Berlihin
Jeder Sonnenstrahl ist willkommen, bevor die Zeitumstellung ins Haus steht.

All Hands On Deck (The Verge)
Geleakte Audio-Aufnahmen von zwei Meetings zwischen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern zeigen, wie der Facebook-Chef auf den politischen Druck auf seinen Konzern reagiert. Zuckerberg warnt in den Aufnahmen vor Versuchen, Facebook, Google oder Amazon zu zerschlagen – dies werde „die Probleme nicht tatsächlich lösen“. Wenn US-Politiker wie die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren die Zerschlagung der Firmen fordere, werde Facebook „in den Ring steigen und kämpfen“. Diese Version von Zuckerberg (hier mit ausführlichen Zitaten) erscheint ein wenig ehrlicher als jene, in der er sich wie zuletzt immerfort für die Schwächen seiner Firma – etwa beim Datenschutz oder der Desinformationentschuldigt.

2 Jahre NetzDG: Regierung will Druck auf Online-Plattformen erhöhen (Golem/Handelsblatt)
Anfang 2018 trat das Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Kraft, nun soll es nach einer – noch nicht abgeschlossenen – Evaluation überarbeitet werden. Die Vorschläge reichen von verhältnismäßig marginalen Verbesserungen, etwa einfacher zugänglichen Meldeformularen, bis hin zur vollständigen Abschaffung des Gesetzes. Das Handelsblatt hat die umherschwirrenden Ansätze zusammengetragen.

Deutsche Presse-Agentur kämpft um Auftraggeber (Süddeutsche Zeitung)
Die dpa liefert einen großen Teil der Artikel auf deutschen Nachrichtenseiten. Nun soll die Nachrichtenagentur auf Druck des Axel-Springer-Verlages zahlreiche Stellen einsparen. Die Printredaktion der Bild-Zeitung probierte es laut Bericht der Süddeutschen zuletzt ein paar Tage ohne dpa-Dienst aus. Wie das Experiment „Bild-Zeitung ohne Journalismus“ ausging, ist nicht bekannt. Doch die Springer-Leute nutzen den Versuch als Drohgebärde, um mit dpa „massive Preisnachlässe“ zu verhandeln. Purzeln deshalb bei der Presseagentur die Stellen, dürfte die Qualität des Journalismus in ganz Deutschland leiden – denn die dpa-Journalisten liefern mit ihren Nachrichten so etwas wie die Grundinfrastruktur der Medienlandschaft.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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