Ping. Da kommt ein Newsletter in Euer digitales Postfach. Einen Klick später seid ihr hoffentlich ein bisschen schlauer. Auf jeden Fall schlauer sind nach Eurem Klick die Absender des Newsletters. Sie wissen, um wie viel Uhr und wo auf der Erde Ihr die E‑Mail geöffnet habt. Sie wissen, auf welche Links aus dem Newsletter Ihr geklickt habt und welches E‑Mail-Programm ihr verwendet. Je nach Newsletter-Dienst wissen Sie noch mehr. Klingt gruselig, ist aber Alltag im E‑Mail-Marketing.
Viele professionelle Newsletter werden mit der Software spezieller Dienstleister verschickt. Diese bieten ganz unterschiedliche Leistungen an. Tracking der Leser:innen gehört fast immer dazu. Den einen geht es darum, günstig zu sein. Andere werben damit, dass sie Besucher:innen mithilfe einzelner „Tags“ auch außerhalb der E‑Mail auf der Webseite des Versenders verfolgen können. Wieder andere ermöglichen sogenanntes A/B‑Testing, bei dem ähnlichen Zielgruppen verschiedene Inhalte präsentiert werden, um beispielsweise den Erfolg unterschiedlicher Formulierungen zu testen.
1 Pixel × 1 Pixel = ∞ Tracking
In der Regel verwenden diese Anbieter HTML-E-Mails: Sprich, sie betten den anzuzeigenden Text in HTML-Kodierungen ein, sodass die E‑Mail hübscher wird und weitere Gestaltungselemente bekommt. So können auch Bilder via HTML-Code eingebunden werden. Die Grafik kann entweder der E‑Mail angehangen oder extern nachgeladen werden.
Fast allen Newsletter-Diensten gemein ist der Einsatz so genannter „Tracking-Pixel“. Sie werden auf die oben beschriebenen Weise über HTML-Kodierungen eingebunden und beim Öffnen der E‑Mail von einem externen Server nachgeladen. Diese Tracking-Grafiken sind meist ein Pixel mal ein Pixel groß oder auch komplett versteckt. Für jede:n Leser:in wird der Grafik zudem ein einzigartiger Identifier hinzugefügt, der es ermöglicht, das Verhalten individuellen Profilen zuzuordnen. So könnte ein Link dementsprechend aussehen:
https://newsletterversand.domain/trackingpixel.gif?identifier=123456789
Folglich kann der Server, von dem das Pixel geladen wird, Euer Verhalten analysieren. Ein Programm auf dem Server speichert: Wann wurde genau dieser Link das erste Mal abgerufen? Und von wo? Daraus lässt sich auch ermitteln, welche Links aus dem Newsletter Ihr anklickt und somit auch Eure genaueren Interessen. Über die IP-Adresse wird Euer vermeintlicher Aufenthaltsstandort ausgelesen.
Optimierung für die maximale Wirkung
Nicht nur Newsletter-Dienste wie CleverReach, MailChimp und Mailjet könnten Euch auf diese Weise überwachen. Dies trifft auch auf andere Angebote zu: So sorgte gerade das neue E‑Mail-Programm „Superhuman“ für Entrüstung, weil es standardmäßig in allen ausgehenden E‑Mails für seine Kund:innen Tracking-Pixel einbaut.
Vielen Nutzer:innen ist gar nicht bewusst, wie viel die Absender von Newslettern und vielen anderen kommerziellen Aussendungen über ihr Verhalten lernen können. Doch selbst wenn sie es wüssten: Wir sollten E‑Mails lesen können, ohne uns Gedanken darüber machen zu müssen, in welches Raster wir fallen. Mit Tracking-Pixeln geschieht genau dies. Menschen, auch wenn Ihr sie sympathisch findet und ihren Newsletter abonniert, hinterfragen Euer Handeln und analysieren es, um ihre Kommunikation zu optimieren. Wobei optimieren hier heißt: Sie soll immer noch ein bisschen mehr so gestaltet werden, dass sie bei Euch die gewünschte Reaktion auslöst. Sei es der Klick auf einen Link, das Abonnement eines weiteren Newsletters, der Kauf eines T‑Shirts oder die Überweisung einer Spende in der gewünschten Höhe.
Solange das E‑Mail-Tracking in der jetzigen, intransparenten Form nicht rechtlich unterbunden wird, hilft nur Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, sich gegen Tracking-Pixel zu schützen, aber eine sehr effiziente: Das Nachladen von externen Inhalten wie Grafiken zu unterbinden. Einige E‑Mail-Programme machen das für euch automatisch. Dazu gehören quelloffene Programme wie Claws, Mutt und das weit verbreitete Thunderbird. Für andere gängige Mail-Programme gibt es meist die Option, das Nachladen von externen Inhalten und damit auch der Tracking-Pixel zu verhindern. Wir zeigen euch, wie es geht:
Tipps für Outlook, Apple Mail und Gmail
- Trick für Apple Mail
- Trick für iOS-App Mail
- Trick für Microsoft Outlook
- Trick für die Android-App Microsoft Outlook
- Trick für die Webseite Gmail
- Trick für die Android-App Gmail
Trick für Apple Mail
Für die Desktop-Software „Apple Mail“ könnt Ihr folgenden Trick anwenden, um externe Grafiken nicht zu laden und das Pixel-Tracking zu unterbinden:
- In die Software-Einstellungen gehen.
- Auf „Darstellung“ klicken
- Haken bei „Entfernte Inhalte in Nachrichten laden“ entfernen.

Für die iOS-App „Mail“ könnt Ihr folgenden Trick anwenden, um externe Grafiken nicht zu laden und das Pixel-Tracking zu unterbinden:
- In die System-Einstellungen gehen.
- Auf „Mail“ klicken.
- Schalter bei „Entfernte Bilder laden“ umlegen, sodass er grau wird.

Trick für Outlook
Für die Desktop-Software „Microsoft Outlook“ könnt Ihr folgenden Trick anwenden, um externe Grafiken nicht zu laden und das Pixel-Tracking zu unterbinden:
- Auf den Datei-Reiter ganz oben links klicken.
- In die Einstellungen gehen und dort auf Optionen klicken.
- Auf „Trust-Center“ und dann „Automatischer Download“ klicken.
- Haken überall setzen, wie auf dem Bildschirmfoto angezeigt.

Für die Android-App „Microsoft Outlook“ könnt Ihr folgenden Trick anwenden, um externe Grafiken nicht zu laden und das Pixel-Tracking zu unterbinden. Hierbei müsst ihr diese Schritte für jedes Mail-Konto einzeln machen:
- In die Einstellungen gehen.
- Auf das Konto klicken.
- Schalter bei „Externe Bilder blockieren“ so umlegen, dass er blau wird.

Trick für Gmail
Für die Webseite „Gmail“ könnt Ihr folgenden Trick anwenden, um externe Grafiken nicht zu laden und das Pixel-Tracking zu unterbinden:
- Über das Rädchen oben rechts in die Einstellungen gehen.
- Herunterscrollen zu „Bilder“.
- „Vor dem Anzeigen externer Bilder fragen“ auswählen.

Für die Android-App „Gmail“ könnt ihr folgenden Trick anwenden, um externe Grafiken nicht zu laden und das Pixel-Tracking zu unterbinden. Hierbei müsst ihr diese Schritte für jedes Mail-Konto einzeln machen:
- Über das Rädchen in die Einstellungen gehen.
- Jeweils das Konto auswählen.
- Herunterswipen zu „Bilder“.
- „Vor dem Anzeigen externer Bilder fragen“ auswählen.

