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Horst Herold: Erfinder der Rasterfahndung gestorben

Der frühere BKA-Chef Horst Herold ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Herold gilt als Vater der computergestützten Polizeiarbeit in Deutschland und hat diese in seiner Wirkungszeit stark vorangetrieben.

  • Markus Reuter
Horst Herold ist im Alter von 95 Jahren gestorben. – : Montage: netzpolitik.org

Der frühere BKA-Chef Horst Herold ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Herold leitete 1971 bis 1981 das Bundeskriminalamt. Er „entwickelte die Rasterfahndung und das polizeiliche Suchsystem Inpol sowie Analysen, die man heute ‚Profiling’ nennt“, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Er wurde deshalb von der Presse als „Kommissar Computer“ bezeichnet.

Herold wurde in den 1970er-Jahren zur Symbolfigur im Kampf gegen die Rote Armee Fraktion (RAF). Er wurde nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) am 31. März 1981 im Alter von 57 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Eine Reportage über den Menschen Herold hat der Tagesspiegel 2007 veröffentlicht. Heribert Prantl schrieb 2017 über Herold und seine Methoden:

Er galt als genialer Kriminalist, aber besonders beliebt war er bei uns Rechtsstudenten nicht. Schon vor seiner BKA-Zeit, als Polizeichef von Nürnberg, hatte er Mittel und Methoden propagiert, die es ermöglichen sollten, dass die Polizei möglichst schon am Tatort ist, bevor dort der Täter auftaucht. „Kriminalkybernetik“ nannte er das. Suspekt erschien mir das.

Wir Jurastudenten hielten Horst Herold für einen Dr. Mabuse der Polizei, für einen Datenschnüffler, für einen Computerwahnsinnigen, der Informationen säuft wie ein Alkoholiker den Schnaps. Die Rasterfahndung per Computer, die er erfunden hatte, galt uns als eine Ausgeburt der Vorhölle.

Herold hätte vermutlich an den heutigen Polizeimethoden mit Vorhersage-Software, Vorratsdatenspeicherung, Funkzellenabfragen, ausufernden polizeilichen Datenbanken und Gesichtserkennung seine wahre Freude gehabt.

Update

:
In der Zeitschrift „CILIP – Bürgerrechte & Polizei“ gibt es in den Ausgaben 16 und 18 ein zweiteiliges Interview mit Horst Herold, aus dem sein polizeilicher Ansatz sehr klar und detailliert hervorgeht.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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2 Kommentare zu „Horst Herold: Erfinder der Rasterfahndung gestorben“


  1. tribunal

    ,

    Zu seiner Zeit lag er wahrscheinlich neben der Spur, aber heute muss jemand, der das eine will mit den Konsequenzen daraus leben.


  2. Dr. Horst Herold war in seiner Persönlichkeit und seinem Denken durchaus sehr ambivalent unterwegs, wie auch einige Auszüge aus einem seiner Werke bei freiheitsfoo zeigt: https://freiheitsfoo.de/2018/12/14/horst-herold-ist-tot/
    Leider kommen in bestehenden Herrschaftssystemen meist nur die eher negativen Fähigkeiten und Ideen einer solchen Person zur Umsetzung und nicht deren positive Aspekte.

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