Überwachung

EU forscht an Drohnenschwärmen zur Meeresüberwachung

Rüstungskonzerne wollen mit Unterstützung der EU ausprobieren, inwiefern 20 verschiedene Drohnen zu Wasser und in der Luft miteinander vernetzt werden können. Tests finden im Mittelmeer und in der Ostsee statt. In zwei Jahren soll „Ocean2020“ erste Ergebnisse liefern.

Konzeptstudie des schwedischen Rüstungskonzerns Saab zu OCEAN2020. Alle Rechte vorbehalten Saab

Die Europäische Union finanziert ein Forschungsprojekt zur Integration von Drohnen und unbemannten U-Booten in Flottenverbände. Laut EU-Kommission soll das „Ocean2020“ getaufte Projekt für „Missionen zur Meeresüberwachung und Blockaden des Seeverkehrs“ und andere militärische Zwecke genutzt werden. Die über die Drohnenschwärme gesammelten Informationen lieferten demnach den „Befehlshabern“ zusammen mit Erkenntnissen anderer Systeme ein „umfassendes Bild der sich entwickelnden Lage“. Das militärische Vorhaben „Ocean2020“ wird über den Europäischen Verteidigungsfonds finanziert, die EU-Kommission hat hierfür 35 Millionen Euro bewilligt. Erste Ergebnisse sollen 2020 vorliegen.


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Das Projekt steht unter der Federführung des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo, die Aufsicht führt laut der Antwort der EU-Kommission auf eine schriftliche Frage die Europäische Verteidigungsagentur. Ziel ist es demnach, bereits entwickelte und technisch unterschiedliche Drohnen zu kombinieren und den „Mehrwert dieser Kombination“ für die maritime Lageerfassung zu demonstrieren.

Flugversuche unter italienischer und schwedischer Leitung

Im kommenden Jahr sollen die Drohnen zu Wasser und in der Luft im Mittelmeer getestet werden, in 2020 folgt eine Serie in der Ostsee. Zu den getesteten Produkten schweigt die Kommission, der federführende Leonardo-Konzern ist auf seiner Webseite auskunftsfreudiger. Demnach werden die Tests im Mittelmeer von der italienischen Marine koordiniert, geflogen werden dort die von Leonardo hergestellten Helikopterdrohnen „Hero“ und „Solo“. In der Ostsee finden die Flugversuche unter Aufsicht des schwedischen Militärs statt. Insgesamt sollen in den Vorführungen laut der Kommission mehr als 20 unbemannte Systeme einbezogen werden. Einzelheiten dazu sollen jedoch vertraulich bleiben.

Alles in allem beteiligen sich an dem Projekt 42 Partner aus 15 EU-Ländern, darunter die Verteidigungsministerien von Estland, Frankreich, Griechenland, Italien, Litauen, den Niederlanden, Portugal, Schweden, Spanien und Großbritannien. Als Industriepartner sind Rüstungskonzerne aus Spanien, Frankreich, Italien, Schweden und Deutschland an Bord. Ebenfalls beteiligt ist der britische Raketenhersteller MBDA. Ob die Drohnenschwärme bewaffnet werden könnten oder ob hierzu Planungen existieren, ist den Veröffentlichungen nicht zu entnehmen.

Auch der europäische Rüstungskonzern Airbus forscht zum Einsatz von Drohnenschwärmen. Sie sollen im Verbund mit einem bemannten Kampfjet fliegen und ebenfalls zur Aufklärung genutzt werden. Die mitfliegenden Drohnen könnten jedoch auch bewaffnet werden. Erste Flugversuche hat Airbus mit der Bundeswehr in der Ostsee durchgeführt.

Neues Lagezentrum in Brüssel

In „Ocean2020“ soll auch die Einrichtung eines militärischen Lagezentrums zur maritimen Überwachung vorbereitet werden. Nach derzeitigem Stand würde dieses „European Union Maritime Operations Command“ (EU MOC) in Brüssel angesiedelt. Die bei den Tests anfallenden Videodaten der Drohnen und ferngesteuerten U-Boote sollen in Echtzeit in die neue Einrichtung gestreamt werden.

Der Fonds zur Verteidigungsforschung wurde im Juni 2017 vom Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gestartet. Er soll den Aufbau einer „starken Verteidigungsindustrie in der EU“ sicherstellen. Neben „Ocean2020“ fördert der Verteidigungsfonds weitere Vorhaben. Im Projekt „GOSSRA“ werden die Soldaten mit Sensoren untereinander vernetzt, beteiligt ist unter anderem der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall. Unter dem Kürzel „ACAMSII“ entwickeln Rüstungskonzerne und Firmen aus der Textil- sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie eine Tarnung, um die eigenen Soldaten vor solchen Sensoren zu schützen.

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Ein Kommentar
  1. Alles nicht wirklich neu oder ueberraschend.

    Schiffe sind relativ niedrig, die Horizontlinie daher relativ nahe, idR naeher als die Waffenreichweite. Kampfschiffe haben schon seit einiger Zeit die Faehigkeit, im Verband mit anderen Einheiten zu agieren, und teilweise auch dafuer eigene Bordhelikopter. Sensorreichweite durch Drohnen zu erhoehen ist ein logischer wie sinnvoller naechster Schritt. Das gleiche gilt fuer Flugzeuge.

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