Youtube hat den gesamten Account der Aktionskünstler vom Zentrum für politische Schönheit (ZPS) gesperrt. Das berichtet das Künstlerkollektiv selbst auf Twitter.
Das Zentrum für politische Schönheit hat heute Morgen vor dem Wohnhaus des AfD-Politikers Björn Höcke eine Außenstelle des Holocaust-Mahnmals eröffnet. Über die Webseite deine-stele.de sammelt das ZPS Mittel zur Finanzierung der Aktion. Ein Video warb für die Aktion, die man auch als Livestream bei Youtube sehen konnte.

Höcke hatte im vergangenen Januar das Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet und eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad gefordert. Dagegen richtet sich die Aktion der Künstler, die über Nacht 24 Betonstelen in direkter Nachbarschaft des AfD-Rechtsaußens in Bornhagen aufgestellt hatten.
https://vimeo.com/244041009
Gegenüber netzpolitik.org bestätigt ein Sprecher des ZPS die Löschung des Youtube-Accounts:
Das gesamte Konto wurde gelöscht, ohne mit uns Rücksprache zu halten. Bei Youtube ist niemand für uns zu sprechen. Der Inhalt der Videos ist juristisch geprüft und unproblematisch – wir wurden auch nicht von Bernd Höcke zur Unterlassung aufgefordert. Was dort vorgeht ist Zensur.
Youtube hat auf die Presseanfrage von netzpolitik.org bislang noch nicht geantwortet. Auf der Seite des Kanals steht: „Dieses Konto wurde aufgrund wiederholter oder schwerwiegender Verstöße gegen die YouTube-Richtlinien zur Bekämpfung von Spam sowie irreführender Praktiken und Inhalte oder anderen Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen gekündigt.“
Was in Bornhagen vor sich geht, kann nach der Löschung des Youtube-Accounts jetzt über einen neuen Livestream auf Periscope verfolgt werden.
Update: Youtube hat den Account nach Protesten wieder freigeschaltet.
Die Google-Presseabteilung hatte sich zwischenzeitlich bei uns gemeldet und erklärt, dass man das intern nach oben eskaliert hätte. Jetzt ist der Account nach ca. 80 Minuten Offline sein wieder da. Das ist sicherlich der öffentlichen Aufmerksamkeit geschuldet. Hier wurde aber wieder mal anschaulich gezeigt, was passiert, wenn Algorithmen verrückt spielen und einen öffentlichen Raum regulieren, der leider privatisiert ist. Wir sind gespannt, was uns die Presseabteilung erzählen wird.
Update 19:17 Uhr: Ein Sprecher von Google sagt gegenüber netzpolitik.org zum Thema:
Mit 400 Stunden Videomaterial, das pro Minute auf YouTube hochgeladen wird, treffen wir manchmal die falsche Entscheidung. Sobald wir informiert werden, dass wir ein Video oder einen Kanal fälschlicherweise gesperrt haben, handeln wir schnell und schalten diesen wieder frei.
Update 21:48 Uhr:
Das Video war vorübergehend wieder gesperrt, ist jetzt aber wieder sichtbar.
