Öffentlichkeit

Twitter sperrt Dokumentation von Polizeigewalt zum G20 (UPDATE)

Die Website g20-doku.org sammelt Videos und Berichte über Polizeigewalt und Grundrechtseinschränkungen beim G20-Gipfel in Hamburg. Nun wurde sie von Twitter gesperrt.

In Hamburg am 5. Juli. CC-BY-NC 2.0 Konrad Lembcke

Die Webseite g20-doku.org dokumentiert seit einigen Tagen Übergriffe auf Demonstrierende und Journalisten beim G20-Gipfel in Hamburg. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz sagte diesbezüglich heute dem NDR: „Polizeigewalt hat es nicht gegeben, das ist eine Denunziation, die ich entschieden zurückweise.“ Auf der Seite bietet sich ein anderes Bild: Bisher sind dort ca. siebzig Fälle von Polizeigewalt gegen unbewaffnete, friedliche Demonstranten denunziert dokumentiert.


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Seit heute, Freitag, 14. Juli 2017, ca. 17:15 Uhr wird die Seite von Twitter blockiert:

1. Links zu g20-doku.org werden in vorhandenen Tweets mit einer Warnmeldung versehen.

2. Versucht man einen Link zu g20-doku.org zu twittern, ist dies nicht möglich.

Andere Clients geben eine aufschlussreichere Fehlermeldung aus:

Es sieht so aus, als sei diese Anfrage automatisiert. Um unsere Nutzer vor Spam und anderen böswilligen Aktivitäten zu schützen, können wir diese Aktion nicht vollenden. Bitte versuche es später erneut.

Ein oberflächlicher Scan ergab keinerlei Anzeichen auf Schadsoftware-Aktivitäten auf der Seite. Grundsätzlich wäre es aber tatsächlich denkbar, dass das Ausmaß der auf der Seite gesammelten Gewalttaten die Twitter-AGB verletzt. Am kürzlich beschlossenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz kann die Sperre jedoch nicht liegen: Das NetzDG tritt erst im Oktober in Kraft.

Eine Nachfrage von netzpolitik.org wurde von Twitter bislang nicht beantwortet.

Update: Das ging schnell: Seit 18:54 Uhr ist die Sperre aufgehoben. Eine offizielle Erklärung steht noch aus, Twitter-Mitarbeiter Panos Meyer vermutet jedoch einen „Bug im Domainlink-Prozess“, der mehrere Fälle betraf:

15 Kommentare
  1. Leute sperrt doch endlich twitter.com von euren Rechnern aus.
    Twitter ist ein Herrschaftsinstrument geworden. Wer braucht sowas noch?

    1. > Wer braucht sowas noch?

      1. Die Shareholder von Twitter Inc.
      2. Hirne size 142 chars
      3. Followers, die nichts zu sagen haben
      4. Die was zu sagen haben und ihre bits in die Welt spritzen wollen
      5. Populisten wie Trump und Erdogan
      6. Dummvolk, dass Trum und Erdogan hinterhergeifert
      7. …
      usw.

    1. 8. Menschen die gerne sich mit anderen Menschen austauschen
      9. Menschen die solche Sachen(8) gerne anonym machen
      10. Menschen die Freude am Internet und seinen Möglichkeiten haben
      11. usw.

      Ich bin sicher kein Freund der sozialen Netzwerke, aber Ahnungslosigkeit bei gleichzeitiger völlig unbegründeter Überheblichkeit, ist für mich noch schlimmer als „Dummvolk“ und „Populisten“

      1. So, so. Twitter und anonym. Da spricht ein ganz ein kluger.
        „Das Worst-Case-Szenario von heutiger Kommunikation ist Twitter“, sagt Richardson. Denn: Auf 140 Zeichen muss ich plakativ und oberflächlich argumentieren. Vor allem aber entscheidet bei Twitter die Zahl der Follower über Macht und Einfluss. Wer die meisten Follower hat, gibt den Ton an. In dessen Gunst wollen alle stehen. Darum buhlen alle um seine Aufmerksamkeit. Verhindert werden solche Dynamiken in einer Gruppe eigentlich nur dadurch, dass eine Diskussion unabhängig von Rang und Status geführt wird, also anonym.

        1. es geht um dich oder mich. Ich brauche keine mscht auf twitter und nutze es exakt so wie ich es beschrieben habe. Ich kenne kaum twitterer die um etwa „buhlen“.

          1. Was ist daran ausgeführt? Du bist auf Twitter anonym. Du kannst dich dort mit einer x-beliebigen Mail anmelden. Ihr scheint von einem anderen Twitter zu reden, als ich.

  2. Vielleicht hat auch nur ein nicht so abwegiger Algo angeschlagen, dass Domains, die bis gestern noch gar nicht existierten und heute plötzlich tausende Tweets haben, irgendwie spamy aussehen. So schlicht wie dieser Algo wäre allerdings auch die Erweiterung, dass es eher nicht Spam ist, wenn die Links von vielen alten Accounts retweeted werden. Bisher lief der Algo unbeanstandet, nun muss er halt mal überarbeitet werden. Kann man so sehen, wenn man einen Stroh- statt Aluhut auf hat. Aber alles wird einfach nur schlimmer, deswegen sind Strohhüte kaum noch verbreitet.

  3. Danke an Netzpolitik.org.
    Schön, dass ihr so wachsam seid und solche „Störungen“ nicht einfach hinnehmt.
    Ja, die Dokumentation der Vorfälle in Hamburg ist wichtig.
    Es gibt inzwischen auch schon 35 Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte.

  4. Von 4700 akkreditierten Journalisten wurden also ungefähr 100 von der Polente verwackelt. Twitter ist besonders gut und leicht auswertbar. Gerade für etwas unterbelichtete Gestalten. Es gab und gibt keinen Grund sowas zu sperren. Das ist ein prima Honeypot. Wenn Leute gern ins offene Messer rennen wollen, ist das ihr Problem. Der Twitteraccount wurde wahrscheinlich von einem Algo ausgebremst.

    Die G20 – Festspiele zwischen Polizei und Chaoten waren Ablenkung vor solchen Schweinereien wie Telefonüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, massenhaftem Einsatz von Trojanern, Videoüberwachung & co. durch die meisten „entwickelten“ Länder, aber auch Bananenrepubliken. Das Internet ist zweifelsohne unsicherer geworden, aber durch Staaten als Kriminelle. Das Treiben der Regierungen kann man als Staatsterror bezeichnen.

    Ein gesellschaftlicher Umbau ist nötig. Die Regierung hat versagt. Die Opposition existierte nicht. Neue Kräfte braucht das Land. Lasst euch keine Politikverdrossenheit einreden. Es ist Parteienverdrossenheit.

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