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Twitter schreibt mit, wie lange ein Tweet gelesen wird

Per Algorithmus will Twitter mehr Interaktion und Vielfältigkeit in der Timeline fördern. Dazu analysieren sie die Lesezeiten einzelner Tweets und wer mit wem interagiert.

(Symbolbild) Foto: CC-BY-2.0 flickr/Acid Pix

Twitter versucht die klassische, chronologische Anzeige von Tweets innerhalb der persönlichen Timeline aufzulösen. Nach der Ankündigung einer algorithmischen Timeline kam es im letzten Jahr zu großen Protesten unter dem Hashtag #RIPTwitter. Laut Twitter stellten jedoch nur zwei Prozent aller Nutzer die neu eingeführte, algorithmische Timeline in ihrem Profil wieder aus. Dies ist in den Einstellungen durch das Entfernen des Hakens bei „Zeige mir die besten Tweets zuerst“ möglich.


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Slate berichtet in einem längeren Beitrag nun über die Funktionsweise des Algorithmus. Der Social Media-Dienst protokolliert zum Beispiel, wie lange und von wem ein Tweet gelesen wird.

Algorithmische Timeline soll Interaktion erhöhen

Von der algorithmischen Timeline erhofft sich Twitter eine höhere Interaktion, sieht sich nach eigener Auskunft aber auch in der Pflicht Filterblasen aufzulösen. Laut Deepak Rao, dem Produktmanager für die Timeline, versuche Twitter mehr vielfältige Inhalte dem Nutzer zu präsentieren, um Einseitigkeit vorzubeugen. Das widerspricht allerdings der Idee, dass der Nutzer durch das Folgen von Accounts selbst bestimmt, wessen Nachrichten er erhalten möchte.

Obwohl Twitter keine genauen Angaben zu seinem Algorithmus macht, gibt das Unternehmen ein paar Anhaltspunkte für seine Funktionsweise. Einberechnet werden: insgesamte Interaktion (Retweets, Likes, Lesezeit), Interaktion mit anderen Tweets vom gleichen Autoren, Zeit der Veröffentlichung des Tweets, Interaktions-Häufigkeit mit dem Autor, Lesezeit der Tweets (selbst ohne Interaktion) und ob Bilder, Videos oder anderes anhängt sind, beziehungsweise mit welcher Art von Anhängen der Nutzer häufig interagiert.

Die Zeit, welche ein Nutzer mit dem Anschauen von gesponserten Inhalten verbringt, ist für Werbepartner interessant. Wegen ihres Geschäftsmodells Daten von Nutzern zu verkaufen, steht Twitter seit längerem in Kritik.

9 Kommentare
  1. „Laut Twitter stellten jedoch nur zwei Prozent aller Nutzer die neu eingeführte, algorithmische Timeline in ihrem Profil wieder aus. Dies ist in den Einstellungen durch das Entfernen des Hakens bei „Zeige mir die besten Tweets zuerst“ möglich.“
    Ja, wenn man niemanden über die Möglichkeit informiert und das Ding auch noch so benennt…

  2. Wie soll man in Twitter eine Lesezeit einzelner Tweets sinnvoll auswerten? Ich scrolle zum Beispiel nur durch die Timeline und favorisiere oder beantworte gelegentlich mal einen Tweet. Lange lese ich aber kaum einen Tweet…

    1. ich denke manchmal über einen einzelnen tweet nach, recherchiere vielleicht in einem anderen fenster und beantworte oder retweete dann. da gibt es schon die eine oder andere messgröße.

      kombiniert mit tests, die die handelnden später reflektieren lassen, lässt sich da bestimmt etwas herausfinden, was man für eine strukturierung des produkts nutzen kann.

      verändert natürlich alles den blickwinkel des einzelnen innerhalb der diskussion in einer losen gruppe. filterblasen können auch produktcharakter haben.

      .~.

  3. Nutze weder Facebook noch Twitter und komme auch grundsätzlich ohne social media mühelos durch das Leben. Aber die Besuchszeit auf einer Seite speichert doch jede x – beliebige Server – Protokolldatei? M.E. ist daran nichts Besonderes. Einfach mal einen Apache intstallieren und die beiden betreffenden log – Dateien ansehen.

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