Seit Juli 2016 darf ich den Bereich „Internet“ im ZDF-Fernsehrat vertreten. Was liegt da näher, als im Internet mehr oder weniger regelmäßig Neues aus dem Fernsehrat zu berichten? Eine Serie.
Bevor sich der Ausschuss Telemedien des ZDF-Fernsehrats am 9. Mai zu seiner nächsten Sitzung trifft, steht am selben Tag ein Besuch der diesjährigen re:publica an. Bereits am Vorabend darf ich ebendort ein wenig über mein erstes Jahr als Fernsehrat erzählen. Inhaltlich wird es in der Ausschusssitzung um das Thema „Big Data“ im und für das ZDF gehen – und Intendant Thomas Bellut hat angekündigt, dass er zu meinen Fragen zum Thema „Deutsche Content Allianz“ Stellung nehmen wird. Denn während prominente Mitglieder der Allianz öffentlich-rechtlichen Rundfunk verleumden, werden ARD und ZDF gleichzeitig für Lobbying-Zwecke in Sachen Urheberrecht und hier insbesondere für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger vereinnahmt.
Auf meine Fragen zum Engagement des ZDF bei StreamOn der Telekom habe ich bereits eine erste Antwort des Justiziars Dr. Weber erhalten, die jedoch kaum über die Erklärung der ZDF-Pressestelle auf Twitter hinausgeht (siehe Zitat) – ich habe deshalb erstmal etwas detaillierter nachgehakt.
StreamOn ermöglicht sämtlichen Anbietern audiovisueller Angebote kostenfreie Berücksichtigung. Daher erkennen wir keine Diskriminierung. https://t.co/ESOSP87kaA
- ZDFpresse (@ZDFpresse) 5. April 2017

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hinkt bei Open Data hinterher
Ebenfalls im Kontext von Big Data soll auch das Thema Open Data zur Sprache kommen. Und in der Tat ist es erstaunlich, dass zwar mittlerweile fast jede Kleinstadt über ein Open-Data-Portal verfügt, während offener Zugang zu öffentlich-rechtlichen Rundfunkdaten kein Thema ist. Wobei sich bereits im Jahr 2013 eine zivilgesellschaftliche Arbeitsgruppe mit Namen „Open ARD ZDF“ formiert hatte (angestoßen von netzpolitik.org-Kollege Lorenz Matzat), jedoch mangels Ressourcen und Unterstützung durch die öffentlich-rechtlichen Anstalten selbst bald wieder aufgab. In einem Rückblick des Evangelischen Pressediensts (Google-Cache) hieß es dazu bedauernd:
Zweifelsohne ist es auch das Verdienst von Open ARD ZDF, der Diskussion um mehr Transparenz in den Anstalten neuen Schwung verliehen zu haben. Inzwischen geben die meisten Sender online Einblicke in ihre Zahlen und machen aus Dingen wie Intendantengehältern keine Staatsgeheimnisse mehr. All diese Zahlen müssen aber immer noch entsprechend interpretiert werden. Hier müsste nun ein „solidarisch-kritischer“ Begleiter wie Open ARD ZDF weitermachen. Für die Sender könnte dieser Prozess angesichts des gestiegenen Legitimationsdrucks nur von Vorteil sein.
Open-Data-Portal fehlt
Bis heute fehlt es jedoch an einem Portal für öffentlich-rechtliche Rundfunkdaten auf Basis der vielzitierten Open-Data-Prinzipien, was es nicht nur „solidarisch-kritischen Begleitern“ unnötig schwer macht. Vor allem erschwert es Dritten innovative, auf Rundfunkdaten basierende Dienstleistungsangebote für die Beitragszahlenden zu entwickeln.
Doch mittlerweile ist die Zeit reif für Open Data auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Was in Kommunen, Ländern und auf Bundesebene immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit wird, ist in ZDF und ARD überfällig. In einem Konzeptpapier (PDF) habe ich deshalb skizziert, warum ein „Open ZDF Data“-Angebot wünschenswert wäre.
Die wichtigsten Gründe für Open ZDF Data lassen sich in fünf Punkten zusammenfassen:
- Weil es öffentlich-rechtliche Daten sind, die mit einer Haushaltsabgabe finanziert sind. Ein Anspruch auf möglichst weitgehende, zeitnahe, barrierefreie und offen lizenzierte Bereitstellung öffentlich-rechtlicher Daten folgt schlicht aus deren öffentlicher Finanzierung. Wenig überraschend gibt es deshalb bereits längst Open-Data-Angebote der BBC.
- Weil es tolle Angebote von Dritten gibt, die von einem besseren und einfachen Zugang zu öffentlich-rechtlichen Rundfunkdaten profitieren. Dazu zählen beispielsweise Projekte wie MediathekView oder das Kodi-Plugin.
- Weil die Daten in Projekte wie Wikidata einfließen könnten, sofern sie in offenen Formaten und unter offener Lizenz zur Verfügung gestellt werden. Ganz allgemein würden so Qualität und Seriosität von Informationen über öffentlich-rechtliche Rundfunkinhalte verbessert.
- Weil es die Transparenz der öffentlich-rechtlichen Anstalten erhöht, wenn relevante Daten offen zugänglich sind. Initiativen wie das kürzlich hier vorgestellte rundfunk-mitbestimmen.de könnten mit offenen Rundfunkdaten neue Feedback- und Mitwirkungsinstrumente für Beitragszahlende jenseits defizitorientierter Formen wie „Programmbeschwerden“ bieten.
- Weil es richtig ist, öffentliche Daten zu nützen und private Daten zu schützen, um einen Klassiker der Hackerethik zu paraphrasieren.
Wen darüber hinaus Details, Hintergründe und Quellenangaben interessieren, für den verweise ich auf das Konzeptpapier (PDF) selbst.
