Die gemeinwohlorientierte Nutzung von Daten und Algorithmen ist eine gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Zivile Akteure müssen sich mit progressiven Vorschlägen noch stärker in den Diskurs einbringen. Letzterer wird momentan stark von wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten und den Argumenten für den Erhalt der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit dominiert. Diese Analysen und Forderungen sind Kern des zweiten Impulspapiers (PDF) im Rahmen des Projektes Gemeinwohl im digitalen Zeitalter.
Als ein Kooperationsprojekt zwischen der Stiftung Neue Verantwortung und der Bertelsmann-Stiftung skizziert das Papier von Leonie Beining gemeinwohlorientierte Handlungsmöglichkeiten in den sich verändernden Rahmenbedingungen des digitalen Zeitalters.
Permanentes Erheben und Auswerten von Daten
Die im Alltag mittlerweile permanent erhobenen Daten, ob online oder offline, lassen sich durch Algorithmen immer besser auswerten und wirtschaftlich nutzbar machen. Dadurch entstehen beispielsweise personalisierte Versicherungen, basierend auf den Daten von Fitnessarmbändern. Solche Angebote widersprächen laut Beining dem gesellschaftlichen Solidargedanken. Ihr zufolge sollten die Vorteile datengetriebener Technologien allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung gestellt werden.
Vor diesem Hintergrund seien auch die neueren Entwicklungen auf europäischer Ebene kritisch zu begleiten:
Die anstehende Umsetzung der grundsätzlich sehr weitreichenden EU-Datenschutzgrundverordnung in Deutschland bietet Anlass zur Sorge, dass bisher strenge Regelungen zum Umgang mit Daten eher aufgeweicht werden und den Weg freimachen für fragwürdige Geschäftsmodelle.
Die Aufgabe: Potentiale und Alternativen aufzeigen
Das Impulspapier mit dem Titel „Der Puls der Gesellschaft. Wie Daten und Algorithmen die Rahmenbedingungen für das Gemeinwohl verändern“ entwickelt Lösungsvorschläge: Zivilgesellschaftliche Akteure sollten eine stärker gemeinwohlorientierte Politikgestaltung im Bereich Daten und Algorithmen auf die politische Agenda setzen. Zusätzlich fordert das Papier eine engere Vernetzung der Akteure untereinander, um eine breitere Basis und damit einen größeren Resonanzraum herzustellen.
Darüber hinaus bräuchte es für die normalen Bürger mehr konkrete Möglichkeiten, mit ihren Daten mündig umzugehen. So müsste die Entwicklung von Projekten zur gemeinwohlorientierten Nutzung von Daten und Algorithmen weiter vorangetrieben werden (etwa Open-Data-Community, Prototype Fund, Data Science for Social Good Berlin, CorrelAid).
Voraussetzung: Mehr Wissen über Daten und Algorithmen
Um diese Aufgaben erfüllen zu können, müssten Beining zufolge die zivilgesellschaftlichen Akteure und die beteiligten Wissenschaftler selbst noch mehr über Daten, Algorithmen, ihre Nutzung und dessen Auswirkungen lernen. Daran anschließend könnten konkretere Forderungen zum Schließen von Datenschutzlücken gestellt und die Bürger besser aufgeklärt werden.
Umso wichtiger ist es, dass sich auch Akteure der Zivilgesellschaft, die langfristige gesamtgesellschaftliche Interessen im Blick haben, mit den Auswirkungen der Datennutzung und algorithmischer Verfahren auseinandersetzen und sich für einen gemeinwohlorientierten Umgang mit der Technologie starkmachen. Stiftungen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen müssen erkennen, dass die Chancen und Risiken des technologischen Wandels auch die ureigenen Aktivitäten und Ziele gemeinwohlorientierter Organisationen betreffen.
Das komplette Impulspapier (13 Seiten) findet sich hier (PDF).

