Datenschutz

Impulspapier: Erhobene Daten müssen dem Allgemeinwohl dienen

Das digitale Zeitalter führt zu einer permanenten Erhebung und Auswertung von Alltagsdaten aller Menschen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten allen Menschen gleichermaßen zugute kommen, fordert ein Impulspapier der Stiftung Neue Verantwortung.

Die wirtschaftliche Verwertung von im Alltag generierten Daten. CC-BY 2.0 Open Knowledge

Die gemeinwohlorientierte Nutzung von Daten und Algorithmen ist eine gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Zivile Akteure müssen sich mit progressiven Vorschlägen noch stärker in den Diskurs einbringen. Letzterer wird momentan stark von wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten und den Argumenten für den Erhalt der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit dominiert. Diese Analysen und Forderungen sind Kern des zweiten Impulspapiers (PDF) im Rahmen des Projektes Gemeinwohl im digitalen Zeitalter.

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Als ein Kooperationsprojekt zwischen der Stiftung Neue Verantwortung und der Bertelsmann-Stiftung skizziert das Papier von Leonie Beining gemeinwohlorientierte Handlungsmöglichkeiten in den sich verändernden Rahmenbedingungen des digitalen Zeitalters.

Permanentes Erheben und Auswerten von Daten

Die im Alltag mittlerweile permanent erhobenen Daten, ob online oder offline, lassen sich durch Algorithmen immer besser auswerten und wirtschaftlich nutzbar machen. Dadurch entstehen beispielsweise personalisierte Versicherungen, basierend auf den Daten von Fitnessarmbändern. Solche Angebote widersprächen laut Beining dem gesellschaftlichen Solidargedanken. Ihr zufolge sollten die Vorteile datengetriebener Technologien allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung gestellt werden.

Vor diesem Hintergrund seien auch die neueren Entwicklungen auf europäischer Ebene kritisch zu begleiten:

Die anstehende Umsetzung der grundsätzlich sehr weitreichenden EU-Datenschutzgrundverordnung in Deutschland bietet Anlass zur Sorge, dass bisher strenge Regelungen zum Umgang mit Daten eher aufgeweicht werden und den Weg freimachen für fragwürdige Geschäftsmodelle.

Die Aufgabe: Potentiale und Alternativen aufzeigen

Das Impulspapier mit dem Titel „Der Puls der Gesellschaft. Wie Daten und Algorithmen die Rahmenbedingungen für das Gemeinwohl verändern“ entwickelt Lösungsvorschläge: Zivilgesellschaftliche Akteure sollten eine stärker gemeinwohlorientierte Politikgestaltung im Bereich Daten und Algorithmen auf die politische Agenda setzen. Zusätzlich fordert das Papier eine engere Vernetzung der Akteure untereinander, um eine breitere Basis und damit einen größeren Resonanzraum herzustellen.

Darüber hinaus bräuchte es für die normalen Bürger mehr konkrete Möglichkeiten, mit ihren Daten mündig umzugehen. So müsste die Entwicklung von Projekten zur gemeinwohlorientierten Nutzung von Daten und Algorithmen weiter vorangetrieben werden (etwa Open-Data-Community, Prototype Fund, Data Science for Social Good Berlin, CorrelAid).

Voraussetzung: Mehr Wissen über Daten und Algorithmen

Um diese Aufgaben erfüllen zu können, müssten Beining zufolge die zivilgesellschaftlichen Akteure und die beteiligten Wissenschaftler selbst noch mehr über Daten, Algorithmen, ihre Nutzung und dessen Auswirkungen lernen. Daran anschließend könnten konkretere Forderungen zum Schließen von Datenschutzlücken gestellt und die Bürger besser aufgeklärt werden.

Umso wichtiger ist es, dass sich auch Akteure der Zivilgesellschaft, die langfristige gesamtgesellschaftliche Interessen im Blick haben, mit den Auswirkungen der Datennutzung und algorithmischer Verfahren auseinandersetzen und sich für einen gemeinwohlorientierten Umgang mit der Technologie starkmachen. Stiftungen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen müssen erkennen, dass die Chancen und Risiken des technologischen Wandels auch die ureigenen Aktivitäten und Ziele gemeinwohlorientierter Organisationen betreffen.

Das komplette Impulspapier (13 Seiten) findet sich hier (PDF).

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10 Kommentare
  1. Die erhobenen Daten helfen Kriminellen oder fremden Regierungen, die keine demokratischen Ziele verfolgen, ihre Interessen durchzusetzen. Die erhobenen Daten machen erpressbar, somit indirekt unterwürfig. Die erhobenen Daten schützen einen Bürger nicht, sondern gefährden ihn, da er seine Daten nicht zurückerlangen kann und besagte Daten jederzeit gegen einen Bürger eingesetzt werden können. Die Daten können weltweit rotieren, keine Kontrolle über den Verbleib der Daten und deren Einsatz. Deswegen ist BigData schon jetzt eine unausweichliche Katastrophe und eine äußerst gefährliche Entwicklung unserer Zeit, an der sich Datenherrscher und autoritäre Regierungen noch ausgiebigst vergehen werden unliebsame / andersdenke Bürger, Politiker, Journalisten, Geschäftsvorstände usw. brav auszusortieren. Passt oder passt nicht. Freiheit ist dann nicht mehr wirklich existent. Kontrolle, Macht und auf anderer Seite die Angst irgendeinen Fehler zu begehen viel eher die Folge.

    Das ist eine futuristische Gewissheit und sie ist bereits in Gange.

  2. Spätestens beim Wort „Stiftung“ ist doch alles klar. Wer das nicht versteht, möge auf die Seite mit den Finanziers schauen. Dort stehen die Namen der üblichen neoliberalen Dreckschleudern und Profiteure, die den Staat zwar reduzieren wollen, aber alles tun, um an dessen „Fördergelder“ zu kommen oder einfach legal Steuern zu sparen.

    „Die Stiftung Neue Verantwortung (SNV) verfügte im Geschäftsjahr 2015 über ein Gesamtbudget von 1,2 Millionen Euro.“

    Man bekommt nicht einfach von Läden wie bertelsmann, kpmg oder pwc Geld und kann dann behaupten unabhängig zu sein und sich für die Öffentlichkeit einzusetzen.
    Was für eine Lachnummer.

  3. Also, erst mal geht es ja „nur“ um einen Hinweis auf eine neue Initiative , die beteuert das Gemeinwohl zu schützen (Von den Autoren dort haben auch schon welche auf Netzpolitik geschrieben). Wenn ich nun aber nicht naiv bin und in den letzten 20 Jahren beobachtet habe, was das Steuervermeiduns-Konstrukt namens Bertelsman-Stiftung für das Gemeinwohl getan hat, wie zB die Ausarbeitung und Promotion der neoliberalen Agenda 2010 , das Promoten der Renten-Privatisierung (siehe aktuell die Proteste in Chile gegen Pinochets Privat-Renten System >2Mio auf der Straße!) dann habe ich den Verdacht das es sich bei dieser Stiftung „SNV“ um eine sog „Astro-Turfing“ (Astroturf=Kunstrasen) Initiative handelt mit dem Ziel die Schaf-Herde in die gewünschte Richtung zu lotsen.
    Wenn es um den ‚Kampf um die Köpfe‘ geht, dann wird manipuliert, beschissen und gelogen. Das firmiert dann unter „public-diplomacy“ oder noch feiner „public-affairs“ (also ehemals schlicht Propaganda..ja, das macht nicht nur Mao und der böse Iwan !). Und da wird dann auch schon mal eine „Gemeinwohl-Orientierung“ vorgetäuscht.

    Ich habe seit längerem den Eindruck / den Verdacht das Netzpolitik.org sich in einem ähnlichen Prozess der moralischen Korruption durch „die Macht“ befindet, wie bspw. die Gruenen damals.
    Nicht das aus dem ehemals wirklich aufrichtigen „GrassWurzel“ Blog schleichend eine Art transatlantische (und damit meine ich Neoliberale und somit NICHT Gemeinwohl orientierte) Rattenfänger-Organisation wird ??

    Ich vermute das der finanzielle Druck durch die vielen Mitarbeiter von Netzpolitik.org und die Unsicherheit des Croudfunding (ohne Stiftungs-Gelder…?) diesen Prozess triggert und befeuert.

  4. Vielleicht ist es ja der völlig falsche Ansatz!

    Nur weil hier ganz groß und inflationär „Gemeinwohl“ dran steht, macht es doch die Datensammelwut nicht besser.

    Mein Ansatz wäre ja, zu forschen, welche Daten zwingend erhoben werden müssten, welche Daten einen wirklich dem Gemeinwohl dienenden Charakter haben könnten, welche Daten zu sehr private Bereiche tangieren und daher eher gar nicht erst erhoben werden sollten, von welchen Daten und deren Verknüpfung welche Gefahren ausgehen und ganz besonders, wie Daten sicher aufbewahrt und verarbeitet werden können.

    Das würde dem „Gemeinwohl“ dienen und man müsste es nicht immer wie ein Fähnchen vor sich her tragen.

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