„Exzellenz beinhaltet Offenheit“: Schweizer Forschung ab 2024 komplett Open Access

Die Schweiz steigt bis 2024 vollständig auf „Open Access“ für öffentlich finanzierte Forschung um. Die Umsetzung der Strategie soll sofort beginnen. In Deutschland sind derweil zahlreiche Universitäten für Elsevier-Beiträge auf Fernleihe angewiesen.

Bild: Sara Thompson (BY-SA 2.0)

Die Schweizer Rektorenkonferenz „Swissuniversities“ hat sich in ihrer Plenarversammlung am 31.1.2017 auf eine nationale Open-Access-Strategie geeinigt, wonach bis 2024 „in der Schweiz mit öffentlichen Mitteln finanzierte Publikationen öffentlich und kostenfrei zugänglich sein“ sollen. Die „Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz“ (PDF) war von Swissuniversities im Auftrag des Schweizer Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation erarbeitet worden.

Als konkrete Maßnahmen listet das Strategiepapier sieben Punkte auf:

  1. Einführung und Abstimmung von OA-Politiken: Alle wesentlichen Forschungseinrichtungen sollen über aufeinander abgestimmte Open-Access-Richtlinien verfügen,
  2. Verhandlungen mit Verlagshäusern, die „verschiedenste Modelle“ wie Lizenzklauseln oder Mitgliedschaften bei OA-Verlagen und jedenfalls eine Ausstiegsklausel im Falle des Scheiterns beinhalten,
  3. Koordinierung und Zusammenlegung der Ressourcen, z. B. hinsichtlich institutioneller Repositorien,
  4. Alternative Publikationsformen, „die die Position der Wissenschaft gegenüber den Verlagen stärken“,
  5. Kommunikation und Sensibilisierung, wobei sich die Schweiz u. a. dazu verpflichtet, auch in der internationalen Debatte eine aktive Rolle zu spielen,
  6. Unterstützender regulatorischer Rahmen, wonach u. a. „ein bedingungsloses Recht auf eine zweite Publikation (Sekundärpublikationsrecht) garantiert“ wird,
  7. Nationales Monitoring der Bemühungen.

Umsetzung soll sofort beginnen

Die Implementierung der Maßnahmen soll „ohne Verzug“ sofort beginnen und bis Sommer 2017 in einen Aktionsplan münden. Der schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) – das Pendant zur Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – begrüßte die Einigung unter Verweis auf das eigene Motto „‚Excellence comprises openess‘ – Exzellenz beinhaltet Offenheit“.

Währenddessen haben in Deutschland über sechzig Forschungseinrichtungen seit Jahresbeginn keinen Zugriff auf neue Beiträge in Elsevier-Zeitschriften bzw. sind diesbezüglich auf Fernleihe angewiesen, weil das hiesige „Projekt Deal“ für eine kollektive Open-Access-Vereinbarung mit dem Großverlag Elsevier gescheitert ist (vgl. eine Liste der betroffenen Forschungseinrichtungen).

Keine Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Die Kommentar-Regeln findest Du hier.

Unterstütze unsere Recherchen und Berichterstattung für Grundrechte und ein freies Internet durch eine Spende. Spenden