Überwachung

China: Mit Gesichtserkennung gegen Klopapierdiebstahl

Lange galt Großbritannien als Vorreiter in Sachen Videoüberwachung. Doch China läuft Europas Überwachungsland Nummer 1 mittlerweile den Rang ab.

Geht gar nicht: Übermäßiger Gebrauch von Klopapier in chinesischen Toiletten (Symbolbild). CC-BY-NC-ND 2.0 Namelas Frade

Wer in manchen chinesischen Städten versucht, bei Rot über die Straße zu gehen, muss damit rechnen, in Echtzeit an den öffentlichen Pranger gestellt zu werden. Vergleichsweise harmlos erscheint es dagegen, bei einem Ladenbummel in Peking von maßgeschneiderten Werbeeinblendungen begrüßt zu werden, die ein System automatisch anhand von „Alter, Geschlecht, Stimmung, Attraktivität und der größten Ähnlichkeit mit einer Berühmtheit“ ermittelt. Dahinter steckt Videoüberwachung mit Gesichtserkennung, die in China keine dystopische Zukunftsvision mehr ist, sondern zunehmend Teil des Alltags wird, berichtet das Wall Street Journal in einer ausführlichen Reportage.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Zum Einsatz kommt die Technik sowohl in privaten als auch in öffentlichen Einrichtungen; mal lokal, mal vernetzt mit einer zentralisierten staatlichen Datenbank, die Bilder sämtlicher chinesischer Bürger enthält. Von immer zuverlässiger funktionierender künstlicher Intelligenz ausgewertet werden außerdem die Bilder, welche die 700 Millionen chinesischen Internetnutzer auf sozialen Plattformen wie Weibo posten.

Omnipräsente Videoüberwachung

Vor zwei Jahren habe das Ministerium für Öffentliche Sicherheit nach einem „omnipräsenten, vollständig vernetzten, stets aktivierten und vollständig kontrollierbaren“ Videoüberwachungssystem verlangt, schreibt das Wall Street Journal – und die Polizeibehörden scheinen zu bekommen, was notwendig ist, um das Verhalten der eigenen Bürger zu kontrollieren und in gewünschte Bahnen zu lenken. Auch wenn es bloß darum geht, Diebstahl von Klopapier in öffentlichen Toiletten zu verhindern.

Dabei ist die flächendeckende Überwachungsmaschine noch längst nicht fertiggestellt: Bis 2020 will China ein „Social Credit“-System errichten, das jedem Bürger einen Score zuweist – je nachdem, wie man sich in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz verhält. Mit entsprechenden Folgen für das private oder berufliche Vorankommen. Helfen werden dabei die geschätzten 450 Millionen Kameras, die bis dahin in Betrieb sein sollen.

10 Kommentare
    1. Offensichtlich reicht manche Polizeiausbildung nur zur Überwachung von Klopapierdiebstahl.
      Da bekommt der Spruch „Manche Ausbildungen sind fürn Arsch“ eine tiefergehende Bedeutung.
      Korruptionsbekämpfung,Verbrechensbekämpfung kapitaler Art,stehen nicht auf deren Agenda.
      Je mehr Lagen das gestohlene Klopapier hat,desto mehr Sterne bekommt der erfolgreiche Polizeiddtektiv ans Revers geheftet.
      Jetzt weiß ich endlich was Sterne bei manchen Polizisten und Generälen bedeuten,China sei Dank.

  1. Als Bürger will ich Sicherheit, die meine Freiheit garantiert. Im London der 70er Jahre stand an jeder Straßenecke ein Bobby, ohne Waffe, mit einer Trillerpfeife, fand ich gut.
    Als älterer Herr investiere ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Bezahlautomaten mit Werbedisplay und Kamera mit Gesichtserkennung, gut für die Rendite.
    Als Internet- und Smartphone-Benutzer habe ich gelernt, die Bannerwerbung praktisch vollständig aus meiner Wahrnehmung auszublenden. „Soziale Netze“ sind Teufelszeug, Finger weg!
    Was die Politik heutzutage an Überwachungsgesetzen und -werkzeugen einsetzt, paßt mir nicht, aber ich muß damit umgehen. Überall auf der Welt.
    Jammern und Lamentieren haben das nicht verhindert, der scheinbare Erfolg gegen real,- ist wohl ein vorübergehender. Aber hierzulande wird auch „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ abgeschaltet. Lächerlich!
    In Thailand kannst du das Toilettenpapier 10-lagig zusammenfalten, es taugt trotzdem nichts, besser im 7-eleven Küchenrolle kaufen.
    Auf kritischen Webseiten wimmelt es von Kommentaren ala Man müßte.. Wann macht endlich.. Armseelig!
    Buddha hat gesagt: Glaube Niemandem, überzeuge dich selbst. Und: Nimm die Dinge, wie sie sind, und finde deinen Weg.
    Es sind nicht die Ratten, die als erste das sinkende Schiff verlassen, sondern die Intelligenz und die Vermögen.
    Happy end ist Hollywood.

    1. @Trittbrettreter

      In China gibt’s Anlagen wo du zuerst dein Gesicht scannen must, und dann bekommst du deine Ration an Klopapier. Und jedes Gesicht bekommt nur eine gewisse menge.
      Die Verwaltung desjenigen Parks hat sich auch beeilt mitzuteilen dass falls jemand Durchfall hat selbstverständlich der Toilettenwächter das zusätzlich nötige Toilettenpapier zur Verfügung stellt.

      Anmerkung 1: „Toilettenwächter“ gibt’s bei vielen öffentlichen Toilette in grösseren Chinesischen Städten.
      Anmerkung 2: Toilettenpapier an öffentlichen Toiletten ist in China schon fast Luxus. Das erste was man in China lernt ist, immer Papiertaschentücher dabei zu habe, weil so gut wie alle öffentlichen Toiletten kein Klopapier haben, was den Gesichtserkennungstoilettenpapierrationierungsautomaten doch in einem ganz anderen Licht stehen lässt.

    2. @ Trittbretttreter
      Da kann man ja von voller Auslastung bei den thüringischen Staatsdienern sprechen,ein Drittel der Staatsdiener ist mehr oder weniger unrühmlich in den NSU Sumpf verstrickt,das 2.te Drittel sucht sich den Klopapierraub als Hauptbeschäftigung aus und das letzte Drittel an Staatsmitarbeitern observiert den Klopapierdiebstahl der Kollegen per Überwachung.
      Vielleicht sollte man per se die Ausbildung zum Staasdiener auf den Prüfstand stellen,denn solche Diener dienen nicht dem Menschen und die braucht kein Mensch.
      Wenn Thüringen mit dem Slogan „Deutschlands starke Mitte“ ist,was mag da in Übrigdeutschland/Restdeutschland in deutschen Amtsstuben vor sich gehen,da graust es mir ,wenn ich darüber nachdenke.

  2. Wieso immer nach Fernost in China schauen?
    In Deutschland habe ich vor kurzem etwas viel heftigeres erlebt.
    Ich machte in einer IT Bude ein Praktikum, dann kam auf einmal einer der Chefs rein und beauftragte die IT-Fachleute 5 Überwachungskameras in der IT Bude zu installieren. Ist ja alles nicht so schlimme so weit so gut. Wäre da nicht die folgende Forderung: Auch in der Toilette eine Überwachungskamera installieren.
    Denn so der Chef wörtlich: „Ich möchte wissen, welcher Praktikant wann wie die Toilette dreckig gemacht hat“.
    Denn die gut bezahlten fest angestellten IT-Facharbeiter machen so etwas nicht.
    Es sind immer diese blöden faulen und unbezahlten Praktikanten, die immer alles dreckig und kaputt machen.
    Ich finde solche Chefs gehören sofort gefeuert ohne wenn udn aber !
    Der Kerl hat echt einen extremen Dachschaden. Er hat einen tiefen Hass auf alle Praktikanten, aus diesem Grund sollen die Überwachungskameras installiert werden, damit er sie Tag und Nacht beobachten,observieren kann.

    Bei Bedarf kann ich sogar den Namen der Bude nennen und die dazugehörige Adresse, allerdings aus datenschutzgründen nur per Mail.

    1. Vielleicht hat sich die Bude in den letzten 1,5 Jahren gewandelt. Aber noch vor 18 Monaten als ich dort war, standen die Beschimpfungen gegen Praktikanten in dieser IT-Bude an der Tagesordnung. Jeder Praktikant stand unter Generalverdacht und wurde von vorherein als dumm, inkompetent,krawallmachend, unordentlich und faul abgestempelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.