Erst diese Woche hat die Bundesregierung wieder einmal bestätigt, nicht preisgeben zu wollen, mit welchen anderen Geheimdiensten der Bundesnachrichtendienst (BND) zusammenarbeitet. Auf eine parlamentarische Anfrage antwortete die Dienst- und Fachaufsicht des BND, dass dazu keine Statistiken existieren würden und eine Erstellung dieser zu viel Aufwand bedeuten würde.
Die Nichtregierungsorganisation Privacy International hat nun zusammen mit über 30 nationalen Menschenrechtsorganisationen eine Kampagne gestartet, um herauszufinden, ob und wie parlamentarische Aufsichtsorgane über den Austausch von Geheimdienstinformationen unterrichtet werden. Sie haben über 40 Aufsichtsorgane kontaktiert, in Deutschland etwa den dafür zuständigen parlamentarischen Ausschuss, die G‑10 Kommission.
Geheimdienste können durch den Austausch von Informationen Gesetze umgehen
Diese Aufsichtsorgane sollen eigentlich die jeweils heimischen Geheimdiensten beaufsichtigen. Privacy International schreibt, dass der Austausch von Geheimdienstinformationen von Regierungen dafür genutzt werden kann, geltende nationale und internationale Gesetze zu umgehen. Außerdem kann der Austausch von Geheimdienstinformationen zu Menschenrechtsverletzungen führen.
Um herauszufinden, ob die demokratisch legitimierten Aufsichtsorgane genügend Material und Möglichkeiten haben, um ihrer Aufgabe nachzugehen, hat Privacy International gefragt, ob sie…
… über die Austauschaktivitäten von Geheimdienstinformationen ihrer Regierungen informiert sind; … den Austausch von Geheimdienstinformationen ihrer Regierungen unabhängig beaufsichtigen können; … auf alle relevanten Informationen über den Austausch von Geheimdienstinformationen ihrer Regierungen zugreifen können; … Entscheidungen ihrer Regierungen, bestimmte Geheimdienstinformationen zu teilen, überprüfen und/oder unabhängige Untersuchungen über den Austausch von Geheimdienstinformationen ihrer Regierungen führen können; und … mit anderen Aufsichtsorganen in der Beaufsichtigung von Geheimdienstinformationsaustausch ihrer Regierungen kooperieren können.
Antworten bis Ende Oktober
Die Kontrollgremien haben nun bis zum 31. Oktober Zeit, auf diese Fragen zu antworten. In der Zwischenzeit kann man auf einer Karte sehen, welche Behörden genau angeschrieben wurden. Die Karte wird von Privacy International auch laufend aktualisiert, sodass man verfolgen kann, wann und aus welchen Ländern Antworten eintreffen.
