Ob WhatsApp, Signal, Snapchat oder Twitter – immer mehr Dienste wollen die Telefonnummern ihrer Nutzer haben. Die Telefonnummer verdrängt langsam aber sicher die E‑Mailadresse, wenn man sich einen neuen Account klickt oder eine App installiert. Hintergrund dieses Trends, den Wired in einem Artikel beschreibt, ist: Menschen wechseln ihre Telefonnummer nur selten, während jeder sich in ein paar Minuten eine neue Mailadresse klicken kann.
Die Telefonnummer als „Universal Identifier“ erleichtert es einerseits, die Telefonkontakte der Nutzer in den Adressbüchern zu synchronisieren, und erlaubt es Unternehmen andererseits, Nutzer über Apps und Dienste hinweg zu identifizieren. Das erleichtert Werbetracking und Targeting enorm. In Deutschland kam eine größere Debatte über die Nutzung der Telefonnummer auf, als WhatsApp die Nummern seiner Nutzer mit dem Mutterkonzern Facebook teilen wollte. Die zunehmend verpflichtende Preisgabe der Telefonnummer bedroht sowohl den Datenschutz als auch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit im Netz: Anonyme und pseudonyme Nutzung des Internets werden damit verdrängt. Gleichzeitig schwinden die Möglichkeiten, sich mit Wegwerf-Mailadressen vor Spam und Werbung selbst zu schützen.
Das Problem der Telefonnummer bei Instant Messengern hat aber auch eine andere Ebene. Wer mit der App Signal mit anderen Menschen verschlüsselt kommunizieren möchte, muss auch fremden Personen gleich seine Telefonnummer herausgeben. Jillian York von der EFF kritisiert dies in einem Blogbeitrag als Einfallstor für Belästigungen: „Was passiert eigentlich, wenn die Person mich dann mitten in der Nacht anruft?“ Eine Telefonnummer ist privater als eine Mailadresse. York plädiert deswegen an App-Entwickler, dass sie die Nutzung von Alias-Namen und damit eine pseudonyme und Privatsphäre schonende Nutzung erlauben.
Oftmals gibt es nur eine Möglichkeit, den grassierenden Telefonnummern-Zwang zu kontern: die Nutzung von unregistrierten SIM-Karten bei der Anmeldung. Doch diese SIM-Karten sind in Europa immer schwieriger zu bekommen, wie eine Recherche von netzpolitik.org zeigt. In Deutschland sind sie inzwischen untersagt.
Für den verschlüsselten Messenger Signal hat The Intercept jetzt eine Anleitung gepostet, wie man dort einen Account anlegt, ohne seine Telefonnummer preiszugeben.
