Überwachung

Twitter weigert sich, Auskunft zu mutmaßlichen Hackerangriffen zu geben – Betroffene haben viele Fragen

Im Dezember 2015 hat Twitter einige Nutzer darüber informiert, dass sie unter Umständen „Ziel eines staatlich motivierten Hackerangriffs geworden sein könnten.“ Bis heute versuchen die Betroffenen, nähere Informationen zu bekommen. Doch Twitter schweigt. Unsere Co-Autorin Anne Roth schreibt auf ihrem Blog:


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Theorien haben wir selber jede Menge, und natürlich haben wir auch an Twitter geschrieben. Ich habe keine Antwort bekommen, andere eher nichtssagende Textbausteine.

Die Betroffenen haben daher ihre Fragen veröffentlicht, nachdem sich einige von ihnen auf dem Chaos Communication Congress in Hamburg getroffen hatten. Viele sind im netzaktivistischen Umfeld aktiv und nutzten Tor, um auf ihre Twitter-Accounts zuzugreifen – ob sie das zum Ziel der vermeintlichen Angriffe gemacht hat, ist eine wichtige Frage unter vielen. Jens Kubieziel, selbst Betroffener, drückt das folgendermaßen aus:

[Die Betroffenen] möchten alle gern wissen, warum gerade sie Ziel der Angriffe waren. Auch wenn ein Teil der Antworten uns verunsichern würde.

Es wird höchste Zeit, dass Twitter auf die Anfragen reagiert. Mit fortdauerndem Schweigen werden nur Spekulationen befeuert und Betroffene abgeschreckt. Kai Biermann berichtet auf Zeit Online von drei möglichen Szenarien. Eines davon ist, dass eine staatliche Behörde, beispielsweise aus den USA, Nutzerdaten bei Twitter abgefragt und der Firma gleichzeitig einen Maulkorberlass auferlegt hat. Dann jedoch wäre die Mitteilung an sich ein Verstoß gegen diese Verfügung.

Die zweite Theorie dreht sich darum, dass sich eine staatliche Behörde oder andere kriminelle Organisation in Twitters System gehackt hat, um sich von den zuerst betroffenen Accounts aus auf weitere Nutzer zu verbreiten.

Eine dritte Vermutung, bei der die Tor-Nutzung der Betroffenen im Vordergrund steht, ist ein Angriff auf einen Twitter-Server. Der könnte möglicherweise von den Betroffenen gleichzeitig genutzt worden sein. Twitters Schweigen könnte sich hier daraus begründen lassen, dass der Angriff auf die eigene Serverstruktur als Peinlichkeit verborgen werden soll.

All das sind Vermutungen. Keiner der Betroffenen hat Gewissheit, wie und ob die Angriffe tatsächlich stattgefunden haben. Doch genau das wäre eine zentrale Information, um sich in Zukunft vor ähnlichen Attacken zu schützen. Genau da verletzt Twitter seine Verantwortung gegenüber seinen vielen Nutzern. Und sollte das Schweigen brechen – aller eventuellen Peinlichkeiten zum Trotz.

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10 Kommentare
  1. Twitter ist kein Projekt zur Verbesserung der Welt, sondern ein börsennotiertes Großunternehmen, das vorwiegend seine eigenen Ziele verfolgt.
    Im Übrigen finde ich diese Twitteria samt ihren „Followern“ zum kotzen! Man muss schon ordentlich einen an der Birne haben, um sich als „Follower“ bezeichnen zu lassen. Follow your leader, stupid!

  2. @Trau schau wem: Folgen hat mehr als einen Kontext. Und bei Twitter geht es mehr um das verfolgen von Nachrichten.
    @Karl: Kleiner Makel: Twitter empfiehlt in der Mail den betroffenen Nutzern Tor zu verwenden (was sie selber nicht einfach machen, was deren Spamerkennung angeht. Aber sie werden kaum das empfehlen was der Grund für die Mail war).

    1. @allo
      > Folgen hat mehr als einen Kontext. Und bei Twitter geht es mehr um das verfolgen von Nachrichten.

      Nein. Bei Twitter haben Meinungsmacher die Nase vorn, die Aufmerksamkeit um jeden Preis erlangen wollen. Follower sind passive Konsumenten, die am Nasenring durch den Cyberspace gezogen werden.

      Wann wird ein Text zur Nachricht? Sind es nicht eher Mitteilungen?

  3. Herr Biermann nennt nicht die weitere denkbare Variante: Twitter springen die Nutzer ab und es gibt keine neuen, die das aufwiegen. Wer produziert mehr (Werbe-)Krach als „Aktivisten“? Angriffe gibt es ganz sicher ständig. So eine Ansage „Ihr Account …“ dürfte immer irgendwie stimmen.

  4. @allo: Ich kann Deine Argumentation nachvollziehen. Allerdings ist es meiner Erfahrung nach so, dass je groesser ein Unternehmen ist desto weniger weiss eine Hand, was die andere tut. Fuer mich ist noch immer die wahrscheinlichste Erklaerung, dass Tor als Angriff wahrgenommen wurde, diese Ansicht dann nach der voreiligen Warnung und einer internen Diskussion als Unsinn erkannt wurde und jetzt will man nichts mehr sagen weils peinlich ist.

  5. Ein deutscher Wissenschaftler hat Twitter ukrainische Spam-Bot-Aktivitäten gemeldet. Twitter reagiert nicht. „Dort müsse die Bot-Produktion auch geahndet werden, sagt Wissenschaftler Simon Hegelich. Denn während er als Bot-Jäger die falschen Accounts nur aufspüren kann, sieht er die Plattform-Betreiber in der Pflicht, die Bots zu entfernen. Die Bot-Armee aus der Ukraine hatte er bereits an Twitter weitergeleitet. Doch es sei bisher nichts passiert. Das könnte gefährlich werden, sobald sich Politiker ein Meinungsbild im Netz machen, meint der Forscher.“ http://www.bento.de/gadgets/social-bots-manipulieren-facebook-und-twitter-einige-verdienen-damit-geld-258770/

    Ukrainische Hacker greifen seit Monaten offen und mit einer eigenen öffentlichen Twitter-App und Prangerwebsite ihnen nicht genehme Twitteraccounts an. Siehe: http://blauerbote.com/2015/04/22/ukrainer-veroeffentlichen-twitter-blockliste/ . Twitter tut nichts dagegen.

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