Wer löscht all die Gewaltvideos, Hasskommentare und (weiblichen) Nippelbilder auf Facebook? Für Deutschland und andere Länder sind seit einem Jahr etwa 600 Mitarbeiter in einem Löschteam beim Dienstleister Arvato in Berlin dafür zuständig. Dem Magazin der Süddeutschen Zeitung ist es gelungen, ausführlich mit Mitarbeitern über die aufwühlende Arbeit zu sprechen.
Der Artikel selbst liegt hinter einer Paywall, aber es gibt eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte. So erzählt eine Person:
Die Regeln waren kaum zu verstehen. Ich habe meinem Teamleiter gesagt: Das gibt’s doch nicht, das Bild ist total blutig und brutal, das sollte kein Mensch sehen müssen. Aber er meinte nur: Das ist deine Meinung. Aber du musst versuchen, so zu denken, wie Facebook es will. Wir sollten denken wie Maschinen.
Laut Süddeutscher Zeitung berichten die Mitarbeiter alle von undurchsichtigen Vorschriften, die sich zudem häufig ändern. Für ein Gehalt von knapp über dem Mindestlohn müssten etwa 2.000 Beiträge pro Tag geprüft werden, teilweise hätten Mitarbeiter nur acht Sekunden Zeit für ihre Löschentscheidung. In Berlin arbeiten auch Teams für andere Länder, die Arabisch, Französisch oder Türkisch sprechen. Die Süddeutsche veröffentlicht zudem erstmals Auszüge aus den geheimen Löschregeln von Facebook.
Die Aussagen der Mitarbeiter decken sich mit Berichten aus den Philippinen, wo bis zu 150.000 Menschen für verschiedene Webseiten Inhalte filtern und löschen. Vor einigen Wochen hatte bereits Mobilegeeks mit einem ehemaligen Mitarbeiter der Bertelsmann-Tochter Arvato gesprochen.
