SZ-Recherche: So arbeitet das Facebook-Löschteam in Berlin

Foto: CC-0 William Iven

Wer löscht all die Gewaltvideos, Hasskommentare und (weiblichen) Nippelbilder auf Facebook? Für Deutschland und andere Länder sind seit einem Jahr etwa 600 Mitarbeiter in einem Löschteam beim Dienstleister Arvato in Berlin dafür zuständig. Dem Magazin der Süddeutschen Zeitung ist es gelungen, ausführlich mit Mitarbeitern über die aufwühlende Arbeit zu sprechen.


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Der Artikel selbst liegt hinter einer Paywall, aber es gibt eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte. So erzählt eine Person:

Die Regeln waren kaum zu verstehen. Ich habe meinem Teamleiter gesagt: Das gibt’s doch nicht, das Bild ist total blutig und brutal, das sollte kein Mensch sehen müssen. Aber er meinte nur: Das ist deine Meinung. Aber du musst versuchen, so zu denken, wie Facebook es will. Wir sollten denken wie Maschinen.

Laut Süddeutscher Zeitung berichten die Mitarbeiter alle von undurchsichtigen Vorschriften, die sich zudem häufig ändern. Für ein Gehalt von knapp über dem Mindestlohn müssten etwa 2.000 Beiträge pro Tag geprüft werden, teilweise hätten Mitarbeiter nur acht Sekunden Zeit für ihre Löschentscheidung. In Berlin arbeiten auch Teams für andere Länder, die Arabisch, Französisch oder Türkisch sprechen. Die Süddeutsche veröffentlicht zudem erstmals Auszüge aus den geheimen Löschregeln von Facebook.

Die Aussagen der Mitarbeiter decken sich mit Berichten aus den Philippinen, wo bis zu 150.000 Menschen für verschiedene Webseiten Inhalte filtern und löschen. Vor einigen Wochen hatte bereits Mobilegeeks mit einem ehemaligen Mitarbeiter der Bertelsmann-Tochter Arvato gesprochen.

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4 Kommentare
  1. „Das gibt’s doch nicht, das Bild ist total blutig und brutal, das sollte kein Mensch sehen müssen.“

    Und Leute die so ticken, dürfen Zensurnazie spielen. Aber zeigt halt genau ein Dauerproblem unserer Gesellschaft. Leute glauben besser zu wissen was gut/ertragbar für andere Menschen ist und machen ihnen basierend darauf Vorschriften.

    1. Facebook ist eine reine private Seite, die auch von Minderjährigen genutzt werden soll – also für die ganze Familie, da finde ich so eine Frage durchaus berechtigt. Dir steht es jederzeit frei, solche Bilder im Internet zu veröffentlichen, es gibt dagegen keine Zensur in Deutschland. Aber es gibt das Jugenschutzgesetz und andere Gesetze, die z.b. Opfer auf solchen Bildern schützen soll.

      Insofern finde ich es an genau dieser Stelle (also Facebook) richtig, dass es solche „Zensurnazies“ gibt. Wobei diese Menschen weder mit dem einem noch dem anderen zu tun haben. Aber das würde dich vermutlich überfordern.

  2. Outgesourcte Kanalarbeiter räumen den Dreck weg und pflegen das Aussehen der hässlichen Facebook-Fratze. Das gute Geschäft könnte ja leiden.

    Doch das, was da heimlich entsorgt wird (Sonderdeponie?) wird strafrechtlich nicht verfolgt. Machen sich die Firmen Facebook und Arvato der Strafvereitelung schuldig?

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