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Finnische Journalistin: Mein Jahr als Troll-Magnet

Die finnische Fernsehjournalistin Jessikka Aro untersucht seit September 2014 russische Online-Propagandastrategien und die Rolle der so genannten Trolle.

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Wegen ihrer Recherchen für den öffentlich-rechtlichen Sender Yle gerät Aro schnell selbst ins Visier der Informationskrieger. In einem Artikel auf Kioski beschreibt sie ihr Jahr als Troll-Magnet. Ihre Darstellung erschien schon im November 2015, gibt aber gute Einblicke wie eine Diffamierungs- und Einschüchterungskampagne gegen Journalisten funktioniert:

At first I followed the activities of the group but left after being constantly and frantically tagged in troll comments: I was blamed for the bloodshed in Ukraine, my looks and mental health were questioned, I was sexually harassed and called a russophobe. My story was falsified and people wished my death of a uranium poisoning. The point of the trolls was clear: recruited pro-Putin bloggers do not exist.

Jessikka Aro lässt sich nicht einschüchtern. Sie arbeitet weiter an diesem Thema und berät mittlerweile Kolleginnen und Kollegen, die von ähnlichen Aktionen betroffen sind.

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20 Kommentare
  1. Hat mal jemand einen Link zu einem bezahlten und nachgewiesenen deutschsprachigen Original-Russentrollpost irgendwo? Ich halte die immer noch für einen urbanen Mythos.

    Alles was ich bisher so an verdächtigem gelesen habe waren letztenendes zumeist Äußerungen von Menschen mit russlanddeutschem Migrationshintergrund.

    1. Bei Zeit Online einfach mal einen Beitrag z.B. zu den Ermittlungen der Absturzursache des Air-Malaysia-Fluges anschauen, in dem herauskommt, dass die Maschine von einer russischen Rakete getroffen wurde.

    2. Achja: Es ist Absicht, dass Beiträge in den Kommentarspalten deutscher Medien aussehen sollen, als kämen sie von normalen hier lebenden Menschen. Die Rhetorik verrät’s aber immer.

    3. @Frl. Unverständnis

      Grauhut wollte einen Beweis.
      Kommentarspalten, wo dies warscheinlich der Fall ist zählen dazu wohl ehr nicht.
      Außerdem ist da immer die Frage, ob diese dafür bezahlt werden oder es aus eigener Motivation machen.

    4. Wie sollte denn der Nachweis geführt werden, daß der Troll bezahlt ist? Das schreibt ja nun leider keiner dran.
      Wofür sollte das auch wichtig sein, ob es ein nützlicher Idiot oder ein gedungener ist?

      1. Das ist doch der Unterschied, der im Raum steht: „Putler bezahlt böse Trolle!“

        In irgendeinem Kommentarspalten-Zoo müsste man doch mal einen besichtigen können. Wo finde ich so einen Wolpertinger?

      2. „Putler bezahlt böse Trolle!“ Das ist einfach die andere Propagandafront. :-)
        Der Unterschied ist doch nur, daß sich beide Seiten für die Guten halten und dem gemeinen Dödel die Möglichkeit geben, sich auszusuchen vor welchen Karren er sich spannen lassen und welcher Fahne er meint hinterherrennen zu müssen. Vor lauter Ideologie merkt keiner mehr, daß es gar nicht um ihn oder seine Belange geht.
        Der Mensch ist eben ein ziemlich blödes Herdentier.

      3. Ich teile ja teilweise Deine Misanthropie, aber ich weiss halt gerne von wem ich gerade veräppelt werde, um mündige politische Wahlentscheidungen treffen zu können! Und Glaube ist nicht Wissen. :)

        Ich will also WISSEN, wo ich original Putler-Troll-Messages finden kann, weil ich nicht bereit bin belegfrei an Wolpertinger zu GLAUBEN. Wenn wir aufhören nach Wahrheit zu suchen und uns mit „eh alles Propaganda“ abfinden, dann driften wir in ein neues dunkles Zeitalter ab.

      4. „Wenn wir aufhören nach Wahrheit zu suchen und uns mit „eh alles Propaganda“ abfinden, dann driften wir in ein neues dunkles Zeitalter ab.“
        Das sehe ich gaaanz anders. Die Gefahr sehe ich da, wo irgendwas geglaubt wird und Ideologien oder Religionen hinterhergerannt wird. Wenn ich grundsätzlich erst mal keinem glaube, kann es mir nicht passieren, daß ich mich vor einen Karren spannen lasse.
        Als ich ein kleiner Junge war (6-7) buhlten zwei Fronten um meine Gunst. Das waren die Kirche und die „Roten“. Völlig überfordert fragte ich also meinen Vater, was er mir raten würde. Er sagte, dabei könne er mir nicht helfen und ich müsse mir das selbst genau ansehen und dann für mich entscheiden. Das tat ich dann und stellte für mich fest, daß sich beide Seite vornehmlich mit dem Diffamieren der jeweils gegnerischen Seite aufhielten dafür aber wenig Fruchtbares vollbrachten. Mein Schluß war, daß beide Veranstaltungen nix für mich wären. Seit dem kann man bei mir mit irgendwelchen …-ismen nicht wirklich punkten.
        Wahrheit suche ich schon lange nicht mehr. Ich freue mich, wenn ich etwas weniger belogen werde. Als diktaturerprobt, würde ich womöglich besser damit leben können, wenn die Weststasi mir ehrlich sagt, daß sie mich bespitzelt, als daß sie das leugnet oder vorgibt, irgendwas zu meinem vermeintlich Besten zu tun. Ärgerlich finde ich auch, daß man so wenig kreativ bei der Lügerei ist. Da fühle ich mich doch beleidigt, für so blöd gehalten zu werden.

    5. Kurzum. Das Internet ist kaputt. Und nur Vollpfosten nehmen noch, dass die gesteuerte PR und Probaganda Rate nicht relevant wäre. Dabei ist die kocker weit über 90 % . Übrigends völlig egal, ob von den Russen, der NSA, dem Mossad dem etc.etc., bis hin zu den Hotelbetreiber der seine Konkurenten schlecht ( oder sich selbst gut ) macht, dem Arzt der Kollegen anschwärzt, oder der Ec Freundin, die Ihren Lover ein auswischen will. Das ganz ist für den Arsch, und bestenfalls bei NP gibt es noch ewig gestrike, oder komplett Naive, die im Netz genau das NICHT sehen wollen. Eine einzige gewaltige desinformationsmaschine.

      1. Während Rechtschreibkenntnisse für „Vollpfosten“ auszureichen scheinen, sind seine Kenntnisse bezüglich „Probaganda“ (sic!) beschränkt.

        Der nächste Satz „Dabei ist die kocker (sic!) weit über 90 %,“ bleibt ein Rätsel.

        „Übrigends (sic!) völlig egal“ ist die Schreibweise von übrigens nicht.

        Das fehlende Leerzeichen zwischen „etc.etc. (sic!)“ mag man dem Kleinkünstler schon fast nachsehen, aber es geht weiter.

        „… bis hin zu den (sic!) Hotelbetreiber der seine Konkurenten (sic!)“ treibt dem Leser Tränen in die Augen. Richtig wäre bis hin zum. Und Konkurrenten, denen es an einem „r“ mangelt, sind nun wirklich keine.

        „dem (sic!) Arzt der Kollegen anschwärzt“ deutet auf einen chronifizierten Dativ-Fetisch des Autors.

        „oder der Ec [??] Freundin , die Ihren Lover ein (sic!) auswischen will.“

        „Das ganz ist (sic!) für den Arsch.“ Selbst das misslingt!

        „… gibt es noch ewig gestrike (sic!)“ Ewig Gestrige. Au Backe!

        Der krönende Abschluss misslingt mit „eine einzige gewaltige desinformationsmaschine (sic!).“ Kleingeschrieben ist es nur ein defektes Maschinchen.

        „Fürn Arsch?“ Yup! Und wie!

    1. Schau Dir mal die Recherche über die angebliche Trollfabrik an, wo sind da wenigstens 100 von 400 „Trollen“ auf den Schichtwechsel-Videos?

      https://vimeo.com/119764326
      http://de.euromaidanpress.com/2015/02/27/finnische-journalisten-in-der-trollfabrik-in-st-petersburg/

      Hier die „Kronzeugin“ vor dem Gebäude.
      https://twitter.com/adrianchen/status/704458207507443712

      In dem Gebäude sitzt ganz offiziell eine staatliche russische Nachrichtenagentur, die anscheinend jeden Tag ganz offiziell eine ziemliche Menge Artikel produziert. Irgendwer muß die schreiben.

      https://translate.google.com/translate?hl=de&sl=ru&u=http://riafan.ru/&prev=search

      Das ist auch vom Ranking her kein Kleinbetrieb.
      https://www.similarweb.com/website/riafan.ru

      Und natürlich haben die eine Social Media Abteilung, sie sind da ja breit präsent:
      http://vk.com/riafan
      https://twitter.com/riafanru

      Helft mir, ich sehe da keine Trollarmee! :)

  2. Kleines Detail am Rande, als die politische Trollerei vor einigen Jahrzehnten im Internet los ging (damals kamen die meisten Trolle noch aus Teheran und beschimpften Hinz und Kunz mit hündische Unterwerfung und anderen Arabesken) durfte ich als technischer Assistent einem Berater zur Seite stehen der sich des Themas annahm. Ergebnis, sogar die sehr plumpen Trollereien machten damals auf den beiden getesteten Homepages bekannter europäischer Zeitungen knapp ein Drittel aus, Tendenz steigend.

    Dem Chefredakteur der deutschen Zeitung kam das zwar komisch vor aber er freute sich über die zusätzlichen Klickzahlen. Die Logik lautete sinngemäss „die produzieren direkt und indirekt ein Drittel unserer Werbeaufrufe“. Mir kam das zwar unethisch vor aber ich war halt nicht der direkte Ansprechpartner. Immerhin, mein Kollege meinte damals zum Chefredakteur „dann kann ich auch gleich massenhaft Klicks mit einer wget-Loop produzieren“ aber der Adressat hat das nicht verstanden oder schon weggehört.

    Ich wette dass heute deutlich mehr als die Hälfte aller Foreneinträge von Petersburger Trollen stammt, bei einigen Foren sicher fast 90%.

    Noch ein Gimmick, postet bei Disqus mal „Obama ist unfähig“ und an gleicher Stelle „Putin ist unfähig“. Der Obama-Kommentar wird freigeschalten, der Putin-Kommentar gesperrt. Es ist mir ein Rätsel warum das so ist ist aber so.

    1. Btw, wer bei Trollen an brave Studenten denkt die wacker tippen, dem empfehle ich mal den Artikel zu ELIZE auf Wikipedia. Ich hab schon in den frühen 1990ern mit der deutschen Variante VIC im IRC getrollt dass sich die Balken bogen (zur Info, VIC war ein Chatbot geschrieben für den VC20 von 1981, das Ding konnte mit 4000 Bytes RAM und 100000hz (ich habe keine Kilo/Mega/Giga vergessen) sich stundenlang glaubhaft mit Menschen unterhalten und Thesen aufstellen.

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