Überwachung

BKA hat keine belastbaren Zahlen: Also doch keine Million Menschen in Deutschland, die im Darknet Drogen, Waffen und falsche Pässe kaufen

Mit Zahlen wird Politik gemacht. Das geht nach hinten los, wenn die Zahlen nicht belastbar sind – das BKA rudert zurück und muss nach unserer kritischen Nachfrage eine Zahl dementieren.

Markt im Darknet (Symbolfoto). Foto: CC-BY-NC 2.0 Victor Bezrukov

Zahlen in die Welt setzen, die man nicht belegen kann oder will, das hilft nicht weiter im innen- und sicherheitspolitischen Diskurs. Wird aber trotzdem gerne gemacht.

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In der Debatte um die Folgen des Münchner Amoklaufs tauchte gestern eine Aussage von Carsten Meywirth, dem Leiter der Abteilung Cyberkriminalität beim Bundeskriminalamt (BKA), zu den Ausmaßen krimineller Nutzung des so genannten Darknet auf. Laut einem Artikel auf heute.de schätzte er:

[…] dass bis zu eine Million Menschen allein in Deutschland im Darknet Drogen, Waffen und gefälschte Personalausweise oder Pässe kaufen.

BKA nimmt Abstand von der Million

Auf Nachfrage erklärte uns das BKA, dass die Aussage im Artikel bei heute.de aus einem etwa einem Jahr alten Interview zum Thema mit ihrem Mitarbeiter Carsten Meywirth stamme. Grundsätzlich gäbe das BKA aber keine Schätzungen ab. Die einzige Methode zur Schätzung solcher Zahlen sei das Hochrechnen von getätigten Käufen auf den einzelnen Marktplätzen, so die Sprecherin des BKA. Im Bezug auf Käufe auf den Handelsplätzen im „Darkweb“ habe das BKA aber keine belastbaren Zahlen und gäbe deswegen keine Schätzungen ab. Das BKA wollte außer dieser Aussagen nicht die schriftlich zugesandten detaillierten Fragen beantworten, wie die Zahl von einer Million zustande kam.

Nach unserer Einschätzung wäre es eine Sensation, wenn es in Deutschland überhaupt eine Million medienkompetente Nutzer allein des Tor-Netzwerkes gäbe.

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7 Kommentare
  1. Wenn ich die Lage nach unseren Politikern und Sicherheitsbehördlern bemesse, muss ich mich ernsthaft fragen, ob wir in Deutschland überhaupt eine Million kompetente Internet- bzw. WorldWideWeb-Nutzer haben.
    Es ist wohl doch sehr viel mehr „Neuland“ festzustellen als befürchtet.

    Auf der anderen Seite werden mit solchen lancierten Zahlen medial Bedrohungs-Popanze aufgebaut, die als Größenordnung in der öffentlichen Meinung hängen bleiben und den Boden bereiten für immer absurdere Sicherheitsforderungen.

  2. Das in dem Artikel heißt nicht 1 Million Nutzer, sondern 1 Million Transaktionen.
    D.h. es können auch durchaus weniger Menschen dort unterwegs sein, die dort mehrmals „einkaufen“. Das ist kriminalistisches Erfahrungswissen, mehr nicht.

    heute hat das sehr schlecht wiedergegeben. Der Meywirth ist auch nicht Abteilungsleiter. Der leitet die Gruppe Cybercrime. Da sieht man mal wie gut heute.de das alles wiedergibt.

    1. Im heute.de-Artikel steht eine Million Menschen. Das BKA hat uns gegenüber nicht gesagt, wie es auf die Zahl kommt und die Zahl auch nicht auf Transaktionen korrigiert. Über Herrn Meywirth findet man sehr viele unterschiedliche Stellenbezeichnungen, die alle doch sehr ähnlich klingen:
      – Leiter der Dienststelle Cybercrime
      – Leiter des Fachbereichs Cybercrime
      – Leiter der Abteilung Cyberkriminalität
      – Leiter der Gruppe Cybercrime
      – Leiter der Abteilung für Computerkriminalität
      – Gruppenleiter Cybercrime
      – Unterabteilungsleiter Cybercrime (schon älter)

      Da kann man schon einmal durcheinander kommen.

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