Wie die Autorisierung von Politiker-Interviews funktioniert

Die Süddeutsche Zeitung erklärt anhand eines Merkel-Interviews, wie das mit der Autorisierung von (deutschen) Politiker-Interviews funktioniert: Anmerkungen mit grüner Tinte.

Jetzt beginnt die Autorisierung, ein Verfahren, das es fast nur in Deutschland gibt: Die Politiker können ihre Aussagen präzisieren, streichen, kürzen. Manchmal bleibt vom eigentlichen Gespräch kaum noch etwas übrig. Die Redaktion kann verhandeln, aber die Politiker haben über ihre Antworten das letzte Wort. Im schlimmsten Fall bleibt nur eins: Das ganze Interview wegschmeißen.[…] Aber Merkel ist da keine Ausnahme: Interviews mit deutschen Politikern kommen fast immer länger zurück, als sie die Redaktion verlassen haben. In diesem Punkt liegt zum Beispiel Merkels Vize Sigmar Gabriel weit vor der Kanzlerin. Bei ihm werden aus 300 Zeilen schon mal 450.

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4 Ergänzungen

  1. Ehrlich gesagt finde ich dieses Verfahren gar nicht so schlecht. Ein Interview soll ja keine Übung in Spontaneität oder eine Gelegenheit für Gotcha!-Momente sein, sondern dazu dienen, die Position zu einer Reihe von Fragen zu erfahren.

    Ich finde es in Ordnung, wenn PolitikerInnen die Möglichkeit gegeben wird, sich nach dem Interview noch einmal Gedanken darüber zu machen, wie sie wirklich zu einem bestimmten Problem stehen.

    Selbst wenn die Überarbeitung der Frage darauf hinausläuft, das vieles weichgespült wird, ist doch selbst das für den Leser ein gutes Indiz: Die befragte Person will sich nicht festlegen, im Zweifel vertritt sie nicht die Position, für die ich sie unterstützen werde.

    Ein bisschen Lesekompetenz vorausgesetzt ist es, denke ich, nicht der Fall, dass der Politikbetrieb undurchsichtiger oder weniger ehrlich wird, weil Politiker in D ihre Interviews autorisieren können. Im Gegenteil.

    1. So machte man das einst bei der Prawda und heute geht’s auch bei Presse 4.0.
      Den Interviewtermin könnte man sich auch gleich sparen.
      Ach ja – und die Fragen muss man sich dann auch nicht mehr überlegen.

  2. Pressefreiheit sieht anders aus, schade das wir auch so gar nichts mehr mit einem demokratischen Rechtsstaat gemein haben in Deutschland.

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