Netzpolitik

Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur: Glasfaser liegt brach

Bundesnetzagentur-Präsident Jochen Homann (l.) bei der Vorstellung des Tätigkeitsverichts. (Bild: Bundesnetzagentur)

Die Nachfrage nach schnellen Internetverbindungen ist in Deutschland nach wie vor ungebrochen, schreibt die Bundesnetzagentur in ihrem aktuellen Tätigkeitsbericht Telekommunikation 2014/2015. Gleichzeitig liegt Einiges an Potenzial brach: Mehr als zwei Millionen Haushalte verfügen über leistungsfähige Glasfaserverbindungen bis zum Wohnbereich (Fibre To The Home, FTTH) beziehungsweise zum Gebäude (Fibre To The Building, FTTB), genutzt werden diese jedoch von nur 132.000 respektive 258.000 Kunden, insgesamt also etwas weniger als 20 Prozent.

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Verantwortlich für diese Lücke sei zum einen die offenbar mangelnde Zahlungsbereitschaft der erreichbaren Kunden, zum anderen fehle es an ausreichend begehrenswerten Diensten im Massenmarkt, die auf eine entsprechend hohe Bandbreite angewiesen sind. „Erst wenn attraktive Dienste höhere Bandbreiten erfordern, wird die Zahlungsbereitschaft für sehr schnelle Anschlüsse ansteigen und entsprechende Investitionen rentabler machen,“ erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Infrastruktur zukunftstauglich machen

Gleichwohl dürfe man nicht untätig bleiben, fügte Homann im gleichen Atemzug hinzu: „Angesichts der großen Bedeutung eines schnellen Internets für die digitale Zukunft reicht allerdings allein das Warten auf Kunden nicht aus. Deshalb müssen auch jetzt schon alle Anstrengungen unternommen werden, um die Infrastrukturen zukunftstauglich zu machen.“

Ein Rückgang des durchschnittlich verbrauchten Datenvolumens ist nicht absehbar. (Grafik: Bundesnetzagentur)
Ein Rückgang des durchschnittlich verbrauchten Datenvolumens ist nicht absehbar. (Grafik: Bundesnetzagentur)

Einen Widerspruch zu ihrem umstrittenen Vectoring-Entwurf sieht die Behörde jedoch nicht, auch wenn ihr durchaus die Brisanz bewusst ist. Im Zusammenhang mit der aktualisierten TAL-Regulierungsverfügung, die den Zugang ins Telekom-Netz regelt, heißt es im Bericht: „Das Thema ‚Vectoring im Nahbereich‘ ist nur ein – wenngleich der aktuell am prominentesten diskutierte – Mosaikstein dieser insgesamt viel umfassenderen Entscheidung. Das macht die Entscheidungsfindung zusätzlich aufwendig und komplex.“

Kritisch fällt der Blick auf die Marktsituation in den USA aus, die in der Debatte um die anstehende Überarbeitung des Telekommunikation-Rechtsrahmens häufig als vorbildlich für die EU angeführt werde. Zwar könne man im Rahmen des Berichts nicht abschließend klären, welches der beiden Marktmodelle zu optimalen Ergebnissen für Verbraucher führe, allerdings gebe es Hinweise darauf, „dass sich das auf Wettbewerb vertrauende Regulierungsregime als durchaus vorteilhaft erweist“ und „die mithin besten Ergebnisse mit Blick auf Innovationen, Investitionen und verbraucherfreundliche Preise“ hervorbringe.

Dies ist als Wink mit dem Zaunpfahl an die EU-Kommission und insbesondere an Digitalkommissar Günther Oettinger zu verstehen, der in der Vergangenheit einen konsolidierten, gesamteuropäischen Telekommunikationsmarkt gefordert hatte. Die wenigen verbliebenen, dafür aber finanzstärkeren Unternehmen wären dann besser gegen feindliche Übernahmen aus dem nicht-europäischen Ausland geschützt und hätten zudem mehr Möglichkeiten, Mittel für den Breitbandausbau lockerzumachen. Mit Bezug auf die deutsche Vectoring-Debatte hatte Oettinger jüngst jedoch etwas überraschend vor einer „Entwicklung hin zu Monopolen, die niemand will“ gewarnt.

Neue Fragestellungen durch Over-The-Top-Dienste

Der Goldesel SMS hat seinen Zenit überschritten, wie aktuelle Zahlen zeigen. (Grafik: Bundesnetzagentur)
Der Goldesel SMS hat seinen Zenit überschritten, wie aktuelle Zahlen zeigen. (Grafik: Bundesnetzagentur)

Auch die Mobilfunkbetreiber würden zum Breitbandausbau beitragen, indem sie zwischen 2013 und 2014 knapp 10.000 LTE-fähige Basisstationen errichtet hätten. Allerdings müssten sie damit rechnen, dass ihnen „neue, innovative Anwendungen“ wie WhatsApp die Butter vom Brot nehmen würden. So scheint der Siegeszug der SMS endgültig vorbei zu sein: Hatten Kunden im Jahr 2012 noch eine Rekordanzahl von knapp 60 Milliarden SMS-Nachrichten verschickt, fiel der Wert im Jahr 2014 auf etwa ein Drittel.

Im Bereich der Telefonie sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, wenngleich sie – zumindest derzeit – nicht ganz so dramatisch ausfalle. Zwar konnten mobile Sprachminuten den deutlichen Rückgang der Festnetztelefonie ein wenig ausgleichen, insgesamt sei aber ein Rückgang von elf Milliarden abgehender Gesprächsminuten zu beobachten.

Verantwortlich für das Phänomen seien OTT-Dienste (Over The Top) wie WhatsApp oder Skype, die das Internet als Transportinfrastruktur nutzen, ohne sie selbst bereitzustellen. Insbesondere solche Dienste, die „möglicherweise mit einem elektronischen Kommunikationsdienst konkurrieren,“ würden Fragen „nach ihrer wettbewerblichen Wirkung auf klassische Telekommunikationsdienste“ aufwerfen. Hier verweist die Bundesnetzagentur auf ihre Rolle bei der Entstehung eines Konsultationsberichtes, der sich mit der Definition und Reichweite der OTT-Dienste befasst und die Grundlage für die weitere Arbeit im Jahr 2016 lege.

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5 Kommentare
  1. Nun, wenn ein großer Teil der FTTx Anschlüsse auf die Telekom entfallen (vermute ich einfach mal), dann bringen einem die hohen Bandbreiten nichts, solange die Telekom als Tier1 sich als Wegelagerer betätigen und eine zweite Einnahmequelle erpressen. Je nach Peering bin ich als Telekom „Kunde“ ein Opfer deren verbrecherischen Peeringpolitik und bekomme ohnehin nur miese Bandbreite zu allen Diensten die sich nicht erpressen ließen. Kaum bin ich bei einem anderen Anbieter (was der Fall ist) kann ich meine derzeit sehr hohe Bandbreite wunderbar ausreizen und dies auch mit Hosts hinter Cogent, Level 3, Init 7 etc. pp.
    Abgesehen davon sind vielleicht die Preisgestaltung bei FTTHx ein Problem … nur weil es GF ist entsteht kein Mehrwert an den Bits.
    Telekom == Verbrecher aus dem Maifa-Milieu (Schutzgelderpressung).
    Dass die keine Netzneutralität wollen ist klar …

  2. Das ist nur die halbe Wahrheit, hab seit Jahren Glasfaser im Keller liegen aber nur die Telekom verkauft Magenta Dings bis zu 100 MBit; 1&1 und O2 zeigen die Verfügbarkeit an müssen aber dann auf Nachfrage passen. Hat die Telekom hier etwa die Exklusivität und kann Mitbewerber fernhalten?

    1. Dann haste evtl. ein ähnliches Problem, wie unser eines!
      Die Wellenlängen (z.B. „Grün“) der alten GF passen nicht mehr zu den aktuellen GF-Dioden (z.B. „Rot“/“Blau“), die Telekommunisten müssten entsprechende Medien-Konverter in Auftrag geben, damit die alten GF-Leitungen mit modernem Equipment genutzt werden können!
      Laut Fraunhofer kostet der Konverter je Seite ca. 3€ Endkundenpreis, hochgerechnet auf die Anschlüsse, die mit diesem (bzw. einem ähnlichen -> anderer Konverter bzw. Diodenpaarung) GF-System vorbereitet wurden …

  3. Kenne das Problem nur zu gut.
    Mein Root Server liegt im Netz von Congent.
    Dieser hat eine Anbindung mit 1 GBit/s von denen „nur“ 200 MBit/s garantiert sind.
    Frühs und Mittags volle Bandbreite aber Abends bricht die Performance enorm ein.
    Upload von 10 MBit/s brechen auf unter 2 MBit/s runter.

    Dann tritt meist auch Packet Loss bis zu 25% auf.
    Natürlich beim übergang von Congent zu DTAG Netz.
    Auch bei Youtube Videos und anderen Diensten ins Ausland bricht Abends alles zu sammen.
    Letztens konnte ich nicht mal ein 120p Video auf Youtube schauen.
    Erst nach einigen Minuten konnte das Video fertg geladen und geschaut werden.

    Martin

  4. Die Peering Politik von der Telekom hat auch was „Gutes“.
    Dadurch, dass sie so restriktiv, erpresserisch vorgehen bekommt man bei den anderen Anbietern deutlich besseren Service. 80-90% des Contents ist nicht durch ein Telekom Netz sondern durch einen Anderen Tier 2 Carrier wie L3, Cogent, Telia Sonera o.Ä. erreichbar. Ist man jetzt Kunde bei z.B. Telefonica hat man bessere Pingzeiten und mehr Bandbreite zum Content, wie Telekom Kunden.

    Ich habe meinen Server bei einem kleinen lokalen ISP gehoused, die haben ein Privatpeering mit der Telekom und sind aber auch direkt am DE-CIX vertreten. Dort haben sie Peerings mit X anderen ISPs sowie mit Cogent.
    Wenn ich jetzt mit einem Telekomanschluss (DSL) online gehe, hab ich Abends ne höhere Bandbreite und einen niedriegeren Ping, wenn ich 1x per VPN über meine Kiste bei dem ISP gehe, wie wenn ich direkt z.B. auf YouTube surfe oder online spiele.

    Ich frage mich echt, wie lange die Telekom sowas noch treiben kann. Würde mich freuen, wenn ein paar Content Provider sich auch mal hinstellen und z.B. einfach die Peerings mit Telekom kündigen, falls diese bestehen und nur noch über andere Tier 1 Carrier leiten. Falls der Service der Content Provider dann für Telekom Kunden schlecht würd, einfach mal ne nette Info Seite schalten warum das so ist. Zack steht ne Meute wütender Kunden bei der Telekom auf der Matte, der Contentprovider hat dann vermtl. erstmal rechtliche Probleme, aber das Problem an sich käme etwas mehr an der Öffentlichkeit (alla GEMA bei YouTube).

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