Die drei Landeskriminalämter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachen planen die Einführung von Vorhersagesoftware („Predictive Policing“) zur Auomatisierung polizeilicher Gefahrenabwehr. Eine Vorhersagesoftware soll anzeigen, wo demnächst Straftaten passieren könnten. Zunächst sind die Anwendungen auf Wohnungseinbruch beschränkt, eine Ausweitung ist im Erfolgsfalle aber bereits angekündigt. Auch das BKA hat jetzt entsprechende Suchbewegungen gestartet.
Wenn Medien über „Predictive Policing“ berichten, wird in der Überschrift oder als Bebilderung gern der Blockbuster „Minority Report“ von 2002 bemüht. Die Polizeibehörden erklären dann, dass in ihren Anwendungen aber (wie im Film mit Tom Cruise) gar keine Personendaten verarbeitet würden. Angeblich kämen nur anonyme Falldaten zur Anwendung, die mit Wetterberichten, Verkehrsdaten und Angaben wie Zahltagen kombiniert würden.
Das mag für den Anfang auch stimmen, doch andernorts werden längst Personendaten genutzt oder wenigstens getestet. In Großbritannien hatte die Firma Accenture unlängst ein Projekt mit der britischen Polizei durchgeführt. Dort sollte ausprobiert werden, inwiefern sich die Rückfälligkeit von straffällig gewordenen Gang-Mitgliedern berechnen ließe.
Spätestens mit dem nächsten „Europäischen Polizeikongress“ lässt sich das Dementi aus NRW und Bayern jedenfalls nicht mehr aufrechterhalten. Denn auf der jährlichen Krach-Bumm-Peng-Verkaufsmesse für neueste Polizeitechnologie wird es laut den Veranstaltern im Februar auch einen Workshop zu „Predictive Policing“ geben. Dort wollen nicht nur die Innenministerien NRW und Bayern über ihre Tests berichten, sondern auch Accenture.
Auch die deutsche Firma CID Consulting GmbH darf auf dem Workshop referieren. Die Firma ist aktiv im Segment „Data Mining“ und gehört zu jenen Firmen, zu denen das BKA zur automatisierten Datenanaylse Kontakt aufnahm.
Ebenfalls auf dem Radar des BKA sind die Hersteller Netapp Deutschland GmbH, Fun Communications GmbH, IABG mbH, Moresophy GmbH und Osher Ltd. Das BKA hat zudem Testberichte von IBM und Oracle Deutschland GmbH zu Ergebnissen einer „Entity Extraction“ angefragt. Oracle wird hierüber ebenfalls auf dem Workshop des „Europäischen Polizeikongress“ berichten.
