Facebook behauptet, das Tracking von Nichtnutzern über Social Plugins und Co. sei unbeabsichtigt. Ende März hatten Forscher der Universität Leuven und der Vrije Universiteit Brüssel Ergebnisse veröffentlicht, die zeigten, dass Facebook über Cookies auf Webseiten mit Social Plugins Profile von Menschen anlegt – egal ob sie Facebook-Nutzer sind, eingeloggt oder nicht, egal ob sie Tracking explizit widersprochen haben oder nicht.
Das widerspricht EU-Datenschutzregeln und lässt Facebook schlecht dastehen. Deshalb dementierte Richard Allan, Facebooks Cheflobbyist für Europa, dass das Tracking von Nicht-Nutzern absichtlich geschehen sei:
The researchers did find a bug that may have sent cookies to some people when they weren’t on Facebook. This was not our intention – a fix for this is already under way.
Darüberhinaus beklagt Facebook, dass der Forschungsbericht zu falschen Ergebnissen gekommen sei. Und dass die Forscher Tracking nicht verstanden hätten:
Facebook does receive standard „web impressions,“ or website visit information, when people visit sites with our plugins or other integrations. The authors misleadingly call this „tracking.“
Natürlich ist die einzelne Information, dass eine Seite besucht wurde, kein Tracking. Tracking wird es dann, wenn der Nutzer über mehrere dieser Seiten nachverfolgbar wird. Der Informationsgewinn entsteht über die Kombination von Daten, nicht über den einzelnen Datensatz. Facebook definiert sich hier seine Welt schön – so wie man es auch von anderen Datenhungrigen kennt, die meinen, die Öffentlichkeit habe ein vollkommen falsches Verständnis von Überwachung.
Fast unterhaltsam ist auch, dass sich das Soziale Netzwerk darauf beruft, man sei ja durch die irische Datenschutzbehörde auditiert worden. Diese, so wissen wir, nimmt den Datenschutz nicht so genau und ist unter anderem der Ansicht, dass das Überwachungsprogramm PRISM in Einklang mit der Safe-Harbor-Vereinbarung stehe. Die laxen Datenschutzauffassung sind neben Steuerkalkulationen einer der Hauptgründe, warum sich in dem Land die EU-Firmensitze vieler US-Datenriesen befinden – neben Facebook unter anderem Twitter, Amazon und Dropbox.
Ob Facebook mit derart fadenscheinigen Ausreden davonkommt und ob der „Bug“ wirklich gefixt ist, muss sich zeigen. Am 29. April entscheidet die belgische Datenschutzbehörde, ob sie in Bezug auf den Bericht Schritte einleiten wird.
