Öffentlichkeit

„Instant Articles“: Facebook als journalistischer Inhalteanbieter

Wegen der gestern bekannt gewordenen „Instant Articles“ ist der Datenkonzern Facebook gerade in aller Munde, denn er wird nun verstärkt journalistischer Nachrichten- und Inhalteanbieter. Im Kern sollen durch „Instant Articles“ die schriftlichen und interaktiven Inhalte der kooperierenden Verlage auf mobilen Geräten direkt und vor allem schnell im Stream der Facebook-Nutzer landen (mitsamt Feature in der iPhone-App). Im Gegenzug bekommen die Verlage ein Stück vom Werbekuchen: Die New York Times, National Geographic, BuzzFeed, NBC, The Atlantic, der Guardian, BBC News, der Spiegel und die „Bild“-Zeitung sind in der ersten Runde mit dabei.


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Ein schönes Geschenk für seinen heutigen Geburtstag hat sich der Chef des Unternehmens aus Palo Alto, Mark Zuckerberg, da gemacht, der an Platz 14 der reichsten Männer der Welt wohl sonst nur wenig unerfüllbare Wünsche haben dürfte. Denn die Nutzer sollen dadurch an der kurzen App-Leine gehalten werden.

Facebook hat bereits für viele den Status „unentbehrlich“ erreicht und nun noch ausgebaut, den Nutzern gilt der Werbekonzern als selbstverständlicher Teil des digitalen Lebens. Mag sein, dass mancher sich ein kommerzfreies soziales Netzlebens auch gut vorstellen könnte, in der ihm die eigene Vorhersagbarkeit nicht permanent unter die Nase gerieben wird, doch wenige finden den Absprung. Daran, dass pro halbem Jahr über 20.000 Nutzerkonten allein an die Behörden der Vereinigten Staaten rausgegeben werden und man sowieso immer den NSA-Zweitaccount gratis dazubekommt, stört sich kaum mehr jemand. Selbst der BND will mitschnorcheln.

Wenn sich nun Verlage in die Abhängigkeit der im Jahr 2004 gegründeten Plattform begeben, stellen sich Fragen zur von Zuckerberg gern betonten politischen Rede- und Meinungsfreiheit, die Facebook, wenn es um Länder wie Indien, Pakistan oder beispielsweise um Bilder des Propheten Mohammed in der Türkei geht, allzu oft ignoriert.

algorithmisch
Wird die Linie einer Zeitung durch die Macher festgelegt oder durch einen Algorithmus einer Werbefirma?

Es wird in Zukunft wohl nicht nur um das absichtliche Blockieren oder um das Ausblenden politischer Inhalte gehen, sondern auch darum, welche journalistischen Inhalte Facebook-Nutzer wann zu sehen bekommen und welche eben nicht oder nur umständlich.

Die Dominanz der Plattform wird jedenfalls durch die neuen Allianzen im Rahmen von „Instant Articles“ faktisch zunehmen. Jeffrey Rosen, Jurist an der George Washington University, drückte es schon vor einigen Jahren so aus:

Facebook has more power in determining who can speak and who can be heard around the globe than any Supreme Court justice, any king or any president.

3 Kommentare
  1. Facebook könnte die Artikel auch gleich bei dem Heer von auf Selbstständigkeit umgestellen Journalisten kaufen. Und da sie dank der Kooperation in der Wahrnehmung ihrer Nutzer bald als die eigentliche Nachrichtenquelle gelten werden, wird sich früher oder später die Frage stellen, ob die Beteiligung der Verlage an den Werbeeinnahmen nicht doch mehr kostet als das Einkaufen von Artikeln für „Facebook Aktuell“.

  2. Eine logische und für die Verlage lukrative Konsequenz. Nachdem Aufwand den sie betrieben haben um google in den Griff zu bekommen, bzw. einen Anteil von deren Werbekuchen zu bekommen – um nichts mehr geht es ja beim LSR – klingt das wesentlich einfacher.

    Jetzt kommt also FB und bietet den Verlagen einen Anteil an ihrem Milliardenmarkt. Wenn das nicht verlockend ist. Und letztlich eine logische Entwicklung, wenn man sieht, dass eine FB-Seite so wieso zum Standardrepertoire eines Unternehmens gehört.

    Hier kommt zusammen was zusammen kommen will, eine geschlossene Gesellschaft in der das Geld untereinander aufgeteilt wird. Und die Verlage ersparen sich die Arbeit eine eigene Paywall aufzubauen, auch wenn es gerade viele versuchen.

    Solange es noch ein Internet ausserhalb von FB gibt, läßt sich das ertragen. Aber mich gruselt diese Nachricht, denn sie zeigt den Weg den das Internet gehen wird.

    Meiner Meinung ist das wohl der Anfang des Endes des (freien) Internets wie wir es kennen.

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