Qabel – „schlüsselfertiges Ökosystem mit echtem Datenschutz“ (Update: Link zum GitHub-Repo & Lizenz-Berichtigung)

qabel

Heute wird in Hannover die Alphaversion von „Qabel“ vorgestellt. Qabel – klingonisch in etwa „schwer abzuhören“ – will ein „schlüsselfertiges Ökosystem mit inhärentem Datenschutz“ sein. Möglich machen soll das eine Plattform, die es erlaubt, einfach, aber dennoch so sicher wie mit dem aktuellen Stand der Technik möglich zu kommunizieren und Daten auszutauschen und dabei noch Metadaten zu vermeiden. Dafür setzt man auf Ende-zu-Ende- statt Transport-Verschlüsselung für alle Anwendungen wie Cloud-Dienste, Chat, Mail, Soziale Netzwerke, VoIP etc. Mit der Fülle an unterstützten Diensten will sich Qabel auch von anderen Ansätzen abgrenzen. Statt vieler einzelner Anwendungen, die mehr Sicherheit bieten und die es zweifelsohne bereits in großer Bandbreite gibt, bietet die Plattform ein leicht bedienbares Komplettpaket an Anwendungen und kann damit dem Normalnutzer den Übergang hin zu sichererer Kommunikation erleichtern. Das Konzept wird in diesem Video noch einmal knapp illustriert:

Involviert in das Projekt ist ein bekannter Name: Meinhard Starostik. Starostik ist heute Verfassungsrichter in Berlin, 2007 war er maßgeblich an der Sammelklage gegen die Vorratsdatenspeicherung beteiligt, die 2010 vor dem Bundesverfassungsgericht Erfolg hatte und damit die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland außer Kraft setzte. Jetzt engagiert er sich neben der rechtlichen auch für die technische Seite sicherer Kommunikation.

Was an Qabel zunächst skeptisch machen könnte: Die Software ist, um sie vor Investoren zu schützen, zum Patent angemeldet. Doch die Firma Praemandatum aus Hannover, die die Entwicklung koordiniert, hat das Schutzrecht an Starostik verschenkt, aus Schutz vor sich selbst, wie Peter Leppelt von Praemandatum getreu dem Firmenmotto – „Bitte vertrauen Sie uns nicht. Es ist nicht nötig“ – in der aktuellen Spiegel-Ausgabe sagt:

Wir entmachten uns selbst, präventiv für den Fall, dass unsere Firma irgendwann einmal böse oder gierig wird.

In Zukunft soll das Patent von einer europäischen Genossenschaft gehalten werden. Die Lizenz, unter der Qabel veröffentlicht wird (Qabel Public License Version 0.1), erlaubt darüberhinaus leider nur nicht-gewerblich freie Verwendung und verbietet darüber hinaus eine militärische Nutzung.

(Korrektur: Wir haben in einer früheren Version von Qabel als Open Source gesprochen. Aufgrund der obigen Einschränkungen ist die Qabel-Lizenz aber nicht mit der Open-Source-Definition der Open Source Initiative vereinbar)

Um Qabel möglichst sicher zu machen und Vertrauen zu schaffen soll das Programm vor Veröffentlichung der Version 1.0 einem ausführlichen Audit unterzogen werden, finanziert über Crowdfunding auf Indiegogo (für 50€ gibts den Aluhut mit dazu). Zusätzlich dazu ist aber auch jeder aufgefordert, den Code selbst zu inspizieren und die Plattform weiterzuentwickeln. Die erhoffte Beteiligung vieler ist auch einer der Gründe, warum Qabel bereits in einer so frühen Alphaversion veröffentlicht wurde. Denn sichere Kommunikation funktioniert nur dann, wenn möglichst alle sich schützen.

Update: Das Qabel-GitHub-Repository zum Anschauen und Ausprobieren ist jetzt online!

Wir sind gespannt, wie sich das Projekt entwickelt und wünschen viel Erfolg!

39 Kommentare
      • Andreas Kuckartz 12. Jun 2014 @ 10:12
      • Andreas Kuckartz 12. Jun 2014 @ 19:00
      • Andreas Kuckartz 12. Jun 2014 @ 10:59
    • Eigenwerbung mockert 23. Jun 2014 @ 15:29
  1. Steffen Krüger 11. Jun 2014 @ 20:38
  2. Andreas Kuckartz 12. Jun 2014 @ 19:03
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