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Leistung und Leistungsschutzrecht: ‚Datendokumentation‘ von Axel Springer

Logo der Axel Springer SE

Vor zwei Wochen hatten fast alle in der VG Media organisierten Verlage Google eine „widerrufliche Gratislizenz“ zur Nutzung von Inhalten eingeräumt, die ihrer Meinung nach von dem in der letzten Legislaturperiode neu geschaffenen Leistungsschutzrecht (LSR) für Presseverleger erfasst wären (z.B. das Anzeigen von Snippets). Einzige Ausnahme war die Axel Springer SE. Seit heute ist auch bekannt, warum: Axel Springer nutzte zwei Wochen ohne Snippet-Nutzung durch Google zur „Datendokumentation“. In einer Presseerklärung dazu heißt es:

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Ziel dieser Maßnahme ist, die Folgen der verschlechterten Suchergebnisse für die laufenden Gerichtsverfahren zur Durchsetzung des bestehenden Presseleistungsschutzrechts zu dokumentieren. Google missbraucht seine marktbeherrschende Stellung, um Verlage zu einer unentgeltlichen Lizenz zu zwingen und das am 1. August 2013 in Kraft getretene Gesetz ins Leere laufen zu lassen. Wer dies nicht akzeptiert, wird durch empfindlichen wirtschaftlichen Druck zum Einlenken gezwungen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Marktmissbrauchs durch Google sind nun präzise dokumentiert. Nach knapp zwei Wochen schließt Axel Springer mit dem heutigen Tag die Datenerfassung ab. Die verschlechterte Darstellung führte bei der Suche zu einem Traffic-Minus von fast 40 Prozent. Auf der Google Oberfläche „Google News“ brach der Traffic um fast 80 Prozent ein.

Nach Abschluss dieser „Datendokumentation“ hat jetzt auch Axel Springer Google via VG Media eine Gratis-Lizenz erteilt. Allerdings, wie Medienjournalist Stefan Niggemeier auf Anfrage bestätigt wurde, nur Google. Kleinere Suchmaschinenanbieter und Aggregatoren wie beispielsweise Rivva müss(t)en weiterhin zahlen. Niggemeier dazu:

Dadurch dass Springer und andere Verlage ausschließlich Google eine Gratis-Lizenz erteilt haben, werden andere Suchmaschinen und Aggregatoren benachteiligt. Sie müssten aufgrund dieser Diskriminierung entweder Geld an die Verlage zahlen oder, anders als Google, darauf verzichten, das Angebot deutscher Verleger-Medien ohne Einschränkungen in ihren Suchergebnissen anzuzeigen. Der Axel-Springer-Konzern trägt somit seinen Teil dazu bei, die Marktmacht von Google, die er beklagt, weiter zu vergrößern.

Ganz generell stellt sich aber die Frage, ob sich Axel Springers Datendokumentation nicht als großer Bummerang erweisen könnte. Denn vor allem wird dadurch dokumentiert, dass Google eine für Axel Springer kostenlose, allerdings äußerst wertvolle Leistung erbringt.

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15 Kommentare
  1. Wieso betreibt die Axel Springer SE nicht einfach selber eine Suchmaschine (yacy.de) welche sie dann in ihren Publikationen bewirbt/redaktionell drüber berichtet.

    1. Blos nicht! Ich will keine Volkssuchmaschine powered by Axel Springer Verlag. Reicht schon wenn die BILD das Volk mit einseitiger Berichterstattung und zum Teil mit Lügen manipuliert.

      1. Aber diese Volkssuchmaschine gibt es bereits. Nennt sich „google“ – redet zwar viel von Qualität, was am Ende dabei herauskommt, hat BILD-Niveau – Verdienst zählt.

  2. Kann jemand von euch die 40% erklären? Ich dachte google hat nur bei Google News die snippts entfernt. Wie wurden denn die normalen google suche Ergebnisse verändert?

  3. Gibt es eigentlich eine vergleichbare Marktkonstellation, wo ein Teilnehmer, der wie Google eine relativ zentrale Stellung einnimmt, gezwungen wird Zahlungen an andere Marktteilnehmer zu tätigen? Mir fällt nur der Umkehrfall ein, wo ein Monopolist Verträge zu bestimmten fixen Konditionen und Preisen (also Zahlungen an ihn) anbieten muss.

  4. Es zeugt schon echt von einer Glanzleistung sich zum einen über die große monopole Vormachtsstellung Googles zu beschweren und dann aber auch nur Google eine Sondergenehmigung einzuräumen… Was geht nur in diesen Köpfen vor sich?

    1. Vielleicht sollte man sich am Ende mal fragen ob das nicht doch alles nach Plan verlaufen ist. Nun hat Google ein weiträumiges Exklusivrecht gleichsam per Gesetzt zugeschustert bekommen.
      So konnten zwei marktbeherrschende Medien-Unternehnen geschickt eine exklusivd Kooperation über alle VGMedia-Inhalte einfädeln. „Hey, Google, ihr bekommt alles von VGMedia exklusiv wenn ihr uns dafür dabei behilflich seit …“

      1. Hm, kann ich keinen Sinn drin erkennen.
        Wo soll der Gewinn für Google sein? Sie sind mit weitem Abstand Marktführer, ob mit oder ohne VGMedia-Inhalte. Ob daneben noch irgendwelche Mini-Suchmaschinen die Inhalte listen oder nicht, dürfte Google komplett egal sein. Finanziell? So bedeutend ist das bischen Traffic eher nicht, dass ohne VGMedia wegfallen würde (IMHO).
        Umgekehrt würde die VGMedia freiwillig auf Reichweite verzichten, wenn sie bei kleinen Anbietern ausgelistet wird (bezahlen werden / können die garantiert nicht), ohne dafür irgendetwas von Google zu bekommen. Sie waren vorher im Google-Index, sie sind es jetzt auch.
        Vielleicht übersehe ich etwas, aber aktuell wirkt das alles auf mich wie ein klassischer Schuss in den Often wegen Größenwahn oder alternativ „Gier macht blind / blöd“.

      2. Den Gedanken „alles nach Plan verlaufen“ habe ich auch. Die Entwicklung war irgendwie absehbar und wenn es dabei bleibt, gibt es nur einen echten Profiteur: Google. Ob die geschädigte Konkurrenz relevant ist oder nicht, spielt keine Rolle. Wer wie auch immer aufmuckt oder Wettbewerber ist, wird schlecht gelistet und schwindet damit in der Wahrnehmung. Google ist der erste der alles im Netz wahrnimmt und kann in frühester Phase gegensteuern. Kritik ist in jedem Moment messbar und beliebig durch Suchergebnisse manipulierbar, nie nachweisbar. Eine ziemlich bedenkliche Situation, wenn sich Meinungen so breit und gezielt steuern lassen – was natürlich auf keinen Fall geschieht. Hüstl.

  5. hach tut mir aber leid dass dem Springer Konzern die Nutzer davon laufen…

    Aber… „Springer-Lobbyist Christoph Keese nutzte seine Kontakte und die Kampagnenfähigkeit seines Konzerns, um ein entsprechendes Gesetz gegen alle Widerstände letztlich durch den Bundestag zu bringen.“ irgendwann muss sowas auch mal bestraft werden :-) mich kann sowas nur hämisch freuen.

  6. Das LSR ist wohl mit das dämlichste Gesetz seit Gründung der Bundesrepublik. Offensichtlich waren hier nur Idioten am Werk die keine Ahnung davon haben was sie eigentlich tun. Google erbringt eine kostenlose Dienstleistung und die Verlage wollen dafür dann auch noch Geld? In welcher Welt ergibt das Bitteschön Sinn? Anstatt eine Konkurrenzplattform aufzubauen (das wäre ja viel schwere Arbeit) zementiert man dann lieber die Monopolstellung Googles und möchte es dann Zwingen einen Teil seiner Gewinne abzugeben. Bravo, das ist real existierender Sozialismus vom Feinsten in dem manche gleicher sind als die anderen.

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