Kultur

Kommentar: Der „Superprotect“-Streit in Wikipedia, oder: Souverän ist, wer über Root-Zugriff verfügt

von Don-kun, CC-BY-SA-3.0

Torsten Kleinz berichtet in einer Serie von Beiträgen bei heise.de über eine Auseinandersetzung zwischen Wikimedia Foundation und ehrenamtlichen Wikipedia Administratoren rund um die Implementierung des neuen Benutzerstatus „Superprotect“ in Wikipedias MediaWiki-Software. Durch die Einführung von „Superprotect“ versetzte sich die Wikimdia Foundation in die Lage, Änderungen wie einen neuen Medienviewer auch gegen den Widerstand von Administratoren in lokalen Länderversionen durchzusetzen. In der deutschsprachigen Wikipedia gibt es inzwischen bereits einen längeren Wikipedia-Artikel zu „Wikipedia: Superschutz“ samt „Karikatur aus der Protestbewegung gegen Superschutz“.


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Wie auch Torsten Kleinz schreibt, geht es bei dem Streit um Superprotect um die grundsätzliche Frage des Verhältnisses zwischen Wikimedia Foundation und Freiwilligen-Community, die auch in Deutschland kürzlich zu einer Strategiedebatte und der Ablösung des Vorstands von Wikimedia Deutschland geführt hatte.

Bis zu einem gewissen Grad ist der Streit in der Wikipedia aber sogar noch grundsätzlicher und exemplarisch für community-basierte, freie Projekte im Allgemeinen – vor allem, wenn sie erfolgreich sind und ihren Nutzerkreis über jenen der unmittelbar zum Projekt Beitragenden hinaus vergrößern (wollen). In solchen Fällen kommt es scheinbar zwangsläufig zu Konflikten darüber, ob die Bedürfnisse und Interessen der Kern-Community oder jene der (potentiellen) Nutzer im Vordergrund von Weiterentwicklungen stehen sollen. Im Bereich Freier und Open-Source-Software fiele beispielsweise Canonicals Linux-Distribution Ubuntu in diese Kategorie. Auch dort tobt eine heftige Auseinandersetzung um die neue Benutzeroberfläche „Unity“, die Ubuntu einsteigerfreundlicher machen sollte, viele Entwickler aber zur Schwesterdistribution Linux Mint abwandern ließ. Ganz allgemein ist das geringere Interesse von Open-Source-Entwicklern an Usability-Fragen sicher mit ein Grund, warum sich Linux am Desktop bis heute so schwer tut.

Dementsprechend ist es kein Zufall, wenn die Hauptkonfliktlinien zwischen Wikimedia Foundation und Wikpedianern rund um Fragen von Usability, Design und ideologische Prinzipien verlaufen:

  • Bildfilter-Streit: Lesern sollte die Möglichkeit gegeben werden (Opt-in), einzelne Bilder, oder Bilder bestimmter Filterkategorien (z.B. Nacktbilder) auszublenden. Nach Protesten aus der Community liegt das Projekt derzeit auf Eis.
  • Visual Editor: Der Visual Editor erlaubt die Berarbeitung von Wiki-Seiten ohne Kenntnis der Wiki-Syntax entsprechend dem WYSIWYG-Prinzip und sollte vor allem Neulingen den Einstieg in Wikipedia erleichtern. Entgegen ursprünglichen Plänen ist der Visual Editor in Deutschland immer noch nicht die Standardbearbeitungsmethode, sondern muss explizit im Nutzeraccount freigeschalten werden, was aber natürlich gerade den Hauptzweck niedrigerer Einstiegshürden vereitelt.
  • Medienviewer: Wie beim Visual Editor geht es auch in dieser jüngsten Auseinandersetzung darum, ob der neue Medienviewer als Default zum Einsatz kommt oder im Nutzeraccount freigeschalten werden muss.

Schickes Aussehen und Einsteigerfreundlichkeit sind für die erfahrensten und aktivsten Mitglieder der Wikipedia-Community von bestenfalls untergeordneter Bedeutung. Erlernte Kompetenzen und Gewöhnungseffekte von Intensivnutzern erschweren Neuerungen. So wie Linux-Cracks kein Problem mit Umwegen über die Kommandozeile haben, stört sie Wikisyntax nicht – eher im Gegenteil, es erlaubt schnelleres, präziseres und teilweise automatisiertes bearbeiten. Das erklärt wohl auch, warum die Wikipedia 2014 immer noch wie eine Webseite aus Ende der 1990er Jahre aussieht.

Für die Wikimedia Foundation ist diese konservative Tendenz von zumindest signifikanten Teilen ihrer Kerncommunity die zentrale Herausforderung. Einerseits sollen bessere Software und neue Regeln Autorenschwund und mangelnde Diversität lindern helfen, andererseits gelingt es der Foundation bislang nur schlecht für Akzeptanz ihrer Maßnahmen unter bestehenden Administratoren zu sorgen.

In der aktuellen Auseinandersetzung folgt die Einführung eines Superprotect-Status durch die Wikimedia Foundation einer Schmittschen Logik: Wenn Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet, dann bedeutet das im Kontext der Wikipedia also offensichtlich: Souverän ist, wer über Root-Zugriff verfügt.

Die Folgen der Superprotect-Nutzung dokumentieren aber gut die Grenzen einer solchen Vorgehensweise in Community-basierten Projekten wie Wikipedia. Die Diskussion über den Medienviewer wurde mit der Maßnahme nicht beendet, sondern eskalierte zur Grundsatzdebatte. Streikende Administratoren versehen ihre Benutzerseiten mit einem Protestlogo und rechtfertigen eigene technologische Umgehungsstrategien mit Meinungsbildern zum Medienviewer.

Bis zu einem gewissen Grad ist der Streit um Superprotect eine (weitere) Machtprobe zwischen Foundation und Community, die zeigt, dass sich das Problem divergierender Interessenlagen nicht mit roher technischer Gewalt wird lösen lassen. Es fehlt der Foundation einfach an Legitimität und der Rückgriff auf Root unterminiert diese Legitimität nur noch weiter. Vielleicht würde es stattdessen eher helfen, Wikipedia-Banner nicht nur zur Spendenakquise sondern auch verstärkt für (Usability-)Abstimmungen unter Wikipedianutzern einzusetzen.

41 Kommentare
  1. 1. Wieso soll die Shell in Linux ein Umweg sein? Es ist viel einfach jemandem einen Shell Befehl zur Lösung des Problems durchzugeben als ihn über 10 verschiedene Menus und Untermenus zu führen. Dies vorallem auch in Multisprachen – denn die Menus sind nicht in allen Sprachen gleich aufgebaut. Dies ist mir bei Firefox/Thunderbird zwischen Deutsch/Englisch aufgefallen.

    2. Was ist daran schlecht, wenn eine Webseite wie Ende der 90er aussieht?

    1. Verstehe auch nicht was das Problem mit dem Design sein soll? Eine Überarbeitung Würde wahrscheinlich nur mehr Nutzer verwirren, aber was wäre der Nutzen? Ist doch imho alles übersichtlich so wie es ist.

      Den Wysiwyg-Editor als default finde ich aber schon sinnvoll, zwecks Einstiegshürde.

    2. Also muss ich erst einen arkanen, jahrzehnte alten Syntax lernen wenn ich was einstellen will, anstatt einfach ein paar Untermenüs aufzurufen?

      Wenn ich erst Kommondozeilenbefehle recherchieren muss um eine (simple, aber nicht triviale) Einstellung zu ändern, dann ja, ist es ein Umweg.

      1. Bei einem Linux mit grafischer Oberfläche das für den Einsatz als Desktopsystem gedacht ist gibt es üblicherweise beide Wege.

        SJ bezog sich auf die Variante dass man nicht selbst vor dem Display ist, sondern eine Hilfestellung an jemanden kommunizieren muss.
        Vor diesem Hintergrund ist ein Shell-Kommando so gut wie immer schneller, einfacher und zuverlässiger.

        Und wer mit der Shell richtig umgehen kann, wird viele tägliche Aufgaben doch eher mittels Kommandozeile erledigen. Schon weil die Aufgabe damit gewöhnlich schneller erledigt ist.

      2. Aha. Aber den Weg durch Menüs, Untermenüs und Dialogfenster muss man nicht lernen, denn weiß man schon, wenn man sich zum ersten mal vor die Maschine setzt…

        Das trifft vielleicht auf das Einstellen eines Wallpapers zu oder vergleichbaren benutzernahen Kleinkram. Beim Beheben eines Problem trifft das aber spätestens nicht mehr zu.

  2. Ich finde das aktuelle Design dringend reformbedürftig. Es ist einfach alt, hässlich und Ende 90er. Auf meinem 16:9-Monitor bis 1680px Breite werden die Zeilen ewig lang, man verrutscht dauernd.
    Warum verstecken sich die Links auf andere Sprachversionen so? Warum wird eine nicht erfolgreiche Suche von de. nach en. umgeleitet oder alle möglichen Sprachen durchsucht? Wenn ich nicht weiß, ob es nen Deutschen Artikel gibt, suche ich erstmal auf google, weil die mir beide Seiten anzeigen.
    Mit Touchoberflächen ist die Seite schlicht nicht benutzbar. Noch so ein Punkt.
    Und: Die große Revolution des i/Smartphones war keine technische. Alle Komponenten waren vorher vorhanden. Die große Neuerung war das Design nach User Experience. Was nutzt noch so schöner Code, wenn es der großen Masse der Nutzer keinen Spaß macht, ihn zu benutzen.
    Inzwischen hat meine Mutter (65) ein Android-Telefon und nutzt es täglich. Mit allen Windows-Versionen (seit 3.1) war sie überfordert.
    Könnt Ihr’s nicht einfach machen wie fefe? Der hat wechselbare css, die man sich mit nem Cookie festsetzen kann. So schwer isses ja nicht, und so bekommt jeder seine Wurst.

      1. Ist aber unpraktisch, wenn ich das per Hand machen muss. Und dann sehe ich die anderen Fenster die mich ablenken. Das meine ich mit „strikt nach User Experience“: Wo immer ich dem User einen Klick sparen kann, tue ich das.

  3. Durch derartige Probleme sind viele andere Community Projekte gegangen.

    Uebliches Ergebnis: wenn die Infrastruktur verfuegbar und die Inhalte fuer die Nutzer formbar bleiben, bleiben auch die Endbenutzer und eine neue Generation von Administratoren ersetzt die alte relativ schnell. Der Abtritt der Alten muss dabei nicht immer ein Fehler sein…

  4. Hallo Leonhard, danke für diesen verständigen Beitrag. Ich halte das Vorgehen der Foundation hier nicht für der Weisheit letzter Schluss, aber ich habe auch Bedenken, wenn über jede Software-Änderung in der Community jeder Sprachversion abgestimmt werden würde. Eine gewisse internationale Einheitlichkeit und die Verbesserung der Software finde ich wichtig. Siehst du da einen Mittelweg?

    1. Wie unten JR und auch Torsten Kleinz auf Google+ beschreiben, ist einer der Gründe für die geringe Legitimität der Foundation deren Vorgehensweise bzw. Probleme bei Softwareentwicklungsprojekten. Interessanterweise gab es ganz ähnliche Vorwürfe und Probleme auch beim jetzt wieder in Diskussion befindlichen Linux-Migrationsprojekt in München: es drohte schon einmal völlig zu scheitern, weil die Software zu Buggy war.
      Was dort letztlich geholfen hat, waren mehrstufige, standardisierte Testzyklen vor dem Roll-out. Für Wikimedia könnte das bedeuten, dass es für zentrale Softwareanpassungen in allen großen Länderversionen größere Intensiv-Tests mit Admins gibt, falls notwendig auch gegen Bezahlung.
      Klar ist meiner Meinung nach, dass an einer stärkeren Einbindung der Länder-Admins in Softwareentwicklung kein Weg vorbeiführt.

      1. Nun, so ganz ohne Legitimität ist die WMF ja nicht, wenn man bedenkt, wie sich der Vorstand zusammensetzt. Eine Einbeziehung von Menschen aus den Communities gibt es längst, wenngleich der Prozess vielleicht verbesserungswürdig ist. Sicher ist es ein Problem, dass das Mitdenken über die Software sehr aufwändig ist, ich weiß aber nicht, ob die Communities jemandem noch vertrauen, wenn er bezahlt wird – da käme der Vorwurf, er sei „gekauft“.
        Du schreibst von „Länder-Admins“, das würde dann bewusst alle anderen Poweruser außen vor lassen?
        Die Frage bleibt, selbst wenn es aufwändige Test-Zyklen gegeben hat, wer letztlich über das Einschalten neuer Software *entscheidet*.

      2. Nein, natürlich sollten andere „Poweruser“ ebenfalls mit von der Partie sein. Aber was die Frage nach dem letzten Wort betrifft, da hilft gegen größere Widerstände meiner Meinung nach auch „Superprotect“ nicht.

      3. Allerdings war der MediaViewer schon Monate vorher als so genanntes Beta-Feature bereits für alle angemeldeten Nutzer als Optin verfügbar. Wahrscheinlich hätte die Foundation noch mehr Werbung dafür machen müssen und klarstellen, dass das Feature bald zum default wird, aber prinzipiell gab es schon mehrere Rollout-Schritte.

  5. Der Visual Editor wird von der Kerngemeinschaft nicht aus Prinzip abgelehnt. Vielelicht möchte der Atutor mal die entsprechenden Diskussionen dazu nachlesen: Bei Implementierung des Visual Editors war er nicht in der Lage Tabellen zu bearbeiten, ganz zu schweigen von mathematischen Formeln etc., was bei einem Projekt wie Wikipedia aber eine zentrale Anforderung ist. Aber nicht nur große Teile der Artikelarbeit waren mit ihm gar nicht möglich, nein, bei Nutzung des Visual Editors wurde auch noch in zahlreichen Fällen der Artikeltext gelöscht.
    Das Problem liegt nicht an den konservativen Bearbeitergemeinschaft, die sinnvolle Projekte wie die Gesichteten Versionen oder das neue Benachrichtungssystem Echo akzeptiert haben und nutzen. Es liegt daran, dass die Wikimedia Foundation dermaßen schlechte Software-Features vor allem mit dem Visual Editor aber auch in geringerem Maße mit dem neuen Media Viewer vorgelegt hat, dass eine erzwungene Einschaltung geradezu Hohn gegenüber den Leuten ist, die diese Projekte tragen. Wenn dann auch noch der Co-Chef der Foundation, Möller, den Media Viewer von Wikiwand im Grunde für besser hält als sein eigenes Produkt, dann wird erst das ganze Ausmaß des Versagens der Foundation deutlich. Jeder Spender sollte sich klar sein mit welcher zum Teil dilletantischen Arbeit in San Fracisco sein Geld verbrannt wird. Und dann werden nicht einmal halbfertige, total verbuggte Produkte, die keinen Fortschritt zur bsiherigen Mediendarstellung bieten, mit Zwang hineingedrückt. Nichts gegen einen Media Viewer, aber der soll dann auch tatsächlich einen Fortschritt bedeuten jenseits von bloßem „wir müssen mehr wie xy werden“ bieten.
    Wenn man sieht wie die WMF kommunikativ und bei solchen Projekten versagt, dann muss man die Frage stellen, ob da noch die richtigen Leute am Ruder sind. Es sieht nicht so aus.

    1. Klar liegt das Problem nicht nur an konservativen Tendenzen der Kerncommunity, sondern – ich würde sogar sagen: vor allem – an der oben angeführten fehlenden Legitimität der Foundation. Deshalb ist Superprotect auch keine Lösung. Und die von Dir beschriebenen technischen Probleme beim Visual Editor – die aber nicht in gleichem Maße für die anderen beiden Beispiele gelten – sind ja genau einer der Gründe für diese fehlende Legitimität der Foundation.

      1. Doch, sie gelten auch für die anderen technischen Neuerungen. Die Erklärung über den Konservatismus der Community ist schlicht falsch. Die Community fordert seit Jahren sowohl einen WYSIWYG-Editor als auch eine Layout-Überarbeitung. Das Problem ist nicht die Community, sondern die Tatsache, dass die von der Foundation entwickelten Programmlösungen mit gravierenden Fehlern und Problemen daherkommen. Der Bildfilter zum Beispiel hätte zur Ausblendung von wichtigen Werken der Kunstgeschichte geführt, eine Zensurmaßnahme, die eigentlichem keinem Liberalen gefallen sollte. Der MediaViewer nun hat gravierende Probleme mit der Darstellung von Lizenzinformationen, Bildurhebern und Bildinformationen. Das hat die Community in dem Meinungsbild kritisiert, und _deshalb_ haben sie die Neuerung abgelehnt. Sicher ist es an sich eine gute Sache, eine bessere, leserfreundliche Möglichkeit zur Darstellung von Bildern zu haben – aber dann bitte, ohne dass wesentliche Funktionen (teilweise urheberrechtlich relevant!) dabei verloren gehen. Der Vorschlag des Meinungsbilds war auch nicht, den MediaViewer für immer auf opt-in zu schalten, sondern das _vorübergehend_ zu tun, bis der MediaViewer ausgereift ist. Fazit: Konservative Community hört sich zwar als Erklärung erstmal gut an und ist nichtmal komplett falsch, trifft aber in keinem der genannten Fälle wirklich zu. Überhaupt ist es eine seltsame Vorstellung, dass die WMF, deren Interaktion mit den angeblich angesprochenen Lesern, wenn überhaupt, über lustige Umfragen stattfindet, einen heißeren Draht zu ihnen haben soll. Wer Texte schreibt, das wissen Sie sicher, kommuniziert ganz direkt mit dem potentiellen Leser und muss über seinen „impliziten Leser“ (Wolfgang Iser) immer ganz genau nachdenken. Darum finden auch die meisten Wikipedia-Diskussionen mit explizitem Bezug auf den Leser statt – bisher, wenn man sich die Zugriffszahlen so ansieht, auch ziemlich erfolgreich.

      2. Ich kann mich nur wiederholen: natürlich ist die Wikimedia Foundation am Zug, sie hat die Legitimationsprobleme, die nicht nur aber auch aus Fehlern beim Softwareprojektmanagement resultieren und sich mit „Superprotect“ nicht lösen lassen.
        Aber beim Bildfilter ging es sogar nur um ein Opt-in (!). Das ist mMn nicht „Zensur“.

      3. @Leonhard Dobusch: Zum Bildfilter:

        Das mit dem Bildfilter ist komplizierter (wie vieles hier). Erstens müsste jemand entscheiden, welche Bilder unter welche Filterkriterien fallen sollen. Dieser „jemand“ wäre die Community und dies hätte endlose Konflikte nach sich gezogen, auf die niemand Lust hat. Generell wehrt sich die Community aus guten Gründen gegen Änderungen, die zu mehr Arbeit führen und das Arbeitsklima konfliktreicher gestalten.

        Zweitens hätte die Existenz der Bildfilter externen Zensoren eine einfache Möglichkeit geboten, aus einem Opt-In ein Zwangsfeature zu machen, indem alle Bilder, die eines oder mehrere der Filterkriterien erfüllen, an einer Firewall gesperrt werden. Hier gab es berechtigte Sorge, dass man diesen Zensoren nicht die Arbeit abnehmen möchte.

      1. so ein Unsinn, niemand ist von der Bearbeitung ausgeschlossen. Im Gegensatz zur englischen Wikipedia braucht man bei uns nicht einmal einen Account zur Artikelanlage. Aber man kann antürlich immer alles so verdrehen, wie es einem passt.

      2. JR, red keinen Unsinn. Bearbeitungen von IP-Adressen und auch angemeldeten Benutzern müssen erstmal durch jemand höhergestellten „gesichtet“ werden, wobei dieses „gesichtet“ rein gar nichts über die Qualität aussagt, sondern nur ob dem „Sichter“ die Bearbeitung gefällt. Genau das wird in dem von mir angegebenen Link kritisiert.

      3. Es geht nicht um gefallen, sondern ene qualitative Kontrolle. Und der Schritt ändert nichts an der Möglichkeit des Editierens für IPs, die in der hier in der Diskussion so lächerlich hoch eingeschätzten englischsprachigen Version radikal beschnitten ist. Dort kann nicht jeder, egal ob Benutzer oder IP, unter gleichen Bedingungen editieren.

  6. Die Wikimedia Foundation hat hier hundertprozentig richtig gehandelt, in dem sie willkürliche Handlung eines Pseudonymen Administrators rückgängig gemacht hat. Der Mediaviewer ist eine gute neue Einführung und Verbesserungsvorschläge werden von der Foundation ja auch angenommen. Wenn irgendein Benutzer oder Administrator den Mediaviewer nicht an haben will, kann er ihn ja gerne ausschalten.

    1. Das ausschalten bezieht sich explizit nur auf den Benutzer/Administrator selber und nicht auf andere Nutzer, was aber der Administrator in diesem Fall hat versucht durchzudrücken.

  7. Wieso ist ein lokaler Länderadministrator in der Lage, an der Software herumzuschrauben? Ich dachte, WP sei klar dahingegend gegliedert, dass die lokalen Administratoren nur Inhaltliches ändern können.

  8. Ich denke nicht, dass man den Streit rein mit dem Konservatismus der deutschen Wikipedia-Community erklären kann. Es stimmt dabei durchaus, dass deutsche User (allgemein, nicht nur innerhalb der Wikipedia) neue Technologien und technische Veränderungen immer erstmal kritisch sehen, wogegen Amerikaner Neuerungen oft sehr viel offener gegenüberstehen. Das scheint aber generell ein kultureller Unterschied zu sein, der auch anderswo öfters angesprochen wird: dass Amerikaner Vorschläge und Dinge erstmal loben und Kritikpunkte erst danach vorsichtig einstreuen, wohingegen Deutsche bei Problemen ihre Kritik oftmals sehr viel deutlicher und offensiver äußern und Vorab-Lob eher selten ist. Deshalb wird besonders die deutsche Community als eher konservativ/ablehnend angesehen, weil Kritik viel lautstarker und offensicher geäußert wird. Aber ich muss zugeben, dass es durchaus einige Berufs-Stänkerer in der dt. Wikipedia gibt, die sich seit längerem von der Artikelarbeit zurückgezogen haben und sich inzwischen fast völlig darauf konzentrieren, alles schlecht zu reden.

    Die Probleme mit Features wie dem Medieviewer oder Visual Editor, aber auch größeren Projekten wie Wikidata, waren meist, dass diese neuen Features trotz langer Entwicklungszeit sehr buggy und unausgereift waren. Statt sie aber erstmal unter Beteiligung der Community auf ein vernünftiges Niveau zu bringen, werden die Features direkt live geschaltet und dann erst versucht, sie zu verbessern. Was unter anderem auch problematisch sein kann, wenn die Entwickler dann schon wieder anderen Projekten zugeteilt waren oder sie schon weitergezogen waren.

    Das Problem ist aber auch, dass es zwischen Foundation und den einzelnen Communities oft Verständigungsprobleme gibt, da viele Leute bei der Foundation keinen genauen Einblick in den Alltag der User zu haben scheinen. Auch manche Entwickler haben nie selbst Artikel editiert, so dass teilweise an den Bedürfnissen der Community vorbei entwickelt wird und langjährige Forderungen nach Verbesserungen und Neuerungen ungehört bleiben. Da scheint es Mängel im Projektmanagement und der Prioritätensetzung zu geben.

    Hinzu kommt, dass viele Millionen an Spendengeldern investiert wurden, um neue User zu gewinnen, die Ergebnisse aber recht ernüchternd sind. Da muss man sich auch einfach klarmachen, dass nicht jeder Facebook-User auch automatisch in der Lage ist, ernsthaft an einem Enzyklopädie-Projekt mitzuarbeiten. Das sah man z. B. bei dem Mobile-Upload-Feature, mit dem User auf einfache Weise selbstgemachte Bilder vom Handy hochladen und einbinden können sollten. Weit über 95% der Bilder waren totaler Schrott oder Urheberrechtsverletzungen, was für die kleine und ohnehin unterbesetzte Community von Wikimedia-Commons bei mehreren tausend Mobile-Uploads pro Tag einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeutete.

    1. „die deutsche Community“ stimmt nicht, es ist ein kleiner (lauter) Teil der sich gegen die Verbesserung durch die WMF stemmt. obwohl man den Mediaviewer sogar deaktivieren kann.

      1. Bei der Übersicht fehlen die Gesamteditierungen und die vergraulten Benutzer, welche schon vorher durch die willkürlichen Adminentscheidungen rausgeekelt wurden und nicht mehr mitarbeiten.

        Was hier als Editierung gezählt wird wäre auch noch interessant zu erfahren. Rechtschreibfehler korrigiert? Automatisierte Bearbeitungen? (Willkürliche) Reverts auch als Bearbeitung?

  9. Danke für den Artikel. Ich bin selbst seit mehreren Jahren in der WP aktiv, bekomme die Meinungsbilder aber nicht immer mit.
    Ich habe auch alle Artikel bei heise gelesen, konnte sie aber nicht genau einordnen was eigentlich passiert ist.
    Wenn man dann die Kommentare gelesen hat, ging es – wie üblich – in die Richtung, dass in der WP ja alles nur Löschnazis sind und man schön gemeinsam am Klüngeln ist….

  10. Mit der deutschen Wikipedia hab ich seit dem Zensursula Theater abgeschlossen.
    Von Adminwillkür über wirklich bizarre Vorstellungen was als relevant gilt und was nicht, bishin zu Kleinkriegen mit Autoren wenn man „ihre“ Artikel ändert… ne, dann gehe ich lieber auf die englische/internationale Wiki wo man viel entspannter ist.

    1. Genau DAS ist ein Problem. Die extrem enge, nicht nachvollziehbare Relevanzregelung in Deutschland führt oft zu bizarren Situationen. Ja, ein kleiner Kern stemmt die Wikipedia, wobei ich den Eindruck habe das dieser Kern auch gerne kein bleiben möchte. Sonst könnte man ja ein Teil seiner Macht verlieren……

    2. Leider deckt sich deine Erfahrung auch mit dem allgemeinen schlechten Ruf der deutschen Wikipedia im Vergleich mit den Wikipedias anderer Länder.

      Wer auch hin und wieder beispielsweise bei der amerikanischen Wikipedia die Diskussionen und Änderungen verfolgt bzw. dort sogar mitarbeitet, wird schnell den Unterschied zur deutschen Wikipedia erkennen. Das fängt bei der grotesken Relevanzregelung auf den deutschen Seiten an und hört bei der fehlenden Neutralität bei politischen Themen noch lange nicht auf.

      Wenn ich jedoch mit jungen Leute, insbesondere Schülern spreche, so erschreckt es mich jedesmal wieder, welch geringe Medienkompetenz da anzutreffen ist. Ich mache da den Schülern keinen Vorwurf. Ihnen muss man es beibringen, was leider nur zu oft unterbleibt. Da wird das, was man in der Wikipedia liest, quasi unreflektiert als Wahrheit anerkannt. Das finde ich erschreckend. Insbesondere bei der deutschen Wikipedia. Mir jagt es jedenfalls immer einen Schauer über den Rücken, wenn jemand einen Satz mit: „Laut Wikipedia…“ beginnt.

      1. Mich schaudert es noch mehr bei “ Die Wikipedia schreibt“. Das ist für einen Tennie Streit, welcher der Höchste Berg der Welt sei, ok, aber da die Wikipedia auch zu allen möglichen gesellschaftlichen und politischen Themen schreibt, wäre eine deutliche Kommunikation der subjektiven Autorensicht angebracht, deshalb unterstütze ich die Kritik von harry.

      2. Haha, euch wurden wohl irelevante Artikel gelöscht und ihr lebt das jetzt halt so als Reaktion aus. Selbst der große Jimbo Wales sagt, qualitativ ist die deutschsprachige Version die Beste, ganz abgesehen von wissenscahftlichen Studien, die das bestätigen. Euer Furor ist erheiternd.

      3. Dein triumphierendes „Haha, euch wurden wohl irelevante Artikel gelöscht“ sagt alles über die Mentalität, die bei der deutschen Wikipedia herrscht.

      4. @JR:
        Ich habe noch nie einen Artikel bei Wikipedia geschrieben, also konnte mir auch noch nie einer gelöscht werden. Das nur nebenbei.

        Wenn du aber tatsächlich glaubst – und so erscheinen mir deine Zeilen – das es für Medienkompetenz spricht, wenn Schüler (und leider auch viele andere) Sätze mit „Wikipedia schreibt“ oder „Aber laut Wikipedia ist das so und so“ beginnen, dann erübrigt sich wohl eine weitere Diskussion.

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