Der Berliner Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck, der Edward Snowden vertritt, sagte dem Spiegel gegenüber, Snowden ziehe eine Rückkehr in die USA in Betracht. Dafür verhandele man mit US-Behörden und suche nach einer für Snowden erträglichen Lösung. Schon mehrmals, beispielsweise in einem Twitter-Interview aus dem Januar hatte Snowden klargemacht, dass er gern in seine Heimat zurückkehren würde:
Returning to the US, I think, is the best resolution for the government, the public, and myself […]
Aber gleichzeitig macht Kaleck in einem Interview, das in der aktuellen Printausgabe des Spiegels abgedruckt ist, auch deutlich, dass bisher noch keine Ergebnisse aus den Verhandlungen hervorgegangen seien und dadurch eine weitere Debatte darüber, ob man Snowden in Deutschland Asyl gewähren solle, nicht ersetzt werden könne. Kaleck hat seinerseits die Bundesregierung angehalten, zu prüfen ob eine Einreise Snowdens nach Deutschland möglich wäre um ihn vor dem NSA-Untersuchungsausschuss zu befragen. Seiner Meinung nach sei die Entscheidung darüber noch offen, auch wenn Äußerungen unseres Innenministers de Maizière von Rechtsbrüchen Snowdens gegenüber der US-Regierung und deutsche Regierungsberichte, die von einer Gefährdung des Staatswohls durch einen Aufenthalt Snowdens in Deutschland sprechen, andere Schlüsse nahelegen.
Kaleck ruft die Öffentlichkeit auf, sich an der Diskussion um Asyl für Snowden zu beteiligen:
An dieser Stelle könnte sich die engagierte Öffentlichkeit einschalten und sagen: Snowdens Verdienste sind so groß, dass anders mit ihm umgegangen werden muss.
Dazu passt die „Eine Million für Snowden“-Aktion von Digitalcourage e.V., bei der eine Million Aufkleber unters Volk, an Hauswände und Briefkästen gebracht werden sollen, um die Forderung nach Asyl für Snowden zum Ausdruck zu bringen. Ähnliches will die Aktion „Ein Bett für Snowden“, die Campact gestartet hat und bei der mit Türschildern und Aufklebern demonstriert werden soll, dass man Snowden aufnehmen würde, wenn er anklopfen sollte.
Also, auch wenn es sich abzeichnen sollte, dass Snowden eventuell in die USA zurückkehren könnte, ist es immer noch gleichermaßen wichtig, ihm alternative Möglichkeiten bereit zu stellen, schon allein um seinen Verdienst und seinen Mut zu würdigen. Denn eines ist sicher: Je weniger Ausweichmöglichkeiten er hat, desto größer sind die Druckmöglichkeiten der US-Regierung.