Dieser Artikel ist mehr als 12 Jahre alt.

Wer im Glashaus sitzt… US-Regierung bei Software-Piraterie erwischt

Schaut man sich an, welche Politik die US-Regierung zum Thema Copyright verfolgt, merkt man schnell, dass man sich auf restriktivem, verwerterfreundlichem Gebiet bewegt. Der Digital Millenium Copyright Act hat die Umgehung von DRM-Maßnahmen kriminalisiert, uns die Löschung mehrerer Suchergebnisse wegen vorgeworfener Copyrightverstöße beschert sowie Forschung und Wettbewerb behindert. Ausgerechnet die Regierung, die solch eine veraltete…

  • Anna Biselli

Schaut man sich an, welche Politik die US-Regierung zum Thema Copyright verfolgt, merkt man schnell, dass man sich auf restriktivem, verwerterfreundlichem Gebiet bewegt. Der Digital Millenium Copyright Act hat die Umgehung von DRM-Maßnahmen kriminalisiert, uns die Löschung mehrerer Suchergebnisse wegen vorgeworfener Copyrightverstöße beschert sowie Forschung und Wettbewerb behindert.

Ausgerechnet die Regierung, die solch eine veraltete Copyrightpolitik fährt und das auch in Handelsabkommen TPP weiter verteidigt, muss nun dem Softwarehersteller Apptricity 50 Mio. US-Dollar Strafe zahlen, weil sie unlizensierte Softwarekopien benutzt hat, berichtete The Dallas Morning News.

Die US-Armee hatte 2004 von der 80-köpfigen Softwarefirma 3 Server- und 500 Nutzerlizenzen für eine Logistiksoftware erworben, die im Nahen Osten eingesetzt werden sollte. Effektiv in Benutzung war die Software auf mindestens 98 Servern und etwa 9.000 PCs, weitaus mehr als die offizielle Aufstockung auf 5 Server, 150 Rechner und 1.500 Nutzer im Jahr 2007. Ein lohnendes Geschäft, wenn man sieht, dass eine einzelne Serverlizenz mit 1,35 Mio. US-Dollar zu Buche schlägt.

Über die Zeit hinweg realisierte Apptricity, dass ihre Software auf wesentlich mehr Maschinen auf der ganzen Welt eingesetzt wurde – Torrentfreak zufolge wurde das ganze klar, als der Programmdirektor der US-Armee auf einem Planungstreffen berichtete, die Software laufe auf Tausenden von Geräten.

Einige Jahre, Briefkorrespondenzen und Treffen später verklagte Apptricity im Februar 2012 die US-Armee auf 224,5 Mio. Dollar Schadensersatz. Das ganze war für Apptricity eine Risikokalkulation, bei der sie ihren größten Kunden hätten verlieren können. Jedoch wussten sie genauso gut, dass die US-Armee auf ihre Software angewiesen ist – einer der Gründer von Apptricity, Tim Garcia, sagte dazu:

Es ist wie in der Ehe. Manchmal will man sich auf keinen Fall begegnen, aber das heißt nicht, dass man sich trennt.

Die Rechnung ging auf, die beiden Parteien einigten sich kürzlich auf eine Zahlung von 50 Mio. US-Dollar – ein vielfaches des Jahresgewinns von Apptricity -, die Zusammenarbeit wird dabei höchstwahrscheinlich bestehen bleiben. Tim McHale von Apptricity drückte sich sehr optimistisch aus:

Nun, da dieser Prozess überstanden ist, stellen wir uns vor, dass die Beziehung zwischen der Armee und Apptricity weiterhin exponentiell wachsen wird.

Dem Unternehmen aus Irving sei das vergönnt. dass sich daraus irgendeine Einsichtigkeit beim Urheberschutz – beispielsweise hinsichtlich Lizenzierung von Software – ergeben wird, ist nicht zu hoffen.

Über die Autor:innen

  • Anna Biselli
    Darja Preuss

    Anna ist Co-Chefredakteurin bei netzpolitik.org. Sie interessiert sich vor allem für staatliche Überwachung und Dinge rund um digitalisierte Migrationskontrolle.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Telefon: +49-30-5771482-42 (Montag bis Freitag jeweils 8 bis 18 Uhr).


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 Kommentare zu „Wer im Glashaus sitzt… US-Regierung bei Software-Piraterie erwischt“


  1. derantichrist

    ,

    Es sind immer wieder dieselben, die alles für sich selbst haben wollen und der Rest soll gar nichts bekommen.


  2. ach, keine bange. da gibts bald ein gesetz dass der regierung das erlaubt.
    schliesslich kämpft sie gegen die bösen mächte. (und auch gegen muttis handy)


  3. Ist doch ein lohnendes Geschäft für die Army gewesen. Wenn die einfache Serverlizenz schon 1,35 Mio kostet hätte die nachlizensierung der 95 Server alleine über 128 Mio gekostet, von den Lizenzen der Workstations ganz zu schweigen.
    Statt dessen kauft man sich jetzt für schlappe 50 Mio frei. Bei den Beträgen, die bei Copyrightverstössen sonst so aufgefahren werden haben sie das ja sogar geschenkt bekommen. Strafe sieht anders aus…


  4. […] Kommen wir lieber zur Technik der Zukunft: Biometrische Identifikation mit der Zunge. Und lachen ein bisschen über die USA, die sich immer für stärkere Durchsetzungsmöglichkeiten für Copyrights einsetzen, um währenddessen in Ruhe selber Software im Wert von über 200 Mio. Dollar zu kaufen klauen. […]

Dieser Artikel ist älter als 12 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.