Datenschutz

Russland will Fluggastdaten

Nachdem bereits Abkommen mit den USA und Australien zur Übermittlung von Fluggastdaten aus der EU abgeschlossen wurden, wollen nun auch die Russen Zugriff auf diese Daten erhalten. Airlines, die den russischen Flugraum überfliegen oder in Russland landen, sollen sämtliche Informationen über ihre Passagiere den russischen Behörden zur Verfügung stellen. Ein Sprecher der EU-Kommission sei, so berichtet die SZ, „äußerst besorgt“ – was auch immer das bedeuten mag.
Denn Russland bedient sich des gleichen Verhandlungstricks wie die USA. Die Airlines werden einfach unter Druck gesetzt: übermitteln sie die Daten nicht, bekommen sie keine Landeerlaubnis. Den USA hat die EU anschließend äußerst weitreichende Zugriffsrechte auf die Daten eingeräumt, bis zu 15 Jahre können die Behörden nun auf die Daten zugreifen. Das auch andere Länder Zugriff auf die privatesten Daten der Reisenden haben wollen, war schon zum Zeitpunkt der Verhandlungen mit den USA und Australien bekannt. Derzeitig verhandelt die EU etwa auch mit Kanada über ein entsprechendes Abkommen und weitere Staaten, etwa Saudi-Arabien, haben ebenfalls Interesse an den Daten angemeldet. Insgesamt 60 Einzeldaten werden pro Passagier und Flug gespeichert, darunter Kreditkarteninformationen, aber auch Essenswünsche und Informationen über den gesundheitlichen Zustand eines Reisenden.
Darüber hinaus versucht man derzeitig ein eigenes EU-PNR System aufzubauen. Die Abstimmungen darüber finden am 12. Juni im EU-Parlament statt. Auf den Seiten pnr.digitalegesellschaft.de und pnr.vibe.at könnt ihr eure Abgeordneten kontaktieren und Sie auffordern, gegen diese Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten zu stimmen.

Crosspost von nopnr.org.

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5 Kommentare
  1. Und ist das Einfallstor geöffnet, so läßt es sich hinterher nicht mehr schließen. Das einzige, was hier wirklich hilft ist Datensparsamkeit. Wozu braucht ein Land die Essenswünsche eines Passagiers, der irgend ein Land überfliegt? Glaubt auch nur irgendjemand, dass wenn ein Multimilliardär in seinem Privatjet von Europa nach China fliegt, dass der seinen Essensplan vorlegt? Was glauben die denn damit heruszufinden? Wenn ich Schonkost ankreuze, halal oder koscheres Essen: Was sagt das über meine Gefährdung aus? Hier findet eine Vorverurteilung aufgrund von Statistik und Willkür statt. Rechtsstaat ade.

  2. Total irre dieser Datenkontrollwahn. Ist den jetzt jeder ein potenzieller Terrorrist der das falsche Essen bestellt? Ich würde das mal permanente und auch noch erlaubte Rasterfahndung nennen. Au man, hört das eigentlich irgendwann mal wieder auf, ich will meinen abhörsicheren Gameboy wieder haben :-)

  3. gut so, weil vielleicht ein lehrstück, wenn am beispiel russland den meisten leuten endlich klar wird, dass es bei der pnr-datenweitergabe nicht um harmlose daten geht.

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