Überwachung

Remember Remember The 5th Of November – Europol und Sicherheitsdienstleister wollen Showdown mit Guy Fawkes

Charaktermaske Frau Kowalski, internetaffine Polizistin bei Europol
Charaktermaske Frau Kowalski, internetaffine Polizistin bei Europol

„Ist es wirklich nur eine Sci-Fi Serie im Internet?“, orakelt die EU-Kommission mehrdeutig und verlinkt in einem Tweet auf die Webseite von TrendMicro. Die Firma gilt als einer der Marktführer im Bereich der Internetsicherheit und wirbt großspurig mit Lösungen zur „intelligenten globalen Bedrohungsabwehr“.

Wir finanzieren uns zu fast 100 % aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Zusammen mit der EU-Polizeiagentur Europol hat TrendMicro das „Projekt 2020“ gestartet, das letzten Monat auf der ersten gemeinsamen „Cybercrime-Konferenz“ von Europol und der internationalen Polizeiorganisation Interpol in Den Haag vorgestellt wurde. Zur Allianz von Polizei und TrendMicro gehört auch die International Cyber Security Protection Alliance (ICSPA), in der sich Visa Europe, McAfee, Atos, Cassidian und andere Sicherheitsdienstleister des WWW organisieren. Ziel ist die Sensibilisierung für zukünftige polizeiliche Herausforderungen. Herausgekommen ist eine absurde Übertreibung des Internet, die viel über die kruden Phantasien der Verantwortlichen aussagt:

Where hacktivism once contented itself with defacing or denying service on a website (DDoS), a new generation are engaged in tech-enabled destruction which appears to be motivated by anarchist as well as anti-corporate sympathies. Automation of some law enforcement functions has also inevitably attracted attempts by criminals to gather intelligence, manipulate data and obstruct access.

In mehreren Videoclips werden Angriffe auf die Internet-Infrastruktur inszeniert. Das Ganze spielt sich in einem Phantasie-Staat namens „South Sylvania“ ab. Sieben Charaktere repräsentieren dabei die hellen und die dunklen Seiten des digitalen Zeitalters. Zwischendurch erklärt uns TrendMicro das Internet

"Kinuko", natürlich mit Augmented Reality
„Kinuko“, natürlich mit unterwegs Augmented Reality

Hauptfigur ist „Kinuko“, die als „unverdächtige“, durchschnittliche Internet-Userin beschrieben wird. Allerdings kennt sie sich im Netz bestens aus und ist auch mit Datenschutz beschlagen – kein Wunder, denn sie arbeitet als Programmiererin beim Internetdienstleister „The Switch“, der den Auftrag bekam die ersten digitalen Wahlen durchzuführen. Zu den Schwächen von Kinuko gehört die Subscription bei einem Dating Portal. Das wiederum wird ihr zum Verhängnis, denn dort lernt sie den Anarchisten und Kämpfer gegen jegliche Autorität „Adam Cole“ kennen. Auch er steht auf Gadgets, die er für seine Zwecke zu nutzen weiß. Stereotyp bewegt sich diese Charaktermaske am Rande der Legalität, stets auf der Hut vor dem Ausspähen durch die Regierung. Es nimmt nicht Wunder dass sich „Adam Cole“ mit „Yanek“ anfreundet, einem typisch urbanen Cyberkriminellen, der nur auf seinen Profit bedacht ist. Seine Moneten macht er mit einem Netz osteuropäischer Krimineller, es geht natürlich um Spam und Botnetze. Für viel Geld soll er ausgerechnet jene Firma hacken, in der sich die gute „Kinuko“ verdingt. Doch er braucht einen Komplizen…

Charaktermaske Frau Kowalski, internetaffine Polizistin bei Europol
Charaktermaske Frau „Kowalski“, internetaffine Polizistin bei Europol

Zum Glück bleibt das Internet aber nicht den Wankelmütigen und Anarchisten überlassen: Als Gegenspieler wird der erfahrene Polizeiagent „Vic Harrison“ ins Rennen geschickt. Er kommt noch aus „analogen Zeiten“, aber um Verbrecher zu fangen scheut er nicht vor digitaler Technologie. Er soll den „Fall des Jahrzehnts“, den Einbruch im Internetunternehmen, „The Switch“ aufkären. Der Alte wird von „Sandra Kowalski“ unterstützt, einer jungen und netzaffinen Polizistin. Als frühe Außenseiterin nutzte sie ihre Freizeit mit dem Erlernen technischer Skills und hat sogar schon einen Hack des Schulnetzwerks verhindert. Jetzt arbeitet sie im „European Cybercrime Centre“ (EC3) bei Europol (das EC3 ist der eigentliche Held der ganzen Geschichte und wurde im richtigen Leben Anfang des Jahres in Den Haag scharf geschaltet).

Blieben noch zu erwähnen der Manager „Scot Nikkelsen“, der bei „The Switch“ die Vorbereitung der E-Wahlen betreut. Der digitale Einbruch bringt ihn an den Rand seiner Kapazitäten. Denn Gefahr droht dadurch der eigentlichen Hauptperson , dem „Premierminister Carrington“. Er soll möglichst wiedergewählt werden, weil er „South Sylvania“ in einen herausragenden Technologie-Standort verwandelte.

Die ersten vier von sechs Episoden sind nach und nach online gegangen. FreundInnen von Aufständen, Cops in Riot Gear und jede Menge Krach-Bumm-Peng kommen voll auf ihre Kosten:

„Switched Off — 2020 Episode 1“

Stay Calm — 2020 Episode 2

„We Didn’t See It Coming — 2020 Episode 3“

„Have You Seen This Boy?“- Episode 4

„Episode 5“ soll am Montag veröffentlicht werden (nein, es geht nicht um diesen schon veröffentlichten Clip).

Was passiert am 5. November?
Was passiert am 5. November?

Für das Finale mit „Episode 6“ müssen sich die Follower von Europol und TrendMicro jedoch noch 12 Tage gedulden.

Angekündigt ist die letzte Folge des überzeichneten Bedrohungsszenarios ausgerechnet für den 5. November; jenem Tag, an dem Guy Fawkes den Regierungssitz in London vor 400 Jahren mit einem Sprengsatz adressiert hatte. Gelingt es Europol und TrendMicro, die Bösen zu stoppen oder endet das Ganze im Fiasko einer Bonfire Night?

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
7 Kommentare
  1. OMG, was für eine krude Propaganda!!

    Schaut lieber Hackers – Im Netz des FBI von 1995 oder hört lieber ein paar Sci-Fi Hörspiele aus den Siebzigern. Ich behaupte mal das ist Gehaltvoller!

  2. Angekündigt ist die letzte Folge [..] für den 5. November; jenem Tag, an dem Guy Fawkes den Regierungssitz in London vor 500 Jahren mit einem Sprengsatz adressiert hatte.

    Das missglückte Attentat fand am 05.11.1605 (Quelle: Wikipedia) statt.

    So ganze 500 Jahre sind es wohl doch noch nicht mehr, auch nicht 2020 ;-)

  3. Darf man freundlich nachfragen, warum die letzten drei (vielleicht auch mehr) Kommentare entfernt wurden? Diese enthielten weder Spam, Beleidigungen oder sonstigen Schund.

    Wie kann man gegen Zensur, für Netzneutralität und für offene Medien eintreten, wenn man auf der eigenen Webpräsenz freie Meinungen wegzensiert und nur einen Kommentar beibehält, dessen Quintessenz sich auf einer Linie mit der Meinung des Autors befindet?

    Mit freundlichen Grüßen,
    ein entrüsteter und spendender Leser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.