Kultur

„Online, schlafend oder tot“ – die MEDIENTAGE MÜNCHEN 2013

Bei den MEDIENTAGE MÜNCHEN stellen Spitzenmanager und Medienexperten aus Fernsehen, Hörfunk, Print und Mobile, Spezialisten aus dem Digital Business ebenso wie Werbeprofis, Medienpolitiker und Filmschaffende die Weichen für die Medienwelt von morgen. Die MEDIENTAGE MÜNCHEN gehören mit über 6.000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland, mehreren Hundert akkreditierten Journalisten, über 500 Referenten und mehr als 90 Einzelveranstaltungen zu den wegweisenden Veranstaltungen für die Medien- und Kommunikationsfachwelt.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

So stellen sich die MEDIENTAGE MÜNCHEN selbst vor. Die 1987 von Wolf-Dieter Ring und Edmund Stoiber (sic!) ins Leben gerufene Veranstaltung erhebt an sich also den Anspruch, wegweisend zu sein. Das Ganze wird auf der dreitägigen Konferenz (die heute ihren letzten Tag hat) im Rahmen eines bunten Blumenstraußes an Seminaren, Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Panels und einer angegliederten Messe angestrebt. Das diesjährige Motto lautet „Mobile Life: Herausforderung für Medien, Werbung und Gesellschaft“.

Hier eine kleine Auswahl favorisierter Programmpunkte:

Achtung Shitstorm! Wie Sie auf virtuelle Empörungswellen reagieren sollten

Wer hat Angst vor Social Media?

Location Based Services – What’s hot, what’s not.

Einschalten statt Abschalten – Wenn Promis Programm machen.

Survival in a connected world

Was bei all dem auffällt, ist, dass oftmals das Internet als potentiell feindliches, unentdecktes Gebiet gesehen zu werden scheint. Was für eine Veranstaltung, die eine Vordenkerrolle inne haben will, nicht ganz angemessen ist. Das manifestiert sich beispielsweise in der Beschreibung der Veranstaltung „Die drei Fragezeichen: Social? Media? Marketing?“:

Social Media sind auf der Tagesordnung von Marketing-Fachleuten und gehören inzwischen zum Alltag der modernen Markenführung. Es gilt daher, das „Neuland“ tiefer und eingehender zu erkunden, zu entwickeln und zu verstehen.

Der Wandel, den Digitalisierung mit sich bringt, wird vielmehr als Gefahr denn als Chance gesehen und große Internetunternehmen zum Problem erklärt. Um fairen Wettbewerb zu sichern, braucht man daher: „Das Urheberrecht, das Steuerrecht, der Datenschutz, der Zugang zu den Netzen, die Auffindbarkeit, die Definition der Märkte einschließlich des Medienkonzentrationsrechts und der Jugendmedienschutz.“ Aha, welche Inhalte diese Rechte konkret haben sollen, darf sich der geneigte Internetnutzer an dieser Stelle selbst ausmalen.

Wenn schon keine richtungsweisenden Inhalte, wie mittlerweile von verschieden Seiten kritisiert wurde, so liefern die MEDIENTAGE doch amüsante Zitate. Auf dem Weg durch die Onlineberichterstattung finden sich viele denkwürdige Auszüge aus den mannigfaltigen Veranstaltungen. Wer Geduld und Interesse hat, kann sich eine „umfangreiche Auswahl an Texten, Photos, Print- und audiovisuellen Medien“ auch online anschauen. Auf der verlinkten Mediathek-Seite finden sich dafür sogar Suchtipps, um schneller zu finden, was man sucht.

Wer sich nicht durch die vielen Stunden an Material kämpfen will, hier ein kleines Best Of:

„Es ist ganz klar – die Jugend ist ein großes Problem.“ (Dirk Ippen)

„Man ist heute entweder online, schlafend oder tot.“ (Dirk Ippen)

Auf die Frage von Cherno Jobatey, ob er zur Huffington Post dazustoßen wolle: „Dann lieber in Würde sterben.“ (Jan-Eric Peters, Welt-Chefredakteur)

Als mögliche Folge unzufriedener Internetnutzer, wenn Datenschutz nicht fair ist und Überwachung überhand nimmt: „Sonst kommt man ganz schnell in den Bereich, wo politische Regelungen nötig werden.“ (Dorothee Bär, CSU-Netzexpertin)

„Die Medienpolitik gehört ins Wirtschaftsministerium. Sie ist raus aus der Nische.“ (Conrad Albert, Rechtsvorstand von Pro Sieben Sat 1)

Auch auf Twitter, #mtm13, findet sich Unterhaltsames. Aber noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Denn bis heute um 17:00 ist noch Gelegenheit für Innovation und Weitblick.

3 Kommentare
  1. Bezeichnend ist, das der „elephant in the room“ und damit die eigentliche Gefahr nicht thematisiert wird, nämlich die Totalüberwachung durch die NSA und andere Geheimdienste. Stattdessen z. B. „Gehört Google das Internet?“ So berechtigt diese Frage zu Anfang des Jahres vielleicht noch gewesen wäre, mir erscheint sie nun wie ein Anachronismus.

  2. Auf die Frage von Cherno Jobatey, ob er zur Huffington Post dazustoßen wolle: “Dann lieber in Würde sterben.” (Jan-Eric Peters, Welt-Chefredakteur)

    Na ja, seine Würde, denke ich. Für mich stehen Welt-Chefredakteure irgendwo kurz über BILD-Chefredakteuren und haben sich schon lange für’s Geld und gegen wirklichen Journalismus entschieden. Insofern, nicht schlimm um ihn.

  3. Liebe Frau Biselli,
    haben Sie für Ihren Artikel eigentlich auch recherchiert? Im Panel „Die drei Fragezeichen: Social? Media? Marketing?“ können Sie jedenfalls nicht gewesen sein, sonst hätten Sie die Ironie im Begriff „Neuland“ sofort bemerkt. Schade, dass netzpolitik.org keinen Wert auf journalistische Standards legt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.