Israelische Drohne stürzt ab, weitere Flüge ausgesetzt – Bundeswehr-Drohnen fliegen trotzdem

Eine Drohne des israelischen Militärs fiel am Samstag ins Mittelmeer. Der Flugroboter wurde zuvor abgeschossen, um einen Absturz über dicht bewohntem Gebiet zu verhindern. Nach Zeitungsangaben sei auf dem Routineflug aus noch ungeklärten Gründen eine Störung aufgetreten. Es handelte sich um eine sogenannte MALE-Drohne des Typs Heron, Hersteller ist die Firma Israel Aerospace Industries. MALE steht für „Medium Altitude Long Endurance“, also mittlere Flughöhe und hohe Reichweite. Die Heron existiert neben der ursprünglichen Baureihe mittlerweile auch als fortentwickelte Heron TP. Beim Absturz handelte es sich um die frühere Version Heron-1

Ein Militärsprecher erklärte, dass zunächst alle Flüge von Drohnen des gleichen Typs gestoppt seien. Bereits letztes Jahr war eine israelische Heron abgestürzt. Die von deutschen Soldaten in Afghanistan geflogenen Heron-Drohnen würden angeblich weiter betrieben, heisst es im Augengeradeaus-Blog von Thomas Wiegold. Die deutschen Flugroboter sind im Gegensatz zu den israelischen Typen unbewaffnet. Doch zwei von Deutschland geleaste Heron sind bereits früher havariert. Nach Auskunft der Bundesregierung habe es sich einmal „um einen Bodenunfall beim Rollen“ gehandelt, eine andere habe wegen eines technischen Defektes am Triebwerk „eine autonome Landung in freiem Gelände“ durchgeführt. Die Drohne musste demnach „aus operationellen Gründen zerstört werden“. Gemeint ist, dass die Technik ohne die Zerstörung durch eigene Soldaten von gegnerischen Kräften rekonstruiert werden könnte.

Es könnte sich bei dem jüngsten Vorfall in Israel durchaus um ein gravierendes Sicherheitsproblem handeln, denn Details zur Navigationstechnik der Heron sind womöglich dem Geheimdienst Pakistans in die Hände gefallen. Ein Spezialkommando der Polizei nahm Ende März in Bremen einen Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fest, der laut dem Nachrichtenmagazin Focus „geheime Studien über Steuerung und Navigation von Drohnen“ einsehen konnte. Dabei geht es um Heron-Drohnen der Bundeswehr.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, das betroffene Unternehmen aber bislang nicht offiziell bestätigt. Focus schreibt, der Auftraggeber sei „nach Erkenntnissen der Ermittler“ der pakistanische Geheimdienst ISI. Die Bundesregierung wollte dies auf Nachfrage im Bundestag erstmal nicht bestätigen und hüllt sich über weitere Ermittlungen in Schweigen. Zur Begründung heisst es, es handele sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Das Frage- und Informationsrecht des Deutschen Bundestages wird deshalb eingeschränkt.

Das DLR ist damit befasst, Studien für Genehmigungsverfahren für den Betrieb größerer Drohnen wie die Heron im allgemeinen zivilen Luftraum durchzuführen. Ab 2016 soll EU-weit ein „Single European Sky“ (SES) eingerichtet werden, zuständig ist hierfür die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mit Sitz in Köln. Dann könnten Drohnen wie die Heron oder die US-amerikanischen Predator auch von der Polizei geflogen werden, denn Starts und Landungen dürften von zivilen Flughäfen erfolgen.

Das DLR betreibt hierfür groß angelegte Forschungen in Spanien, an denen auch die Bundespolizei beteiligt ist. Das Projekt wird von der EU finanziert. Ein erster polizeilicher Testflug einer Heron-Drohne erfolgte erst kürzlich, weitere sind geplant. In einem anderen EU-Projekt wird auch eine Predator-Drohne des US-Herstellers General Atomics getestet.

Von den Ergebnissen der Forschungen würde auch die Bundeswehr profitieren, denn es geht um satellitengestützte Ausweichverfahren. Diese sind für die luftfahrtrechtliche Zulassung in Deutschland zwingend. Das deutsche Militär will sich zwischen Heron oder Predator entscheiden, weshalb die (eigentlich zivilen) EU-Forschungen für die Pläne des Verteidigungsministeriums von zentraler Bedeutung sind.

Die Bundeswehr nutzt neben den Heron-Drohnen die kleineren Typen KZO („Kleinfluggeräte Zielortung“) und LUNA („Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung“) der deutschen Hersteller Rheinmetall und EMT. Mindestens zwei LUNA sowie drei KZO sind bereits in Deutschland vom Himmel gefallen. Beim ISAF-Einsatz in Afghanistan stürzten gleich sechs LUNA und vier KZO ab. Laut dem Spiegel hatten zehn KZO damals 300 Millionen Euro gekostet. Eingerechnet sind allerdings auch die Bodenstation zur Flugkontrolle und Analyse der Überwachungsdaten. Mittlerweile verfügt die Bundeswehr über 37 KZO und 51 LUNA.

Auch andernorts sind die Flüge der Drohnen keineswegs sicher: Die britische Webseite Drone Wars UK hatte im Herbst eine Übersicht über Bruchlandungen von Drohnen mehrerer Länder veröffentlicht. 2012 sind allein in den USA bei 14 Unfällen von Drohnen mindestens 15 Geräte abgestürzt. Selbst die riesige Global Hawk, von denen die Bundeswehr als Euro Hawk zunächst einen Prototyp orderte, verzeichnete in Afghanistan und an der Heimatfront Totalverluste (Video).

Update: Thomas Wiegold von Augengeradeaus wies uns daraufhin, dass die zweite deutsche Heron-Drohne gecrasht wurde, weil sie fast einen Chinook als Außenlast gekillt hätte.

2 Kommentare
  1. Matthias Monroy 14. Mai 2013 @ 16:51
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