Diplomatie über Twitter: Tweet der amerikanischen Botschaft missfällt Kairo und Washington

usembassyDie amerikanische Botschaft in Kairo twitterte Anfang April den Link zu einem Video der „Daily Show“ des Komikers Jon Stewart. In der Show vom 1. April macht sich Stewart über Ägyptens Staatschef Mohammed Morsi lustig und kritisiert die Festnahme des ägyptischen Satirikers Bassem Youssef wegen Beleidigung des Islams und des Präsidenten. Der Account Egyptian Presidency twitterte daraufhin an die @USEmbassyCairo, es sei nicht angemessen für eine diplomatische Mission, solch negative politische Propaganda zu verbreiten. Die US-Botschaft sperrte ihr Twitter-Konto auf die Kritik hin vorübergehend und löschte den Tweet. „Wieder ein undiplomatischer und unkluger Zug der amerikanischen Botschaft in Kairo, ergreift Partei in einer laufenden Ermittlung, ignoriert ägyptische Gesetze und Kultur“, twitterte nach der Süddeutschen Zeitung die Muslimbruder-Partei „Freiheit und Gerechtigkeit“. Auch aus Washington kommt harsche Kritik, US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland erklärte, es habe bei der Art und Weise, wie die Tweets seitens der Botschaft betrieben wurden, „Pannen“ gegeben. Die Botschaft sei dabei, diese Pannen zu beheben. Seit Mittwochnachmittag sei @USEmbassyCairo wieder zu erreichen.

We’ve had some glitches with the way the Twitter feed has been managed. This is regrettably not the first time. Embassy Cairo is looking at how to manage these glitches,“ she said. „They came to the conclusion that the decision to tweet it in the first place didn’t accord with post management of the site.

Die Staatsanwaltschaft hatte Bassem Youssef Ende März vernommen. Erst nach fast fünfstündiger Befragung wurde er gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. Es gibt bereits neue Vorwürfe gegen ihn, darunter laut Youssef Störung des Friedens, das Verbreiten von Gerüchten und das Zerstören moralischer Werte.

Vor wenigen Tagen lehnte ein ägyptisches Gericht einen Verbotsantrag auf Youssefs Satiresendung „al-Bernameg“ ab. Der Kläger, ein Jurist der regierenden Muslimbruderschaft, habe laut Gericht nicht das Recht ein Verbot der Sendung zu fordern. Youssef muss sich jedoch weiterhin vor Gericht verantworten wegen des Vorwurfs auf Beleidigung des Präsidenten und Beleidigung der Religion. Das Büro des Präsidenten Mohammed Morsi distanzierte sich von der Aktion und veröffentlichte bei Facebook eine Pressemitteilung zu Youssef:

The Presidency has not filed any complaint against stand-up comedian Basem Yousef. The Presidency reiterates the importance of freedom of expression and fully respects press freedom. All citizens are free to express themselves without the restrictions that prevailed in the era of the previous regime. The first legislation passed under President Mohamed Morsy was concerned with the prevention of pre-trial detention of journalists. This demonstrates the determination of the President to encourage press and media to operate in a free environment.

Die Staatsanwaltschaft sei unabhängig, teilte Morsi mit. Er erwähnte nicht, dass er selbst den Generalstaatsanwalt eingesetzt hatte und ein Gericht dies im März diesen Jahres für unrechtmäßig erklärt hatte.

Bei der BBC findet sich ein kurzes Video zu den Risiken und Chancen der Twitter-Diplomatie.

Over the past few years diplomats have taken to social media, ushering in a new era of accessibility to average citizens. Foreign ministries have encouraged diplomats to become more effective social media users by engaging in conversation. But it can backfire.

Das Twittern sei für Diplomaten kein leichtes Unterfangen. Einerseits sollen sie als offizielles Sprachrohr fungieren und Informationen verbreiten. Doch mit den sozialen Medien kommt auch die direkte Verbindung zu Bürgerinnen und Bürgern weltweit, und Dienste wie Twitter als reine Präsentationsplattform zu nutzen, läuft der Social Media Idee zuwider. Das Twittern verläuft also entlang einer dünnen Linie – wird diese übertreten, verbreitet sich die „Panne“ rasend schnell und führt, wie beim Tweet zur Daily Show, zu ernsten Konsequenzen. Doch damit werden sich Diplomaten arrangieren müssen, denn die digitale Diplomatie wird laut Arturo Sarukhan, einem mexikanischen Diplomaten, immer wichtiger und zu einem ergänzenden Teil traditioneller Diplomatie. Da kann dann auch mal ein Krieg zum sozialen Event werden.

Incorporating social media as a tool of engagement enables diplomats or public officials to reach a much broader audience and to do so directly, without intermediaries. Critically, digital diplomacy and the use of social media are not substitutes for sound policy or policy design and implementation. No savvy use of technology can sugarcoat bad policy or poor public diplomacy. You need to know your audience and you need to be able to take its pulse, and what works back home does not necessarily work elsewhere, and it in fact usually never does!

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