Deutsche Telekom etabliert 2-Klassen-Netz mit Datenschnellspur

Als die Deutschen Telekom gestern ankündigte, ihre Tarife umzustellen und ihre eigenen Services wie T-Entertain und Sprachtelefonie zu bevorzugen, hatten wir bereits die Vermutung, dass es nicht nur bei den eigenen Services bleiben werde. Die Pressemitteilung war da relativ offen gehalten. Gegenüber dpa bestätigte ein Telekom-Sprecher aber die Pläne, dass es zukünftig ein 2-Klassen-Netz mit priorisierten Diensten geben werden, wie dem Telekom-/Spotify-Deal im Mobilfunk.

Uns fehlen noch 62.000 Euro!
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Zugleich macht die Telekom einige Ausnahmen, vor allem für eigene Dienste und Angebote von Partnern. So wird das Datenvolumen aus dem hauseigenen Fernsehdienst Entertain nicht mit eingerechnet, ebenso wie Sprachtelefonie über den Telekom-Anschluss. Die Nutzung anderer Anbieter wie Apples iTunes oder Amazons Streaming-Dienst Lovefilm würde nach aktuellem Stand an dem Inklusiv-Volumen zehren, wie ein Telekom-Sprecher bestätigte. Internet-Dienste könnten aber eine Kooperation mit der Telekom eingehen für sogenannte Managed Services eingehen, „die in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und vom Kunden gesondert bezahlt werden“.

Man müsse nur eine Kooperation mit der Telekom eingehen, dann werden die eigenen Dienste über die Schnellspur zu den Kunden geschickt. Die Deutsche Telekom verletzt massiv die Netzneutralität, die Bundesregierung schaut weg und träumt noch weiter vom Markt, der das schon irgendwie lösen wird. Wir brauchen genau jetzt Regelungen zur Sicherung der Netzneutralität, bevor der Marktriese Deutsche Telekom allen anderen zeigt, dass man unbeschadet die Netzneutralität beerdigen kann.

37 Kommentare
  1. Für mich als Kunde von Vorteil. Profitiere bereits jetzt mit sehr viel Freude von dem Deal mit Spotify und freue mich, dass das viel zu knappe Datenvolumen unangetastet bleibt.

    Ich halte die Netzneutralität aber eh wieder nur für irgendein Kampfthema der Netzaktivisten mit übertriebener Empörung, aber mit der Meinung bin ich hier wohl relativ alleine. ;)

    1. „Für mich als Kunde von Vorteil. […] viel Freude von dem Deal mit Spotify […] freue mich, dass das viel zu knappe Datenvolumen unangetastet bleibt.“

      UND GENAU DAS IST FALSCH!

      Du solltest dich drüber aufregen überhaupt sone verarsche mit knappen Datenvolumen untergejubelt zu bekommen! Ich mein, schau in die schweit, da bekomsmte für den Preis deines „knappen datenvolumens mit dem ich aber viel spaß hab weil die telekom auf 3 ebenen abzockt“ halt unbegrenztes HANDYINTERNET mit 10mbit up/down. Neutrales up/down.

    2. Profitiere bereits jetzt mit sehr viel Freude von dem Deal mit Spotify und freue mich, dass das viel zu knappe Datenvolumen unangetastet bleibt.

      Wodurch proftitierst du? Durch die Extrakosten für den Telekom-Deal, den Spotify logischerweise auf die Kunden umlegt (höhere Abogebühr bzw. mehr Werbung), oder durch magentafarbene Bits, die zur Marktverzerrung führen, weil die ja das Netz ganz anders belasten als normale Bits oder durch das viel zu knappe Datenvolumen, dass die Telekom ja nur deswegen festsetzt, um solche Deals überhaupt erst möglich zu machen?

    3. Wow, erster Kommentar und noch dazu perfekt getrollt, das muss man Dir lassen :D
      Lohnschreiber von Arvato ? Ja, die würde ich an Stelle der Telekom-Pressestelle grad auch einsetzen…

  2. Noch einmal gefragt: Sind von Seiten der Digitalen Gesellschaft konkret Aktionen gefragt, um die Pläne der Telekom zu verhindern? Eine Petition an den Bundestag sollte doch mindestens gestartet werden.

  3. „Internet-Dienste könnten aber eine Kooperation mit der Telekom eingehen für sogenannte Managed Services eingehen, „die in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und vom Kunden gesondert bezahlt werden“.“

    Da ist er, der Content aus meiner Kristallkugel.
    Die Telekom lässt sich von Content-Anbietern dafür bezahlen, daß ihre Inhalte bevorzugt durchgeroutet werden können und vom Endkunden, daß genau jener Content auch bevorzugt bei ihm ankommen darf.
    Die Telekom-Zollschranke für Raubritter im 21. Jahrhundert. Back to the Mittelalter – „Wenn du willst, daß deine Felle meine Brücke passieren, musst du Geld dafür bezahlen. Und wenn *du* willst, daß ich die Felle zu dir durchlasse, gib mir mehr Geld, zusätzlich zur Brückenmaut.“

    Demnächst gibt es den Telekom-DSL Anschluss dann mit Youtube-Extension-Tarif. ZDF Mediathek geht extra.
    Und wer den Grünen-Parteitag sehen will, hat Pech gehabt. Ist nur FDP und CDU im Paket. C´est la Telekom-vie.

    Brave new world. Meine Kündigung ist schon länger draußen.

    1. Dazu kommt das die Brücke vom Volk gebaut und bezahlt und sogar noch von allen EU-Königen bezuschusst wurde.

      Was die Mediathek angeht (siehe Post 20.) das sollte doch illegal sein.

  4. Da fehlen einem echt die Worte. Andere Länder gehen hin, und schreiben klugerweise die Netzneutralität per Gesetz fest. Und Deutschland entwickelt sich zurück in die Netzsteinzeit. Nicht nur, dass wir so gut wie jedem Land in Sachen Anbindung und verfügbare Geschwindigkeit hinterher humpeln, jetzt wird offen das freie Netz beerdigt.
    Das Ausland lacht sich buchstäblich kaputt über uns, überall werden Technologien entwickelt die über das Netz laufen sollen, vom Auto bis zum Kühlschrank. Cloud hier, Cloud da, Cloudcomputing ade.^^

    Aber sich auf dämlichen Veranstaltungen hin stellen, und Breitband für alle fordern, sowie von wachsender Internetwirtschaft fabulieren.
    Aber sowas kann das Merkel ja gut, Hirngespinste erzählen, weg schauen und Parteispenden kassieren.

    Den Aufbau einer flächendeckenden WLan-Versorgung hat man ja frühzeitig durch die Störerhaftung verhindert, jetzt will man richtig abzocken.

  5. Es ist wohl an der Zeit, dass wir Kunden eine Nachricht senden. Ich zumindest werde unter Verweis auf die Vorkommnisse meinen T-Entertain-Vertrag kündigen.

  6. Telekom verzerrt den Markt, FDP schweigt. Wo bleibt der Einsatz für die freie Marktwirtschaft? Aber dann müsste die FDP ja auch der Kampf gegen Hartz-IV aufnehmen, weil das staatliche Marktverzerrung in ganz großem Stil ist. Und dazu fehlt wohl Mut oder Einsicht. Sagt ein ehemaliger FDP-Wähler.

  7. Jetzt müsste sich ein Netz von Mailprovidern finden, die für die Durchleitung von Emails zu Telekom-Servern pro Stück 100 Euro von der Telekom verlangen…
    Wird leider nicht passieren, aber schön wär’s schon.

    Abgesehen davon ist das wohl nur die nächste Eskalationsstufe der Telekomspitze. Die wollen ja bekanntlich aus der Regulierung raus und sind sich bewusst, dass die Aufkündigung der Netzneutralität politischer Sprengstoff ist. Was läge da näher, als der Kanzlerin fünf Monate vor der Wahl noch ein wenig Druck mitzugeben – deren Problem wird sein, dass jetzt schon die Vor-Wahl-kein-Gesetz-mehr-Phase beginnt (sollte eigentlich schon lange abgeschlossen sein, aber dann kam die Frauenquote dazwischen). Entweder wird noch schnell ein Gesetz zur Netzneutralität gestrickt, das kurz vor der Wahl verabschiedet wird (dann aber gibt es garantiert einen Kuhhandel mit der Telekom für das Votum denen nahestehender Abgeordneter) und dann auch mindestens Regulierungserleichterungen beinhaltet – oder die Merkel steht als die Tatenlose da und muss ein schlechtes Ergebnis fürchten.

  8. Was habt Ihr denn alle? Das die Parteien wegschauen ist doch garnicht war. Sie lassen die Telekom machen da sich so doch viel mehr Sicherheit erzeugen lässt! Böse Terroristen (z.B. Sportschützen, Jäger, Menschen die nicht die Grünen wählen) kann man so mit einem langsamen www in Ihren Aktivitäten ausbremsen.
    Es geht doch nicht darum das jeder Bürger schnelles www bekommt. Es geht darum das er überhaupt angeschlossen wird. Denn nur so ist sichergestellt das die Möglichkeit zur Überwachun gegeben ist. Damit die Sicherheitsorgane hinterher kommen, muss das Netz halt etwas gedrosselt werden!
    Wer also nichts zu verbergen hat hat doch auch das Bischen mehr an Zeit um auf das aufbauen einer Website zu warten! Oder nicht?

  9. Die Telekom bestraft auch noch die Kunden denen sie maximal 16 er Leitungen bereitstellt mit max 75 GB.
    Hier sollte sie nur dann Beschränkungen auferlegen, wenn es Nutzer sind die schneller könnten aber weniger zahlen wollen.

    Deutschland ist was Breitband Technik angeht Mittelalter.
    Hier gibt es eine Weltfirma mit 40 000 Mitarbeitern weltweit, Marktführer und im Standort gibt es Ecken ohne Internetzugang, langsames unter 1000 mehr als genug.
    Der Rest soll über Funk versorgt werden wobei die Preise und die Volumina kaum einen Kunden locken.

    Hessen vorn heißt es dann auch noch.
    Un in Japan gibt es für Privatkunden 2 GB ohne Begrenzung, im Großraum Tokio 100 GB Leitungen für 40 ¢.
    Südkorea bietet 100 mb selbst auf dem kleinsten Dorf !

    P. S. Traffic wird durch immer mehr Geräte erzeugt.
    Und mehr Angebote.
    Und wer verkauft Geräte und schafft die Angebote ?
    Die Telekom.

    Wie schon einer schrieb: Unsere Regierungen in Bund und Land sind eher antiquiert hnsichtlichder Technik, nehmen den Mund voll, machen miserable Gesetze und beschränken die Freiheit wo es geht.

    Erinnert mich irgendwie an
    „Niemand will eine Mauer bauen“

    Richtig.
    Bei uns mauern wir uns freiwillig ein.

    Saftladen Deutschland.

  10. Wird höchste Zeit, das es auch beim Netz Open Source Hardware gibt.
    Ist natürlich schon ein bisschen aufwendiger, selbst Glasfaserkabel in die Erde einzupflügen. Aufwendig, aber machbar.

    Oder größere Datenvolumen gehen als Paket von Handy zu Handy, auf der realen Infrastruktur auf die Reise. Die Piraten dieser Erde kommen schon an ihre Beute, es sind die Leute die Firmen haben und schnellen Zugriff auf ihre Daten brauchen, die hier gemolken werden sollen, für das Versagen der deutschen Telekom beim Netzausbau und ihren Auslandsabenteuern (Warum sind die nur nirgends auf dem Planeten erfolgreich, außer hier?)

  11. Da das dt. Kartellamt es ja offenbar geschafft hat, den DSL-Ausbau auszubremsen (so die offizielle Version, man darf mMn daran zweifeln), wie wäre es damit, diesen „Deals“ ebenfalls einen Riegel vorzuschieben? Wäre m.E. eher sinnvoll, als das permanente Blockieren des DSL-Ausbaus, der immer noch nicht so gelaufen ist, wie man das eigentlich von einem vorgeblichen High-Tech-Land von Deutschland erwarten könnte.

  12. Die Telekom will doch nur wieder bestimmen können, woher die Daten kommen: Von den zahlenden Partnern natürlich. Die weisshaarigen Opis werden mit diesem Schritt allerdings gewaltig auf die Nase fallen. Dass das nur für Neukunden gilt, zeigt, dass sie sich damit gar nicht so sehr auf der sicheren Seite fühlen.

  13. Ist eine Drosselung nicht auch schon bei Mobilgeräten illegal?

    Da wir für unser Internet GEZ zahlen müssen und der Internetzugang quasi zur Grundversorgung gehört, ist das überhaupt rechtens den Anschluß zu drosseln?
    Gerade weil die Telekom Internetradio und TV als Verbraucher des Volumes erwähnt.

    Ist die Drosselung der Mobilgeräte nicht jetzt schon illegal, wenn ich meine mit der internet-GEZ finanzierten Radio und TV-Sender nicht mehr abrufen kann?

  14. Der Steuerzahler bezahlt die Netze zum größten Teil, dann soll er auch entscheiden, was wie schnell über diese geht. Als Gesetzgeber würde ich der Telekom sofort alle Subventionen streichen und es an die Kabelbetreiber geben oder noch besser die ganze Infrastruktur wieder verstaatlichen. Die Onlineanbieter können ja trotzdem DSL verkaufen, allerdings kriegen sie alle einen Einheitspreis.

  15. Guten Tag.
    Vielleicht habe ich es bei der Berichterstattung an z.Zt. vielen Orten auch überlesen:
    Mein aktueller Telekomvertrag läuft im Herbst 2013 aus.
    Bis auf weiteres kommen die Reduzierungen nicht zum Tragen.
    Kann ich, bedingt durch die Veränderungen, die im Mai zum Tragen kommen, nicht für Bestandskunden, trotzdem von einem vorgezogenen Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen ?
    (Ein Telekom-Mitarbeiter verneint diese Frage natürlich … )
    Wird es ab Mai also zwei Pakete, das bisherige und das neue Paket geben ?
    Ist das bisherige Bestandskundenpaket nicht irgendwann auch der Gefahr eines Eingriffes / Zugriffes der Telekom ausgesetzt … ?
    Läßt sich diese Fragestellung vielleicht sicher recherchieren ?
    Dankeschön.

  16. Die politische Ebene unseres Staates übersieht, dass es sich bei Internet-Anschlüssen um einen signifikanten Teil der Infrastruktur handelt. Hier bestimmte Nutzungen zu privilegieren oder zu diskriminieren und die Entscheidung noch dazu in die Hände eines Wettbewerbers zu legen ist existenzgefährdend für eine freie Wirtschaft.

    Wer sich eine Vorstellung davon machen will welche Folgen das haben kann, kann sich die historischen Vorgänge ansehen, die durch identische Prinzipien bedingt wurden. Als Suchbegriff empfehle ich „Taubenpost Rothschild Reuter“, „Thurn Taxis Postverein Bismarck“ oder „FCC non-discrimination“.

    Man stelle sich vor, das Stromnetz stünde nur einem bevorrechtigten Anbieter 24/7 zur Verfügung mit voller Ampere-Stärke und die anderen Anbieter müssten jede Stunde 5 Minuten Auszeit akzeptieren und ab einer bestimmten Kilowatt-Zahl wäre Schicht im Schacht.

  17. Es ist unglaublich wie die Telekom mit uns Kunden umgeht. Ich zahle monatlich für die Flat 53,95 € mit DSL 16.000, für die Mails = 4,93 € und den Speedport W 723V = 3,94 € also insgesamt 62,82 €. Seit die ihr neues Programm installieren benötige ich um mit meinen eMail Adressen die ich als Mitbenutzer eingerichtet habe, jedes Mal über 3 Minuten Zeit bis sich überhaupt die Fenster mit den angezeigten Mails öffnen und auch dann wenn gar keine Mails vorhanden sind. Nur meine Haupt Mail Adresse funktioniert noch im normalen Rahmen von einigen Sekunden.
    Gehe ich ins Internet dann ruckt das Bild heute schlimmer als zur Zeit als es noch den normalen ISDN Anchluß ohne DSL zum Serven gab. Ich fühle mich nicht nur betrogen, und erpresst , man will damit wohl erreichen dass man einen neuen Vertrag unterschreibt, sondern regerecht vera….! Kann man sich gegen diese Willkür überhaupt noch irgendwie zur Wehr setzen?
    MfG
    Ede Wachsam

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