Überwachung

BKA, Bundespolizei und BND experimentieren mit 3D-Druckern und wollen diese für „interne Produktionsabläufe“ nutzen

Die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt (BKA) führen bald Tests mit 3D-Druckern durch. Hierzu wollen die beiden Behörden einen eigenen Drucker beschaffen und Dateien nutzen, um Waffen bzw. Waffenteile herzustellen. Dies geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

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Die Abgeordneten hatten sich allgemein nach polizeilichen Aktivitäten hinsichtlich der 3D-Drucker befasst. Hintergrund war eine Meldung mehrerer Medien vom Mai diesen Jahres, wonach im Kanzleramt ein „Geheimtreffen“ mit dem BKA zur Thematik stattgefunden hätte. Dies wird jedoch dementiert: Es habe sich in besagten Berichten um das turnusmäßige Treffen von Ministeriumsvertretern und Präsidenten von Sicherheitsbehörden gehandelt. Das BKA hatte dort eine entsprechende Präsentation gehalten. Jedoch wird von Staatssekretär Ole Schröder bekräftigt, dass es die Behörden eilig haben:

BKA und BPOL widmet sich aktuell mit hoher Priorität der Thematik „3D-Drucker“. Schwerpunkt und Bewertungen der Untersuchungen sind dabei einerseits Gefahren, die von einer kriminell intendierten Nutzung dieser Technik für die Allgemeinheit und die öffentliche Sicherheit entstehen können, sowie andererseits eine Abschätzung der Nutzungsmöglichkeiten dieser Technologie für eigene (polizeiliche) Zwecke.

Laut der Antwort ist das BKA selbst aktiv, um einen internationalen Austausch zur Gefährdung durch 3D-Drucker anzuregen. Hierzu hat das Amt auf einer informellen Polizeikonferenz Kontakt mit der australischen Polizei aufgenommen. Dort wurde bereits mit einem Drucker des Typs „Liberator“ eine Pistole ausgedruckt. Beim ersten Schuss hatte sich die Waffe aber selbst zerlegt. Das BKA hat jetzt „erste Unterlagen“ aus Australien erhalten.

Abteilungen des BKA haben sich überdies mit dem Bundesinnenministerium Österreichs in Verbindung gesetzt, das ebenfalls Tests mit einem „Liberator“ durchführte. Das Ausdrucken hat dort rund 30 Stunden gedauert. Anschließend konnten angeblich mehrere erfolgreiche Schüsse mit 9 Millimeter-Patronen abgegeben werden. Auch hierzu erhielt das BKA einen Bericht. Nach eigener Einschätzung seien die in Österreich hergestellten Produkte geeignet, „letale Verletzungen“ zu erzeugen.

Bei der besagten Konferenz handelt sich um die jährlich stattfindende „Pearls in Policing“. Das Treffen findet seit 2006 statt und orientiert sich explizit an den geheimnisumwobenen „Bilderberg“-Konferenzen, in denen sich VertreterInnen aus Politik und Wirtschaft in Kamin-Athmosphäre über zukünftige Politiken austauschen.

Polizeien mehrerer Länder diskutieren bei „Pearls in Policing“ die sicherheitspolitische Handhabung politischer Trends, darunter etwa zunehmende Umweltzerstörung und das Bevölkerungswachstum. Ziel ist eine bessere internationale Vernetzung. Das BKA ist bei „Pearls in Policing“ vor allem hinsichtlich der Überwachung und Analyse von Social Media-Aktivitäten präsent. Dessen Vizepräsident Jürgen Stock ventilierte hierzu vor zwei Jahren Erkenntnisse über „Neue Technologien“:

Examine the evolving nature of social media and associated new technologies; the implications on crime and public safety/security and the associated challenges and opportunities for police to respond strategically; and make recommendations for the future.

Gefahr durch 3D-Drucker droht laut dem Bundesinnenministerium insbesondere im Bereich „Luftsicherheit“, weshalb sich die Bundespolizei mit neuen Verfahren zur Erkennung entsprechender Teile bei Luftsicherheitskontrollen an Flughäfen beschäftigt. Aufziehende Probleme sieht der Staatssekretär aber auch in etwaigen Verletzungen von Urheberrechten durch „Produkt- und Markenpiraterie“. Zugangsbeschränkungen für Jugendliche könnten überdies durch die freie Verfügbarkeit von Dateien im Internet umgangen werden.

Bislang vorliegende Erkenntnise zur sicherheitspolitischen Einschätzung von 3D-Druckern hat das BKA nun im regelmäßig erscheinenden Informationsblatt „Neue Technologien“ zusammengetragen, das auch den Länderpolizeien zugänglich gemacht wird. Laut dem Bundesinnenministerium forschen Landeskriminalämter einiger Bundesländer selbst zur Thematik.

In der Anfrage hatten sich die Abgeordneten auch nach positiven Konsequenzen der neuen Drucktechnologie erkundigt. Interessanterweise prüfen mehrere Sicherheitsbehörden laut der Antwort, inwiefern die Verfahren selbst genutzt werden könnten:

Das BKA wird 3D-Drucktechniken auch hinsichtlich ihrer polizeilichen Einsatzmöglichkeiten untersuchen. Die Bundespolizei befasst sich ebenfalls mit den Nutzungsmöglichkeiten für eigene Zwecke. […] Darüber hinaus prüft der BND die Einsetzbarkeit von 3D-Druckern zur Verbesserung interner Produktionsabläufe.

In der Anfrage ging es auch darum, inwiefern die Behörden des Bundesinnenministeriums Urheberrechte beachten, etwa wenn Waffen aus im Internet zirkulierenden Dateien gedruckt werden. Ole Schröder verspricht, die Rechte Dritter würden „selbstverständlich gewahrt“.

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9 Kommentare
  1. „Pearls in Policing“
    Ach herrje, was für eine widerliche Selbstüberschätzung und Bauchpinselei.
    Mir fällt da nur Perlen vor die Säue zu ein.

  2. Ich finde es gut, daß kompetente Behörden hier die Tests machen und regelmäßig veröffentlichen wollen.

    Das spart unnötige Kosten und Versuche.

    Danke!

  3. Die 3D-Drucker werden dringend gebraucht, um Ersatzteile zu beschaffen:
    Neue Tasten für die Schreibmaschine, oder ein Batteriefachdeckel für das alte Funkgerät…

  4. „Dort wurde bereits mit einem Drucker des Typs “Liberator” eine Pistole ausgedruckt.“

    Wenn ich mich nicht schwer täusche, wurde die Pistole “Liberator” getauft, nicht der Drucker.

    1. Wir ™ müssen im Angesicht des Terrors ™ eben Opfer bringen, damit wir ™ als freiheitliche Demokratie ™ auch zukünftig frei leben können.
      Man kann sich der Bürgerpflicht ™ nicht einfach so entziehen und nur den Konsum und seine eigenen Vorteile ™ im Auge haben.

      Wer 3D Drucker nutzt unterstützt damit potentielle Terroristen ™.

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