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Zensur durch Copyright: Nach Mars Rover und Hugo Award blockiert YouTube nun auch Barack Obama

Derzeit ist der Mitschnitt des ersten Tages des Parteitags der amerikanischen Demokratischen Partei auf YouTube blockiert. Die Begründung ist mal wieder der übereifrige Copyright-Filter, den Medienunternehmen automatisch füttern können. Erst kürzlich hat es auch die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA und auf Ustream den Science-Fiction Leserpreis Hugo Award getroffen.


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Statt der Rede von First Lady Michelle Obama war gestern beim YouTube-Mitschnitt nur folgender Copyright-Hinweis zu lesen:

This video contains content from WMG, SME, Associated Press (AP), UMG, Dow Jones, New York Times Digital, The Harry Fox Agency, Inc. (HFA), Warner Chappell, UMPG Publishing and EMI Music Publishing, one or more of whom have blocked it in your country on copyright grounds. Sorry about that.


Da das Video auch auf den Seiten BarackObama.com und DemConvention2012 eingebunden ist, gab es auch dort nur den Copyright-Text zu sehen. Mittlerweile ist das Video auf „privat“ gestellt.

Dieser Vorfall ist nur die neueste Episode einer ganzen Reihe von Fällen, in denen Copyright-Filter fälschlicherweise anspringen und damit Inhalte unzugänglich machen, die gar keine Copyrights verletzen. Anfang August wurde das Video der NASA zur Landung des Mars-Rovers Curiosity gesperrt. Erst am Sonntag wurde der Live-Stream des Science-Fiction Leserpreises Hugo Award auf Ustream gesperrt.

In allen Fällen sind Computer-Algorithmen angesprungen, die angeblich Urheberrechtsverletzungen erkannt haben wollen. Patrick Beuth übersetzte auf Zeit Online den passenden Kommentar von Annalee Newitz:

Falls noch irgendjemand glaubt, Urheberrechtsgesetze könnten die freie Meinungsäußerung nicht stoppen, den wird die automatisierte Zensur der Hugo Awards eines Besseren belehren. Roboter haben eine legitime Übertragung gekillt. Willkommen in der Gegenwart.

Immerhin haben wir wieder ein paar Beispiele für illegitime Löschversuche im Netz.

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14 Kommentare
  1. Maschinen sind halt doof. Dass solche Ereignisse als peinliche „Pannen“ wahrgenommen werden, zeigt doch, dass da keine „versteckte Agenda“ dahintersteckt, sondern mal wieder ein zu hohes Vertrauen in die Cleverness von Algorithmen.

  2. Etwas besseres kann uns doch gar nicht passieren, wie wenn Videos des amtierenden US-Präsidenten wegzensiert werden. Vielleicht kapiert er es jetzt auch langsam, dass er in Sachen Copyright auf dem Holzweg war….

    1. Das dürfte wohl eher eine Frage der Haftung sein als ein technisches Hindernis. Imho möchte google auch vermeiden, alle Copyright-Claims der „Partner“ manuell zu prüfen, da das natürlich mit Kosten verbunden ist.

      Außerdem dürfte es google nur recht sein, wenn immer mehr Personen diese „versehentlichen“ falschen Copyright-Ansprüche als Ärgernis ansehen.

  3. Eigenlich hätte ich nichts Dagegen wenn YouTube auch bei uns Wahlwerbung oder die Kanzlerin wegzensieren würde ;-)

    Das Schlimme darin ist das „der übereifrige Copyright-Filter“ nur Aufzeigt das wir in einer Welt leben in der immer mehr Computer Algorithmen unser Leben bestimmen.
    Der Mensch wird Entmündigt und macht sein Leben in gefährlicher Weise Abhängig von Systemen die er immer weniger Kontrolliert und welche auch keine rechtlichen oder ehtischen Veranwortung übernehmen , wie Gesichtserkennungssysteme, Hochfrequenzhandel an Finanzmärkten, „intelligente“ Autosysteme bis zu tötlichen Roboter Waffen.
    Zudem eine Politiker weche diesen Treiben eher tatenlos zusehen, ja es sogar noch Fördern.

  4. Dass Youtube Barrack Obama blockiert, ist eine gute Sache. Denn so besteht die Hoffnung, dass die Politik aufwacht und auf den Gedanken kommt, dass das Copiright mal geändert werden könnte.

    Es muss in diesem Falle erst etwas schlimmes passieren, dass sie selbst betrifft, bevor sie aufwachen…

    1. Entschuldige den unsachlichen Kommentar, aber „aufwachen … lol“.

      Der wacht allerhöchstens dann auf (aber selbst da wäre ich mir nicht sicher), wenn ihn eine seiner Kampfdrohnen durch die Straßen Washingtons jagt. Wenn man ganz zynisch wäre, könnte man sich noch drastischere Bilder ausmalen. Aber selbst bei Kriegsverbrechern und Massenmördern habe zumindest ICH meine Skrupel.

  5. Das sind übrigens dieselben Maschinen, die darüber entscheiden, wer von uns in einer Terroristendatei landet.
    Bervor diese Roboter irgendwann auch mal die automatische Eliminierung „suspekter Objekte“ übernehmen, dürfen sich die Betroffenen heute schon mal auf allerhand Ärger an den Grenzen vorbereiten…

  6. Andre Meister ist wohl das populistische Sprachrohr dieses einst seriösen Blogs. So sehr das Urheberrecht auch in seiner heutigen Form verfehlt ist, so oft es auch schon zu Zensurzwecken missbraucht worden ist, so verfehlt ist es auch in diesem Kontext jemandem eine Zensur-Intention zu unterstellen. Ein ziemlicher Griff ins Klo.

  7. Hahahaha, wenn einer glaubt, das war keine Absicht, dann ist er wirklich einfach gewickelt. Die sind ja nicht doof. Jetzt sind die Grossen positioniert und haben ihren jeweiligen Markt im Griff. Jede Befreiung von Regulation jeglicher Art wird sie noch grösser machen. Und warum dann nicht den POTUS persönlich „aus Versehen“ abschiessen. Womöglich waren die Parteiführer vorab schon informiert. Schliesslich ist Google einer der grössten Unterstützer der Campain.
    Übrigens: Höchstwahrscheinlich verletzt Michelle wirklich das Copyright. Denn geflügelte Worte und popkulturelle Anspielungen sind ja äusserst beliebt.

  8. Da liegt bestimmt kein Fehler vor. Das System ist nur besser als gedacht. Wenn bei uns die Rede der Kanzlerin gesperrt wird, steht da bestimmt, dass hier geistiges Eigentum von Bertelsmann, der Deutschen Bank, INSM, Allianz und Springer-Verlag verletzt wurden.

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