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Vodafone: Erste Klage gegen freiwillige Vorratsdatenspeicherung der Mobilfunkanbieter

Mit Vodafone wird jetzt der erste Mobilfunkanbieter verklagt, weil er auch ohne gesetzliche Verpflichtung eine Vorratsdatenspeicherung betreibt. Rechtsanwalt Meinhard Starostik reichte beim Amtsgericht Düsseldorf Klage im Auftrag einer Handy-Nutzerin Klage ein. Auch gegen die anderen Mobilfunkanbieter sind Klagen angekündigt.


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Wie netzpolitik.org bereits öfters berichtete, speichern einige Provider und Mobilfunkanbieter auch ohne gesetzliche Verpflichtung zur Vorratsdatenspeicherung freiwillig weiter. Nach dem Aufruf des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung haben sich mehrere Menschen gemeldet, dagegen rechtlich vorzugehen. Jetzt ist die erste Klage eingereicht worden, gegen Vodafone.

Der Berliner Anwalt Meinhard Starostik, der auch schon gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt hat, wollte zunächst per Unterlassungserklärung die Speicherung nicht-relevanter Daten untersagen. Dazu zählt er die Funkzelle, von der ein Anruf gestartet wurde und die Kennung von Endgerät (IMEI) und SIM-Karte (IMSI). Mobilfunkanbieter dürfen Daten nur speichern, wenn diese zur Abrechnung benötigt werden, das sei bei all diesen Daten nicht der Fall.

Der Datenschutzbeauftragte von Vodafone lehnte das ab. Die Funkzelle brauche man, um standortbezogene Dienste wie einen Zuhause-Tarif abrechnen zu können. Den hat aber die Beschwerdeführerin nicht. Die IMEI werde für „gerätebezogene Dienste“ benötigt. Auch solche nutze die Kundin nicht.

Also reichte Starostik Klage beim Amtsgericht Düsseldorf ein. Laut Telekommunikationsgesetz (§ 96 und § 97) dürfen nur solche Daten gespeichert werden, die auch für die Rechnung benötigt werden.

Vodafone ist dabei nur die erste Beklagte, Starostik kündigt an: Die Klagen gegen andere Anbieter folgen bald.

Zum Umsetzung des damaligen Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung mussten die Provider und Mobilfunkanbieter viel Geld investieren, um die angeforderten Daten zu speichern. Gut möglich, dass man nach dem Urteil gegen das Gesetz die Infrastruktur so gelassen und einfach die Speicherdauer verkürzt hat. Immerhin droht seitdem eine Neufassung des Gesetzes.

Dagegen regt sich Widerstand in der SPD. Zwei Mitglieder haben ein Mitgliederbegehren gestartet, um die verdachtsunabhängige Vorratsdatenspeicherung „in jeglicher Form“ abzulehnen. Im parteieigenen vorwärts gibt es ein Interview dazu.

11 Kommentare
  1. wie steht das mit der Weitergabe von ips an Abmahnanwälte aus, ips dürften doch auch nicht gespeichert werden, lieg ich da falsch?
    dann wäre doch das Anfordern dieser ips eine Anstiftung zu einer Straftat?
    wer kann mir da weiterhelfen?

    1. Bin kein Rechtsanwalt, aber ich denke, das kommt auch drauf an, was du mit deinem Provider vereinbart hast. Dann kommt es darauf an, ob es sich um eine überraschende Klausel gegenüber einem Verbraucher handelt, dann dürfte es so sein, dass die IPs zu Abrechnungszwecken eine gewisse Zeit gespeichert werden, aber sicher nicht an betriebsfremde Privatpersonen weitergegeben werden dürfen. Obs eine Straftat ist … hm

      1. Speichern von Daten ist keine Straftat?
        Illegales Speichern von Datein ist keine Straftat??
        Speichern von illegalen Daten ist keine Straftat???

        Es gibt Beispiele, wo Du mit Sicherheit angeklagt wirst, wenn bei Dir bestimmte Dateien (Daten) auf dem Rechner/NAS/CD/DVD gefunden werden. Man darf nicht alles speichern, insofern ist die Aussage nicht korrekt.
        D. h., (illegales) Speichern von Daten kann eine Straftat sein. Es kommt auf den Inhalt der Daten an.

  2. Das Problem ist doch, das die Provider sich diese ganz Schittechnik auf eigene Kosten anschaffen mussten und nach dem BGH-Urteil überflüssig wurde. Was soll man also damit machen? Vielleicht revidiert sich der BGH noch und da wäre man sehr fein raus.

    Aus meiner Sicht hätten die Privider den Staat auf Schadenersatz verklagen müssen, aber das war es ihnen dann doch nicht wert.

  3. Alle Anbieter dürfen die IP-Adressen ihrer Kunden zur „Beseitigung technischer Störungen“ speichern. Diese IP-Speicherung ist für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen möglich. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist das Telekommunikationsgesetz (§100 Abs.1 und § 109).

    1. Genau diese 7 Tagespeicherung ist aber sehr streitig, selbst unter Juristen mit wenigen Kenntnissen über das informationelle Selbstbestimmumgsrecht. Einer unabhängigen Überprüfung hält diese 7 Tagespeicherung nicht stand.

  4. Vodafone: The first lawsuit against voluntary retention of the mobile operator
    Andre Masters | Published: 24/07/2012 at 11:34 pm | 6 Replies

    With the first mobile operator Vodafone now being sued because it operates without legal obligation data retention. Lawyer Meinhard Starostik filed a complaint with the Local Court on behalf of a mobile phone lawsuit Licensees. Even against the other mobile operator actions are announced.

    How often netzpolitik.org already reported, some providers and mobile operators continue to save voluntarily and without legal obligation on data retention. After calling the Working Group on Data Retention, several people have reported, however, to take legal action. Now the first lawsuit was filed against Vodafone.

    The Berlin attorney Meinhard Starostik who has already appealed against the data retention law before the Federal Constitutional Court was initially prohibited by the declaration of retention of non-relevant data. For this he is one of the radio cell from which a call has been started and the identification of terminal (IMEI) and SIM card (IMSI). Mobile service provider may only store data when they are needed for billing, it was with all these data is not the case.

    The Data Protection Officer of Vodafone refused. The network cell you need to settle a location-based services such as home-price may be. But not to the complainant. The IMEI will be needed for „device-related services.“ Also, such use is not the customer.

    So a lawsuit filed Starostik the Local Court. According to the Telecommunications Act (§ § 96 and 97), only those data are stored that are needed for the bill.

    Vodafone is only the first defendant, Starostik announces: Complaints against other providers will follow soon.

    To implement the then law on data retention providers and mobile operators had to invest much money to save the data requested. It is quite possible that you have the judgment against the law reduces the infrastructure so calm and just the storage period. After all, since a revision of the law threatens.

    In contrast, stimulates resistance in the SPD. Two members have started a membership request to the data retention without suspicion „in any form“ reject. In his own party to advance, there is an interview.

  5. Würde sagen, dass es eigentlich nur UWG Verstöße sind. Aber im Geldbeutel tuts den Providern am meisten weh. Deswegen immer dagegen anrennen! Irgendwo geht bestimmt eine Tür auf.. :-)

  6. @4: Das versteht doch keiner. Habe mal auf die Schnelle versucht da was halbwegs lesbares draus zu machen.

    Vodafone is now the first mobile phone provider being sued because they retain telecommunications data without legal obligation. Attorney Meinhart Starostik filed a complaint at a lower court in Düsseldorf on behalf of a mobile phone user. Complaints against other mobile phone providers were announced.

    As netzpolitik.org frequently reported some providers and mobile operators continue to retain telecommunication data voluntarily and without legal obligation.

    After a call by the German Working Group on Data Retention several people offered to take legal action. Now the first complaint was filed against Vodafone.

    Berlin attorney Meinhard Starostik – who also filed the complaint against the German data retention laws at the German constitutional court – initially tried to get Vodafone to declare that they would stop the practice of retaining data not relevant for billing. Among these irrelevant data he considered the cell (location) from which a call was initiated and the identities of the terminal (IMEI) and SIM card (IMSI). Mobile service providers may only store data when these are required for billing, which was not the case, according to Starostik.

    The Data Protection Officer of Vodafone refused. He claimed that the cell location was needed to bill location based services such as a „home tariff“. However, the complainant does not have such a tariff. And the IMEI was needed for „device-related services“. Such were not used by the customer, says Starostik.

    So Starostik file the complaint at a lower court in Düsseldorf. According to the German Telecommunications Act (§§ 96 und 97) only data may be retained that is required for billing purposes.

    Vodafone is only the first defendant. Starostik announced: Complaints against other providers will follow soon.

    To implement the previous law on data retention providers and mobile operators had to invest a lot of money to retain the data requested. It is quite possible that some left the infrastructure in place and just shortened the retention time. After all the threat of a revision of the law is still on.

    Against a revision resistance rises in the SPD. Two members have started a member initiative to reject a suspicionless data retention „in any form“. An interview has been published in the SPD newspaper „Vorwärts“.

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