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NDR: ACTA, das Netz und die Urheber

NDR-Zapp hat gestern in einem Bericht von Daniel Bröckerhoff über „ACTA, das Netz und die Urheber“ berichtet, wo ich auch zu Wort komme als Kontrast zur GVU.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Bevor Beschwerden aufkommen: Ein Zitat ist leicht aus dem Zusammenhang gerissen, wo ich auf die Überwachung des Echtzeitverkehrs auf Urheberrechtsverletzungen eingehe. Das ist keine direkte Folge aus ACTA, aber eine mögliche durch den ACTA-Punkt, dass Nationalstaaten eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung durch eine Kooperation zwischen Rechteinhabern und Providern fördern sollen. Übrigens ist das Beispiel nicht aus der Luft gegriffen: Nicht anderes fordern die Rechteinhaber inklusive GEMA und GVU im Rahmen des Wirtschaftsdialoges zur Förderung einer Kooperation zwischen ihnen und Providern hier in Deutschland.

20 Kommentare
  1. Der Satz des GVU-Menschen ist ja mal hart:

    „Das Urheberrecht stammt aus einer Analogen Welt … das hat es vor dem Internet gegeben und das wird es auch hoffentlich nach dem Internet noch geben.“

    „nach dem Internet“? Hallo ???

    Da sieht man wohin die Reise gehen soll!

    1. nach dem internet…….

      so langsam dürfte auch die schwarze pest erkannt haben, wie das internet am wirtschaftsgeschehen beteiligt ist. und zwar täglich steigend. ausser ansgar heveling oder wie der vollpfosten heisst jedenfalls…..

  2. Ryan Heath, Sprecher der EU-Kommision schießt den Vogel ab:
    „Nur weil es vertrauliche Treffen gab, heißt es doch nicht, dass die EU nicht versucht hat so offen wie möglich zu sein.“

  3. Was jedem sofort auffällt, der die Argumente der beiden Seiten hört ist,
    dass die Gegner gute Argumente haben und die Befürworter sich in leere Worthülsen kleiden.

    “Nur weil es vertrauliche Treffen gab, heißt es doch nicht, dass die EU nicht versucht hat so offen wie möglich zu sein.”

    Rofl, leerer gehts ja nicht mehr und die Mär von dem 500 Millionen Schaden, glaubt vielleicht noch Oma Schmitz mit 85 Jahren.

    1. ein großes problem sehe ich aber darin, dass mehr technisches verständnis dafür notwendig ist, die guten argumente der kritiker nach zu vollziehen, als in der bevölkerung vorhanden ist.

      wer das internet als raum versteht, der möglicherweise patroulliert werden muss, dem wird doch beim ersten halbsatz schon ganz schwummerig.

      .~.

  4. Diese sog. „anti-piracy“-Lobbyverbände (GVU e.V., BVMI e.V., Boersenverein e.V.) sind in meinen Augen sogar noch schlimmer als die sog. „Rechteinhaber“ (ich meine damit. die „Inhaber verwandter Schutzrechte“, also nicht die eigentlichen Urheber ).
    Zudem sind die absolut unnütz und auch noch völlig unwirtschaftlich – eine klägliche Fehlinvestition sozusagen. Wenn man allein bedenkt, daß all das Geld welches die sog. Rechteinhaber diesen „anti-piracy“-Organisationen international in den Arsch blasen besser genutzt könnte dann stellt sich die Frage (mir zumindest) welche weiteren Motive da wohl mit involviert sein könnten.
    An dem Punkt zeigt m.E. besonders das Bestreben dieser Lobby, die ISPs vor den Karren zu spannen wohin die Reise noch gehen könnte. Auch der Content-Branche ist sicherlich nicht entgangen, daß persönliche Daten der Nutzer eine äußerst lukrative „Ware“ im world wide web darstellen.
    Hat man also erst einmal die ISPs im Boot und die „lästige“ Kontrolle von der Backe, dann würde das Erstellen von Persönlichkeitsprofilen eine vollautomatisierte Angelegenheit werden und die Datenbanken würden so enormst (!) prall gefüllt werden.
    Welches monetäre Potential für die da dann zukünftig drinstecken würde, brauche ich hier wohl keinem vorzurechnen. Bei diesen Überlegungen habe ich bewusst das Thema „IPv6-Implementierung“ noch gar nicht mitberücksichtigt…

    Daß allerdings die von der Content-Lobby erträumte Einspannung der ISPs extremste Auswirkungen auf das Internet und unser aller (zukünftiges) Leben haben würde, die offensichtlich nicht erstrebenswert sind, geht bei den Diskussionen leider oft verloren.

    Mich persönlich kotzt es zum Beispiel an, daß bei Diskussionen die sich im weitesten Sinne mit dem Thema „Weichenstellung“ beschäftigen kaum einer in der Lage zu sein scheint auch ‚mal den Blick über den Tellerrand zu wagen. So ist es beispielsweise kein Geheoimnis, daß der Smartphone-Markt explodiert, daß LTE in naher Zukunft Standard sein wird und wir den nächsten Schritt beschreiten werden.
    Man braucht, denke ich, kein Prophet zu sein um das Ende des Festnetzanschlusses in privaten Haushalten vorherzusagen. Der Trend geht wohl zum sog. „mobile web“.

    Wollen wir wirklich daß auch dann die ISP ALLE Kommunikationsinhalte speichern und ggf. einer Branche anstandslos zur Verfügung stellen?

    Kurzum: Es geht schon lange nicht mehr um irgendwelche mp3s, Filmchen, Hörbucher und anderen kurzlebigen Scheiß!
    Sorry und bei allem Respekt vor den sog. „Kreativen“, aber wir haben m.E. einen Punkt erreicht bei dem es um wesentlich mehr geht.
    Von daher sollte meiner Meinung nach nur eine Richtung kompromisslos gelten: NEIN zur VDS, NEIN zu Netzsperren, NEIN zu ACTA, NEIN zu PIPA, NEIN zu SOPA, NEIN zu 3-strikes!
    Simple as that!

    -~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~

    Zur Erinnerung sei noch ‚mal auf folgendes hingewiesen. Und zwar ein memo des Lobbyverbandes IFPI aus dem Jahre 2006:
    Quelle via EFF: https://www.eff.org/files/filenode/effeurope/ifpi_filtering_memo.pdf
    Ich zitiere:

    Developing cooperation with ISPs to address illegal downloads is key to the future of the music business

    @Liebe Verwerter-Branche (also die Resteverwerter die für jeden Scheiß neue Lizenzen erfinden und den eigentlichen Urheber in den Hintern treten): Investiert die ganze Kohle, die ihr sinnlos diesen „anti-piracy“-Verbänden in den Rachen schmeißt doch lieber einmal in vernünftige Modelle. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, daß wenn ihr das von Anfang an getan hättet, wir jetzt nicht über Dinge wie ACTA diskutieren müssten… Schickt diese „anti-piracy“-Lobbyverbände endlich in die Wüste und investiert euer Geld lieber in sinnvollere Dinge – solange es für euch überhaupt noch möglich ist… Aber gewarnt seid ihr ja schon lange – jede Aktion dieser Art (ACTA & Co.) wird nur ein weiterer Sargnagel sein, den ihr euch selbst reinhämmert…
    @Liebe Urheber: Wir dürfen es m.M.n. nicht mehr weiter zulassen daß wir von diesen raffgieren Rollator-Schiebern, die es einfach nicht kapieren, gegeneinander ausgespielt werden.

    In diesem Sinne, Baxter
    ______________________________________
    P.S.: Dieser Beitrag ist lediglich meine persönliche sowie freie Meinung!

    1. mir fallen auf anhieb rund 8000 mitglieder des börsenvereins ein, die sie mal fragen könnten, ob sie ihn auch für absolut unnütz halten.

      ich teile ihre empörung über die urheberrechtspolitischen äußerungen der genannten gruppen, die ich zum teil selber verachte.

      „absolut unnütz“ aber ist ein etikett, das die mitglieder ihm sicher nicht durch die bank weg geben würden. sie finden da sicherlich eine menge differenzierte kritik. vielleicht auch die frage, ob die beiden lager handel und verlag nicht besser in zwei verbänden aufgehoben wären. kritik an der langsamen meinungsbildung zur sich schnell ändernden medienwelt. unverständnis gegenüber dem offensichtlich vermeidbaren finanziellen niedergang der buchhändlerischen abrechnungsgesellschaft, die besonders kleinen akteuren eine teilnahme am markt ermöglicht. oder daran, dass der einfluss von großverlagen und filialisten des handels geringer sein könnte. kritik an aspekten seiner ausbildungspolitik. oder unverständnis ob der gruseligen urheberrechtspolitischen verlautbarungen. und so weiter, und so fort.

      kritik am börsenverein ist bitter nötig. aber absolut unnütz – auf die idee kann meiner meinung nach nur jemand kommen, der vom börsenverein eben nur diese gruselgeschichten kennt. und die sind wirklich hinderlich – meinem eindruck nach auch seinen mitgliedern. besonders den kleineren.

      oder eben „absolut unnütz“. da wäre ich dann ganz ihrer meinung.

      .~.

  5. > 2012
    > Kreativindustrie klagt über verlorene Gewinne
    > Gewinne die nie eingenommen worden können sind verloren gegangen

    Ich hoffe ernsthaft ihr Jungs glaubt solchen Blödsinn nicht.

    1. Kreativindustrie klagt über verlorene Gewinne
      Ich hoffe ernsthaft ihr Jungs glaubt solchen Blödsinn nicht.

      Natürlich nicht! In dem Punkt sind die allerdings nicht die einzigen, die mit den Begriffen „Gewinn“ und „Verlust“ so ihre Spielchen spielen. Diese Art der Mathematik scheint wohl leider „gängige Praxis“ in der Wirtschaft im Allgemeinen zu sein. Nämlich, daß „Nicht-Gewinne“ nach außen als „Verluste“ deklariert werden. Da wird dann irgendein Ziel ausgegeben , sagen wir mal – nur als fiktives Zahlenbeispiel – 300 Millionen EURO Gewinn (vermutlich von vorneherein schon zu hoch gegriffen und für die Aktionäre „schön gerechnet“). Jetzt ist das Ergebnis letzten Endes allerdings „nur“ tatsächlich 200 Millionen EURO Gewinn. Nach außen erscheint das dann als 100 Millionen EURO Verlust, da dieser „Nicht-Gewinn“ automatisch als „Verlust“ gewertet wird. Schließlich werden die ausgegebenen Dividenden-Erwartungen ja nicht erfüllt… In der Praxis geht das dann oftmals einher mit beispielsweise Arbeitsplatzverlusten.
      Pervers? In meinen Augen ja, allerdings bin ich kein Kaufmann sondern Ingenieur und habe anscheinend eine andere Mathematik gelernt. Ich lasse mich also gerne eines Besseren belehren.
      Allerdings heißt das für mich persönlich, daß die kaufmännischen Kollegen unter „Management“ scheinbar nicht eine Entwicklung verstehen, sondern wohl eher eine Abwicklung. Ihre Tantiemen streichen die dabei trotzdem ein…
      Naja, wie dem auch sei.
      Im Bezug auf die Content-Branche kommen sicherlich noch weitere bzw. andere Faktoren hinzu, die nicht rational nachvollziehbar sind, da noch nicht einmal die Berechnungen als solches in diesem Industriezweig wirklich nachvollziehbar sind. Für mich zumindest nicht, wohl gemerkt…

      In diesem Sinne Gruß aus Kölle, Baxter
      ___________________________________________
      Zwischendurch noch schnell in die Runde ein „Kölle Alaaf“ !

    2. der großteil der zahlen, die die verwertungsindustrie beklagt, geht von der annahme aus, dass die unrechtmäßigen downloads in einer welt ohne kostenlos verfügbare downloads alle gekauft worden wären.

      das ist so eine art blödsinn, die ich nun wirklich nicht glaube.

      .~.

  6. Ganz aktuell:
    (von http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,815641,00.html#ref=rss)

    “ Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: (…) Anbieter sozialer Netzwerke können nicht zu Vorkontrollen im Netz gezwungen werden.
    (…) Dies würde jedoch gegen das Verbot einer allgemeinen Überwachungspflicht verstoßen, begründete der EuGH. Überdies würde die unternehmerische Freiheit Netlogs durch das teure und komplizierte Informatiksystem beeinträchtigt, weil die Firma die Kosten selbst tragen müsse.“

  7. Ich finds ja geil das die Fantasiezahlen der verlorenen Umsätze ziemlich kritiklos genannt werden, aber die Videos von Anonymous sind Populismus und Fehlinformation. (Was ja stimmt, aber das kann man auch über die Fantasiezahlen sagen.)

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