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Günter Krings: Wir sind alle Sozialromantiker

Als Begleitmusik für die Gründung des Vereins Engage durch seinen Wissenschaftlichen Mitarbeiter Christian-Henner Hentsch hat der CDU Bundestagsabgeordnete Günter Krings für Cicero.de einen Meinungsbeitrag verfassen lassen (den vermutlich auch Hentsch für ihn geschrieben hat. Zumindest ist so etwas Aufgabe eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters). Das ist mal wieder der übliche propagandistischer Kampfgesang samt bewusst falscher Informationsverbreitung.

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Unternehmen wie Google mit seinem „co:llaboratory workshop“, die Piratenpartei, wesentliche Stimmen bei den Grünen oder auch der Verein „Digitale Gesellschaft“ behaupten, im Internet sei die Idee des Geistigen Eigentums überholt. Weil Ideen und Inhalte leicht zu vervielfältigen seien, müssten sie als öffentliche Güter der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Ausschließlichkeitsrechte bzw. „geistige Monopolrechte“ seien in der digitalen Gesellschaft nicht praktikabel und daher nicht mehr zu begründen.

Das ist falsch. Ich kann jetzt nur für den Verein Digitale Gesellschaft sprechen, aber es ist mir neu, dass wir fordern, dass Ideen und Inhalte als „öffentliche Güter der Allgemeinheit zur Verfügung stehen“ müssen. Fakt ist, dass wir den Kampf-Begriff „Geistiges Eigentum“ ablehnen und stattdessen den Begriff Immaterialgüter verwenden. Soweit ich das nachvollziehen kann, sagen das Piraten und Grüne auch. Niemand will das Urheberrecht abschaffen, sehr wohl wollen es viele reformieren und an das digitale Zeitalter anpassen.

Ein Teil der „Internet Community“ träumt sozialromantisch davon, im Internet die Inhalte zu kollektivieren. Warum aber dann nur im Internet? So wie das Eigentum an Immobilien und beweglichen Sachen ein Fundament unserer Rechts- und Wirtschaftsordnung bleibt, so muss auch das Geistige Eigentum innerhalb und außerhalb des Internets gewahrt bleiben.

Herr Krings, ich muss Sie da enttäuschen, wir träumen nicht nur davon, wir machen das auch! In der Wikipedia, bei unzähligen Freie Software Projekten und überall da, wo man Ideen unter offenen oder freien Lizenzen teilen kann, um gemeinsam etwas Größeres aufzubauen. Das ist nicht nur sozialromantisch, damit kann man auch richtig gut Geld verdienen. Klar, für einen Juristen von der CDU mag das mit dem Teilen komisch klingen, ist aber so.

Krings spricht auch ein weiteres Ziel von engage an: Die Anonymität im Internet ist schuld!

Allerdings: Anders als im realen Leben können unsere bewährten Grundsätze aufgrund der Anonymität des Internets immer schwerer durchgesetzt werden. Und dies ist nicht nur in eigentumsrechtlicher Hinsicht ein Problem.

Millionen wegen Urheberrechtsverletzungen abgemahnter Menschen teilen sicher die Meinung, dass die Anonymität im Netz ein großes Problem sei!

Ansonsten zeigt schon ein Satz, was das Kernproblem ist:

Um über die Folgen der Missachtung des Geistigen Eigentums aufzuklären und das Bewusstsein für die geistige Leistung und die hohe Professionalität und Qualität des Angebots auf dem realen wie auf dem virtuellen Markt zu stärken, müssen Politik, Verwerter und Urheber zusammenarbeiten.

Fällt Euch auf, wer fehlt? An die Nutzer aka Verbraucher denkt mal wieder keiner. Business as usual.

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9 Kommentare
  1. „Anders als im realen Leben können unsere bewährten Grundsätze aufgrund der Anonymität des Internets immer schwerer durchgesetzt werden.“
    Mal Hand auf’s Herz: Wer verlangt nicht beim Einkauf, sei es beim Baecker, beim Schlachter oder sowieso auf dem Flohmarkt, nicht den Personalausweis des Verkaeufers zwecks Ueberpruefung von dessen Identitaet zu sehen.
    Also ich mache das immer, anscheind genauso wie Herr Krings … *hust*

  2. Es ist schlechter Stil anderen Positionen zu unterstellen, die sie nicht teilen. In der Poltik ist diese Oberflächlichkeit aber üblich.

    Wer sich selbst mit solchen windigen Argumentationen über den Eigentumsbegriff zum Horst macht, zeigt wie wenig man seine Position würdigen kann. Als Jurist sollte Krings es besser wissen können. Warum darf die CDU keine seriöse, konservative Linie fahren?

    Die Frage ist nur, ist es richtig, wenn Du Dich von solchen Sachen angefasst fühlst? Über die Sozialromantikthese kann man ja durchaus diskutieren, wenn auch nicht auf diesem platten Niveau. Natürlich bleibt die Frage wie man Kulturproduktion fördern kann mit einem sachgerechten Ordnungsrahmen. Das Achselzucken hilft da wenig.

  3. Jetzt stelle man sich mal vor, wie es wäre, wenn es damals schon das heute geltende Urheberrecht gegeben hätte. Also damals, vor 2000 Jahren. Keine freie Erzählung der Geschichten, die heute die Bibel ergeben. Kein Christentum. Keine CDU. Man möchte diese Utopie ja beinahe herbeisehnen…

  4. Er spricht von Anonymität im Internet. Die gibt es auch außerhalb des Internets. Bei Vorträgen gibt es am Ende meist Fragerunden mit dem Publikum, wo auch nicht jeder seinen Namen nennt sondern anonym bleibt.
    Anonymität gibt es außerhalb des Internets auch, aber im Internet scheint es böse zu sein.

    @JJPreston
    Wenn es das Christentum nicht gäbe, würde es eine andere Religionsrichtung geben. Oder glaubst du wirklich, dass kein anderer Glaube entstehen würde?

  5. Irdgendwie hat das für mich das Geschmäkle von Verzweiflung – die letzten Zuckungen einer sich aussterbenden Branche.

    Wobei weder das Urheberrecht, das Internet oder die dortige Anonymität an all der Misere (Hindenburg/Guttenberg/Titanic/Mt. Krakatau,/etc.) Schuld ist, sonder – tata – der Computer!

    Also – weg mit all dem Teufelszeug und brennt euch wieder Tontafeln (so lange hält keine HD oder CD/DVD). Dazu noch Gottes- und Majestätsbeleidigung als Landesverrat bestrafen und die Todesstrafe für Selbstmordattentäter einführen.

    Dann ist auch CxU & Co. zufrieden und fühlt sich wieder heimisch in der Welt vor vorgestern …

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