Noch Mitglied bei ver.di? Für Mitglieder gibt es eine weitere Möglichkeit, sich bei der Gewerkschaft über eine schlechte Netzpolitik zu beschweren. Der ver.di-Mitgliederzeitung liegt immer ein kleines Zusatzblättchen namens „Komm“ bei, zumindest wenn man im Telekommunikationsbereich arbeitet. In der aktuellen Ausgabe gibt es einen Schwerpunkt zu Netzneutralität (PDF). Und der liest sich wie eine Werbebroschüre der Deutschen Telekom – Lobbyisten. Praktisch, dass diese auch ausführlich zu Wort kommen und sonst nur über Blogs und Internet gelästert wird. Schon alleine die Einleitung verwirrt (Wenn man sich das Design wegdenkt), ob man es hier mit der Deutschen Telekom – Lobby oder mit einer Gewerkschaft zu tun hat:
Am Pranger stehen die TK-Netzbetreiber, die – so ein immer wieder zu vernehmen- der Vorwurf in den Blogs und Foren der „Community“ – das offene, egalitaäre und innovative Internet zerstoören wollten.
Fast unglaublich ist auch eine Fiktion, die im Jahre 2015 spielen soll und die ein Horrorszenario beschreibt, dass kein Breitbandausbau mehr stattfinden kann, weil eine böse Netzneutralitäts-Lobby die armen Telkos an ihren Netzwerkmanagement-Phantasien gehindert habe. Ganz üble Propaganda. (Aber fast schon wieder witzig, wenn eine Gewerkschaft Horrorbilder von staatlicher Kontrolle von Infrastrukturen an die Wand malt. Aber so selbstironisch ist man bei ver.di sicher nicht)
Zwanzig Jahre nachdem auf Grundlage der Zweiten Postreform die Privatisierung der „grauen Post“ zur Deutschen Telekom AG umgesetzt wurde, reiben sich die Menschen beim Rückblick über die rasante Geschichte des TK-Marktes in Deutschland verwundert die Augen. Im Jahr 2015 ist das gesamte Festnetz der Bundesrepublik wieder unter staatlicher Kontrolle.
Früher hatte ich ein anderes Bild von Gewerkschaften, die das Gemeinwohl im Blick hatten und nicht einseitige Konzerninteressen. Zeit für die verdi-Basis, sich mal für bessere Positionen in der Netzneutralitätsdebatte einzusetzen.
Bei der Telekom abschreiben kann jeder, konsequent für digitale Bürgerrechte eintreten fällt verdi leider schwer.
(Danke an Dirk)