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Hintergründe zur IFPI-Lobbyistin in der EU-Kommission

Vor einer Woche hatten wir exklusiv berichtet, dass die ehemalige Musikindustrie-Lobbyistin Maria Martin-Prat neue Referatsleiter der Urheberrechtsabteilung in der Generaldirektion Binnenmarkt in der EU-Kommission wird. Die Nachricht hat es dann in einigen Tagen über den Umweg über US-Medien auch wiederum zu Heise & Co nach Deutschland geschafft. (Was etwas lustig war, weil US-Medien uns als Quelle nannten und deutsche Medien dann wieder die US-Medien als Quelle heranzogen.).


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Erich Moechel hat für FM4 der Geschichte weiter hinterher recherchiert und erstaunliches herausgefunden: Sie war vor ihrer Tätigkeit als Lobbyistin der Musikindustrie schon EU-Beamtin, ließ sich dann beurlauben, um Lobbyistin zu werden und kam dann wieder zurück in die EU-Kommission, um die Interessen ihres vorherigen Arbeitgebers effektiver vertreten zu können.

Die designierte oberste Urheberrechtsjuristin der EU-Kommission, Maria Martin-Prat, war davor nicht nur fünf Jahre lang oberste Urheberrechtsjuristin der Musiklobby IFPI. Während ihrer gesamten Lobbyistenzeit war sie auch karenzierte EU-Beamtin.[…]

Wie aus dem Büro von Binnenmarktkommissar Michel Barnier auf Anfrage von ORF.at am Donnerstagabend bestätigt wurde, war Frau Martin-Prat während ihrer gesamte IFPI-Zeit von der Kommission lediglich karenziert, wenngleich ohne Bezüge. Ab August 2004 war Martin-Prat, in deren Lobbyistenzeit noch die weltweite IFPI-Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ fällt, dann wieder in bezahlten Positionen für die EU-Kommission aktiv. Zuerst wirkte sie im Finanzbereich, danach wieder im Bereich Binnenmarkt.

Interessant ist, dass Martin-Prat dabei fast keine Spuren im Netz hinterlassen hat und ihren Lebenslauf gut frisieren konnte.

Der neue Posten Martin-Prats ist im Direktorat D der Kommission („Wissenbasierte Ökonomie“) angesiedelt, die Unit D3 hat die Bezeichnung „Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte“. Da kann man doch ganz toll „Raubkopierer sind Verbrecher“ Realität werden lassen!

Wie unabhängig ist eigentlich eine solche Person, die jetzt für Urheberrecht in der EU-Kommission zuständig sein soll?

13 Kommentare
  1. Wollen wir nicht mal fordern, dass sowas (gesetzlich) verboten gehört?

    Wer mal in sich geht, wird feststellen, dass der normale Mensch wohl solche Interessenskollisionen wahr nimmt und sie wohl auch für ungut befindet.

    Offensichtlich stört das dort niemanden.

    1. Naja die Einnahmequellen für sich genommen sind doch iO. Nur die Kombination aus beidem ist es nicht.

      Und die stinkt in der Tat gewaltig.

  2. Also ich weis nicht wo das Problem sein soll ?

    Wer keine Raubkopien oder andere illegale Sachen im Internet begeht hat ja nun wirklich keinen Grund sich darüber aufzuregen wenn die EU kommision auf jemanden mit Erfahrung im Kampf gegen Internetkriminelle und Raubkopierer zurückgreift.

    Es ist meines erachtens überaus wichtig das die Politik vermehrt auf die vorhandenen Kompetenzen der Wirtschaft zurück greift. Das ist einfacher als wenn man das Rad zweimal erfinden muss vor allem wo erfahrene Persönlichkeiten aus der Wirtschaft bereits über mehr Erfahrung und Sachkompetenz in praktischen Fragen verfügen als die Abgeordneten. Nicht zuletzt kann durch die direkte Einbindung von Vertretern aus Industrie und Handel letztendlich auch eine bessere Wirtschaftspolitik realisiert werden welche zu mehr Wachstum und Wohlstand und Arbeit für alle führt.

    Die üblichen Verschwörungstheorethiker im Internet sehen das natürlich anders, aber das ist ja nur eine Minderheit. Die Mehrheit der Bevölkerung ist schließlich Kunde der Qualitätsmedien wie Bildzeitung und Spiegel und somit korrekt informiert. Wer hier immer noch intrigen und Korruption wittert sollte sich besser mal nicht auf solch üblen Seiten von Verschwörungstheorethikern und unruhestiftern rumtreiben, das wird nämlich gespeichert !

  3. Ihre Frage:
    Wie unabhängig ist eigentlich eine solche Person, die jetzt für Urheberrecht in der EU-Kommission zuständig sein soll?

    Meine Antwort:
    Gar nicht.

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