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FabFi: WLAN-Richtantennen aus Schrott

Ich bin ja trotz allem netzpolitischen Engagement ein Optimist mit Erfahrung und denke in meiner Freizeit darüber nach, wie wir das corporate-Internet-Zeitalter gestalten wollen – die dunkle Zeit, wenn Vorratsdatenspeicherung, Priorisierungen, Diensteklassen, Netzsperren, Anonymitäts- und Pseudonymverbot, zentralisierte Dienste und Monopolstrukturen das Internet zur TV-Cloud gemacht haben.


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In solchen Fragen kann man von den Ländern lernen, die noch nie ausreichende Netzversorgung hatten, oder denen sie wieder zerstört wurde. Afghanistan ist so ein Land. Und was machen die Leute dort? Sie bauen sich aus Schrott im Wert von 40€ Richtantennen mit bis zu 15dBi gain und bis 6km Reichweite

Daran werden WLAN-Router mit OpenWRT Firmwares gehängt, die auch noch [funktionierendes] Mesh-Networking können. Schon hat man ein schönes, funktionierendes lokales Netzwerk – gerne auch mit Internet-Anbindung. FabFi heißt das Projekt und ist komplett OpenSource: Sowohl die Router-Konfigurationen als auch die Bauanleitungen für die Antennen sind frei verfügbar. Fünfundvierzig Nodes gibt es in und um Jalalabad. Hier kann man ihnen bei der Arbeit zugucken.

Solche Nodes gibt es in Deutschland natürlich auch, sogar laut Website mehrere tausend: Freifunk heißt das Projekt. Sicherlich gibt es auch in eurer Stadt einen regelmäßigen Treff, wo ihr euch mal zusammensetzen, und eine schöne Richtantenne aus Sperrmüll bauen könnt.

Ich glaube ja, dass sowas in spätestens 20 Jahren Pfadfinder-Basiswissen sein wird. Oder verboten.

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16 Kommentare
      1. Dann doch lieber http://de.wikipedia.org/wiki/Vermaschtes_Netz

        Menschen, die überflüssige Anglizismen benutzen, haben normalerweise nichts zu sagen oder etwas zu verbergen, und sei es ihre eigene Ahnungslosigkeit.

        Deutsche Dax-Konzerne z.B. benutzen Anglizismen in ihren Geschäftsberichten und gehen das Risiko ein, sich damit strafbar zu machen.

        http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768395,00.html

        Die Autoren von Netzpolitik.org sabotieren sich selbst, wenn sie mit Anglizismen um sich werfen. Wer sollte derlei gebrabbel noch ernstnehmen?

      2. Danke für den Hinweis.
        Ich werde zur Steigerung meiner fremdwahrgenommenen Kompetenz nun nur noch wie die NPD vpn Weltnetz und ePost schreiben, bevor ich mich hier mit mienen Geschäftsberichten strafbar mache oder Netzpolitik.org sabotiere.

        Das war wirklich mein Lieblingskommentar des Monats Juni.

      3. Tue das. Mal schauen, wie lange du das durchhälst. :) Die Frage ist, dienen deine Beiträge der Selbstdarstellung oder willst du von möglichst vielen Leuten verstanden werden?

        Die Dax-Konzerne sind nur ein aktuelles Extrembeispiel. ;-) Verliert eine Forderung für dich automatisch an Berechtigung, nur weil die NPD sie unterstützt? Dann hast du offensichtlich keine Ahnung, wie die Franzosen mit Anglizismen umgehen.

        Ist die Forderung nach einem generellen Mindestlohn abzulehnen, weil die LINKE sie vertritt?

  1. Ich bin da zwar kein „Experte“, aber bei dem gain sind die Dinger in Deutschland eventuell auch (ohne entsprechende Genehmigung) verboten. Es könnte sein, dass die Sendeleistung schon in dem Bereich ist.
    Trotzdem ist das interressant; auf die Idee, den gain statt mit einer besseren Antenne einfach mit einem Hohlspiegel zu erhöhen, war ich bisher noch nicht gekommen. Die einfachsten Lösungen sind halt doch oft die Besten.

    1. Für mich ist diese Idee nicht neu, etwas Vergleichbares habe ich schon vor längerer Zeit mal gesehen:
      http://www.freeantennas.com/projects/template/
      http://www.usbwifi.orconhosting.net.nz/
      http://www.engadget.com/2005/11/15/how-to-build-a-wifi-biquad-dish-antenna/

      Aber ich muss zugeben, etwas in dieser Dimension als kompletter Eigenbau mit Router im Brennpunkt sieht doch einiges spektakulärer aus. :-)
      Und das ist vermutlich das erste Mal, dass ich a) eine Webseite mit afghanischer Toplevel Domain abrufe und b) von derart begabten Hackern (Fablab, Lasercutter, Mesh-Netzwerk, …) aus Afghanistan lese. :-)

    2. Ich bin mir sehr sicher das ohne entsprechende Amateurfunk Lizenz, der Betrieb von Richtantennen zu sende Zwecken, nach wie vor nicht gestattet.
      Der betrieb von Sendeanlagen ist in Deutschland streng reglementiert.

  2. Wir leben ja nun nicht in Afghanistan, sondern haben so praktische Geschäfte und den Versandhandel, wo man im Amateurfunkbedarf für 40 € hervorragende industriell gefertigte Rundstrahler oder Stupps (kurze Gummi-Wendelantennen) für das 23-, 70 cm- oder 2 m-Band kaufen kann. Für eine kurze Reichweite sind die absolut ausreichend.

    In jeder größeren Stadt gibt es einen Ortsverein des DARC, wo man fragen kann, ob man mal in den Rothammel gucken darf oder ob jemand bei der Antennenabstimmung hilft (einfach so bauen hilft nämlich nicht viel, wenn man sie nicht im entsprechenden Frequenzbereich abgestimmt kriegt). Ich mag Vereine nicht besonders, aber die dort zusammengeschlossenen Funkamateure sind sehr hilfsbereit und helfen gern mit Rat und Tat.

  3. Verboten. Vor allem der Besitz bestimmter Hard- und Software muss verboten werden, anders lässt sich der oben erwähnte Wahnsinn gar nicht umsetzen. Aber keine Angst, einfach mal noch ein paar Innenmisterkonferenzen abwarten …

    PS: Für Antennen gibt es nette Software.

    1. Deshalb müssen wir jetzt Tatsachen schaffen. Wenn das System erstmal flächendeckend steht, kann man es praktisch nicht mehr abschalten.

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