FabFi: WLAN-Richtantennen aus Schrott

Ich bin ja trotz allem netzpolitischen Engagement ein Optimist mit Erfahrung und denke in meiner Freizeit darüber nach, wie wir das corporate-Internet-Zeitalter gestalten wollen – die dunkle Zeit, wenn Vorratsdatenspeicherung, Priorisierungen, Diensteklassen, Netzsperren, Anonymitäts- und Pseudonymverbot, zentralisierte Dienste und Monopolstrukturen das Internet zur TV-Cloud gemacht haben.

In solchen Fragen kann man von den Ländern lernen, die noch nie ausreichende Netzversorgung hatten, oder denen sie wieder zerstört wurde. Afghanistan ist so ein Land. Und was machen die Leute dort? Sie bauen sich aus Schrott im Wert von 40€ Richtantennen mit bis zu 15dBi gain und bis 6km Reichweite

Daran werden WLAN-Router mit OpenWRT Firmwares gehängt, die auch noch [funktionierendes] Mesh-Networking können. Schon hat man ein schönes, funktionierendes lokales Netzwerk – gerne auch mit Internet-Anbindung. FabFi heißt das Projekt und ist komplett OpenSource: Sowohl die Router-Konfigurationen als auch die Bauanleitungen für die Antennen sind frei verfügbar. Fünfundvierzig Nodes gibt es in und um Jalalabad. Hier kann man ihnen bei der Arbeit zugucken.

Solche Nodes gibt es in Deutschland natürlich auch, sogar laut Website mehrere tausend: Freifunk heißt das Projekt. Sicherlich gibt es auch in eurer Stadt einen regelmäßigen Treff, wo ihr euch mal zusammensetzen, und eine schöne Richtantenne aus Sperrmüll bauen könnt.

Ich glaube ja, dass sowas in spätestens 20 Jahren Pfadfinder-Basiswissen sein wird. Oder verboten.

16 Kommentare
    • Nine of Thirteen 27. Jun 2011 @ 13:40
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