Kultur

Britische Ideen aus dem Camping-Stuhl kommentieren

Meine bisher entspannteste TV-Schaltung hatte ich Donnerstag Abend auf dem Chaos Communication Camp. Normalerweise wird man für sowas in ein dunkles Studio geschickt und schaut dann in eine Kamera mit Kreuz in der Mitte, was einen eher an ein Periskop oder an größere Waffen erinnert und man fühlt sich etwas unentspannt bei der etwas unnatürlichen Gesprächs-Situation. Das ARD-Nachtjournal fragte nach einem Kommentar zu den Ideen der britischen Regierung, möglicherweise den Zugang zu Diensten zu blockieren. Da gerade kein TV-Studio in der Nähe war, wurde das Interview mit Skype gemacht. Mit Camping-Tisch und -Stuhl, Notebook und was zu trinken suchten wir einen gemütlichen Platz mit Rakete im Bild und hofften dann, dass das WLAN auch hält. Es hat gehalten. Das Ergebnis kann man hier sehen:

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11 Kommentare
  1. …bleibt nur noch zu ergänzen, dass die gewagte Annahme von Herrn Cameron und vielen Medien, dass diese Dienste eine entscheidende Rolle gespielt haben dabei, dass diese riots so ablaufen konnten, unterstellt, dass eben ohne solche Dienste, es auch nicht zu solchen Krawallen gekommen wäre. Die Menschen sind also gar nicht unzufrieden und wahrscheinlich auch gar nicht gewalttätig und kriminell, sondern sie müssen quasi plündern, weil es halt so leicht ist mit Twitter und Blackberry…

  2. schön gesprochen!
    Vor allem der wiederholte Vergleich mit Iran/Syrien/China damit’s am Schluß auch jeder noch so Dumme begreift, oder die Drohung: wehe Ihr sperrt, dann solidarisieren wir uns!
    Also ich fand’s ein bischen platt, aber man muß seine Reden ja dem Publikum anpassen.
    Und das mit dem Twitter-Sperren fällt für mich in die selbe Kategorie wie die Killerspieldiskussion. Ob jetzt Amokläufer oder Plünderer, sie haben alle Brot gegessen und Wasser getrunken. Also verbietet Brot und Wasser!

  3. Wie Markus es mit der stoischen Ruhe eines Meisters schafft immer und immer wieder jedem dahergelaufenen Medienvertreter zu erklären was an dem Kram der hier und dort passiert falsch ist und warum.

    Müsste ich diese respektable Arbeit machen würde ich spätestens beim fünften Antworten auf die gleiche Frage die Medienvertreter mit Anlauf durch die nächste Wand prügeln. (selbes für Politiker)….das wäre weniger konstruktiv, als die Art von Markus, aber es würde mir sicherlich eine gewisse Befriedigung verschaffen.

    Aber sind wir doch mal ehrlich: Wenn ich mir das anschaue, was in GB schon alles durchgesetzt worden ist zum Thema Zensur und Netzsperren….da koennen wir froh sein, dass es bei uns (noch) nicht so weit gekommen ist.

    Einfach mal ein großes Danke ;)

    GreeTz

  4. @markus Auch wenn es aus dem Campingstuhl war: Ich denke, dass es ganz gut wäre, wenn Du Dir das nächste Mal ein Sakko überwerfen würdest. Das wirkt einfach seriöser und man wird automatisch ernster genommen. Man mag von solchen Oberflächlichkeiten halten, was man will, aber die meisten Menschen nehmen einen – mit Verlaub -„Nerd im drei Tage alten T-Shirt auf einem Campingplatz “ nicht unbedingt ernst.

  5. @markus Auch wenn es aus dem Campingstuhl war: Ich denke, dass es ganz gut wäre, wenn Du Dir das nächste Mal ein Sakko überwerfen würdest. Das wirkt einfach seriöser und man wird automatisch ernster genommen. Man mag von solchen Oberflächlichkeiten halten, was man will, aber die meisten Menschen nehmen einen – mit Verlaub -„Nerd im drei Tage alten T-Shirt auf einem Campingplatz “ nicht unbedingt ernst.
    Ansonsten war alles sehr, sehr schön.

      1. Uhu, iih der hat kein Sakko an, der redet nur Müll… vielleicht sollte man nach und nach auch dem letzten noch einprügeln, dass die Bekleidung nichts,aber auch gar nichts über die Glaubwürdigkeit einer Person aussagt. Ich wage momentan gar das Gegenteil anzunehmen, dass ein Anzug die Wahrscheinlichkeit für Schaumschlägerei erhöht (statistisch) – und gerade wenn es um Computerfragen geht hat das Bild vom Nerd doch eindeutige Kenntnisklischees in Bezug auf Netzthemen anheften, zumal das hier ja auch schön unter Beweis stellt, dass Markus ein Themenexperte ist, wo er sich doch gerade auf dem Camp dieses Internetverschwörernerdclubs rumtreibt.
        Kurzum, ich find’s gut so, viel authentischer als im neutralen Studio mit Sakko :)
        (Und bevor mir einer kommt mit „die Masse erreichen“, klar kann man, will Markus auch nicht seine Garderobe vorschreiben, aber vielleicht kann man der Masse dann und wann auch zeigen, dass nicht das Sakko den Experten ausmacht.)
        Inhaltlich hätte man bei der ersten Frage imho natürlich noch erwähnen können, ob und mit welchem Aufwand die britischen Sperren zu umgehen sind… dann ließe sich bei der Solidaritätsbekundung am Ende auch auf die Unterstützung in Ägypten hinweisen, wo ja nach und nach ein alternativer Netzzugang bzw. lokales Netz für den Widerstand geschaffen wurde soweit ich das mitbekommen hatte.

  6. Das schlimmste an der Sache ist, dass es in UK derzeit kaum kritische Stimmen in den Massenmedien gibt. Im Gegenteil: Noch die absurdesten Forderungen werden aufgegriffen, Hauptsache repressiv und undurchdacht.

    Sehr empfehlen kann ich einen Artikel unter http://fernseherkaputt.blogspot.com/2011/08/uber-die-falsche-gewaltdebatte.html der sich kritisch mit dem TV-Einheitsbrei in punkto UK Riots beschäftigt. Darüber hinaus findet sich unter http://london.indymedia.org/articles/9952 eine regelmäßig aktualisierte Zusammenfassung der Ereignisse mit vielen kritischen Analysen, Kommentaren, etc.

  7. Mal ganz vom Inhalt angesehen .. als zu Beginn das Fahrrad von rechts ins Bild gefahren kommt konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. haha.

    Großartig :)

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