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verdi warnt: netzpolitik.org berichtet irreführend

Vor einer Woche hatten wir darüber berichtet, dass verdi ein Positionspapier zum Urheberrecht beschlossen hat, was („irgendwie“) vergleichbar mit der Stoppschilder-Idee ist, die im vergangenen Jahr in der Diskussion war. Einige Leser haben sich als verdi-Mitglied an ihre Organisation gewandt und wollten mehr zur Intention erfahren. Uns liegen Mails vor, wo verdi der Meinung ist, wir würden hier „bewusst oder unbewusst irreführend“ berichten.

Uns fehlen noch 62.000 Euro!
netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Wenn man sich die Position dazu im Papier nochmal genauer durchliest, stellt man fest, dass an dem Vorwurf was wahres dran ist:

Ziel ist technische Instrumente zu finden, die es ermöglichen, dass beim Aufruf einer Seite mit illegalen Angeboten ohne Registrierung der Nutzer/innen-IP auf dem Monitor eine – von dazu legitimierten Institutionen vorgeschalteter – Information über die Rechtswidrigkeit des Angebots und dessen Nutzung erscheint.”

Konkret steht da nicht, dass man Stoppschilder verwenden möchte. Statt Stoppschilder kann man z.B. auch große Ausrufezeichen verwenden!

Im übrigen sind alle anderen Sorgen natürlich übertrieben:

„Wenn nun in diversen Beiträgen die Sorge heraufbeschworen wird, mit der Einführung einer technischen Möglichkeit der Seitenkennzeichnung wachse die Gefahr, dass damit die Grundlage einer Kontrollinfrastruktur geschaffen werden könne, dann haben die Autor/innen solcher Beiträge unser Positionspapier – wie gesagt: bewusst oder unbewusst – nicht hinreichend durchdrungen oder verkürzt zitiert.“

Wahrscheinlich verfügen iRights.info und wir über nicht soviel Technikkompetenz wie verdi, um das Vorhaben ausreichend zu verstehen, dass die gewünschten Maßnahmen selbstverständlich ohne Nebenwirkungen für unsere Grundrechte und eine offene Infrastruktur des Netz funktionieren werden.

32 Kommentare
  1. hmm man kann den ausschnitt auch so verstehen, das sie zwar nicht verhindern wollen, dass eine seite aufgerufen und angezeigt wird. Es wird wie bei einer SSL-Fehlermeldung / bösartige-Software-Warnung etwa, wie auch immer, etwas angezeigt was sagt: „diese seite ist illegal“

  2. @Peter, @raidor:

    Und wie soll das gehen, ohne das Internet komplett und permament zu durchforsten, um herauszufinden, welches Angebot in welchem Land unter welchen Umständen gerade illegal ist?

    Für pädagogische Hinweise ist eine Überwachungsinfrastruktur notwendig – darauf haben netpolitik.org und iRights.info m.E. ganz zu Recht aufmerksam gemacht. Und wenn eine solche Infrastruktur erst einmal besteht, fallen der einen oder anderen Behörde oder Interessensgruppe gerne mal weitere Einsatzmöglichkeiten ein – siehe Vorratsdatenspeicherung, Maut-Anlagen usw.

    1. Netzpolitik schreibt:

      Höhepunkt ist auf jeden Fall auf der letzten Seite eine Idee, die im vergangenen Jahr als “Stoppschild” Furore machte: […]

      Und das ist so ja nun nicht korrekt.

  3. Dazu fällt mir eigentlich nur Dieter Nuhr ein: Wenn man keine Ahnung hat, einfach Fresse halten. Verdi, ihr solltet euch nicht mit Themen befassen, von denen ihr so absolut keine Ahnung habt. Aber.. dannn bleibt ja eigentlich kein Thema mehr.

  4. Kann mich mal jemand aufklären:

    Was hat verdi mit eigentlich mit dem Urherberrecht zu tun?

    Sind die nicht eigentlich eine Gewerkschaft, die ihre Mitglieder vor Hungerlöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen schützen soll?

  5. @Andrea

    Es gibt genau eine möglichkeit wie man das ganze vernünftig umsetzen kann, ohne überwachung der einzelnen benutzer:

    Genau so wie die Maleware-Site-Listen funktionieren (sollten); jeder läd sich n-mal pro Tag die gesamte Liste und der Browser zeigt dann jeweils an ob die seite legal ist oder nicht.

    —-

    Nicht das ich das ganze für eine nur im entferntesten sinnvolle Idee halte

  6. Irgendwie kommt hier Verdi nicht nur Als Lobbyist und inkompetent rüber sondern schon ein kleinwenig arrogant. Kann nur hoffen das sie mit diesem Vorgehen jede Menge Widerspruch ernten werden.

    Diese gewerkschaft vertritt in keinster Weise die Interessen der Informationsarbeiter und Programmierer. Genauso wenig wie dies die SPD/Linke tun (deswegen musste sich ja erst die Piratenpartei als Alternative gründen).

  7. Ich bin als Journalist ver.di-Mitglied seit den Zeiten der dju. Das Positionspapier ist voller verquerer Argumente und bezeichnet Leute wie mich als solo-Selbstständige. Bald bin ich Solo-Gewerkschafter, wenn dieses Papier offizielle Politik wird. Dabei bin ich für ein starkes Urheberrecht. Ich habe etliche aktuelle Fälle auf Lager, in denen ich als freier Journalist mein Urheberrecht verletzt sehe und Leute von ver.di einfach nur abwinken. Nur ein Beispiel: gerade ist ein Film angelaufen, in dem am Schluss ein Text von mir von einem Computer vorgelesen wird. Das wird abgefilmt.Die Credits in dem Film gehen an die Firma, die die Text-to-Speech Software hergestellt hat. Weder der Verlag, der meinen Text gekauft hat (Heise) noch ich als Autor werden genannt. Das habe ich einem ver.di-Menschen erzählt und der sieht in so einem Fall absolut kein Problem. Aber lang und breit von Tauschbörsen faseln, das können sie gut. –Detlef

  8. @Peter

    Gerade nochmal im Positions“papier“ nachgelesen, ob das Zitat des Artikels auch existiert:

    Ziel ist technische Instrumente zu finden, die es ermöglichen, dass beim Aufruf einer Seite mit illegalen Angeboten ohne Registrierung der Nutzer/innen-IP auf dem Monitor eine – von dazu legitimierten Institutionen vorgeschalteter – Information über die Rechtswidrigkeit des Angebots und dessen Nutzung erscheint.

    Ergebnis: Ja, vorhanden, korrekt zitiert.
    Aussage des Zitates ist ein Recycling von Zensursulas Idee mit dem Stoppschild.

    Insofern hat Netzpolitik den Sachverhalt korrekt zusammengefasst. Worüber regen sich Verdi/Du auf?

  9. Die offensichtliche Parallele zum Stoppschild ist, dass auch hier die Zugangsprovider ran müssten, als auf welcher Basis auch immer „legitimierte Institution“.

  10. Ich hab das bisher mehr so nebenher mitgelesen mit verdi – und frage mich jetzt gerade: Was hat denn bitte verdi jetzt damit zu tun?! Ihr sollt eure Mitglieder gegenüber Unternehmen vertreten und keinen Unsinn verzapfen, von dem ihr nichts versteht!

  11. Beim durchlesen hier habe ich mich allerdings auch gefragt was den bitte Verdi damit zu tun hat. Meiner Meinung nach haben die doch garkein Einfluß auf sowas. Verdi kene ich nur als Gewerkschaft.

  12. @Peter (#19)

    „Ursula will sperren, verdi will hinweisen.“

    Für beides braucht man eine Kontroll-Infrastruktur, welche sperrt bzw. hinweist.

    Ob ich mit so einer Infrastruktur nun eine Hinweis- oder eine Stoppschild-Information einblende oder gleich die zu liefernden Daten der angefragten Quelle manipuliere, das ist dann nur ein geringer Unterschied.

  13. Also wollen wir Verdi vielleicht mal fragen, wo der grundlegende technische Unterschied zwischen ihrem Hinweis und dem Stoppschild sein soll?

    Würde mich ja doch interessieren darauf eine Antwort zu bekommen.

    Wenn es einen solchen nicht gibt, dann ist die Differenzierung zwischen den Maßnahmen nämlich ziemlich sinnlos, weil die negativen Effekte identisch sind – und das ist ja schließlich das Problem.

  14. @21,Mithos

    Exakt, genau so ist es!

    Es geht hier nicht um optionale Browser-Plugins, die den unangetastet angelieferten Kontent nachuntersucht und dann eine Einstufung anzeigt, sonern um einen nicht umgehbaren Prozess.
    Das impliziert eine Untersuchunf und Manipulation der beim Nutzer eingehenden Daten.

    Und genau das ist der springende Punkt.

    Jetzt fehlt nur noch die „nichts zu verbergen“-Strategie in der verdi-Argumentation.

  15. Ein Glück, dass Verdi mich gewarnt hat. In letzter Minute! Das ist ja gerade noch mal gut gegangen. Was da hätte passieren können… Nicht auszudenken!!elf!
    Es wird wirklich immer gefährlicher, dieses Internet!

  16. Zitat von mir zur letzten News:
    „Man muss damit nicht noch Gerichte unnötig beschäftigen – es sei denn Ver.di wäre uneinsichtig. Was ich mir nicht vorstellen kann.“

    Da hab‘ ich wohl klassisch ins Klo gegriffen. Damn.

    An alle Ver.di’ler: sucht Euch doch ’ne linke Alternative, z.B. Attac – die können zwar nicht streiken, aber immerhin kann man seinen Unmut über die herrschenden Machtverhältnisse durch eine Mitgliedschaft belegen. Bei Ver.di scheint dass ja ziemlich halbherzig zu sein…

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