Netzpolitik

Politikcamp10: Netzneutralität

Auf dem Politcamp10 hab ich gestern einen Vortrag über „Netzneutralität“ gehalten. Diesen kann man sich noch im Stream anschauen:

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Heute gab es dort noch eine Podiumsdiskussion mit Politikern zum Thema Netzneutralität. Auf dem Podium sassen Matthias Groote (SPD/MdEP), Sebastian Blumenthal (FDP/MdB), Konstantin von Notz (Grüne/MdB) und Stefan Engeln von der 1und1 Internet AG. Das gibt es zwar schon als Stream im Netz, aber es wurde noch keine Sprungmarke eingebaut. Die Diskussion beginnt nach etwa 2h und 10 Minuten.

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16 Kommentare
  1. Lieber Markus,

    so toll dein Blog auch ist, an deiner Redefertigkeit erfreue ich mich persönlich nicht. Das Wort „Titten“ hat in einem Vortrag, der fachlich sein möchte, nichts verloren. Es mag das junge Publikum ansprechen, aber nagt an der Seriösität. Wäre schön wenn du daran feilen könntest. Danke.

    1. @Kritiker: Stimmt, das Wort fiel mir ein, als ich die Bild-Problematik beschrieb und mit nur der 4-Satz „Titten, Tiere, Tränen, Tote“ auf anhieb einfiel. Werde das mal beim nächsten Mal vermeiden.

      @Tim: Die Ähms waren wohl dem sehr wenigen Schlaf in der Nacht zuvor geschuldet.

  2. Die „Titten“ haben mich nicht gestört, aber die „Ähms“. War zwar nicht so schlimm wie bei Stoiber, ist mir aber aufgefallen, weil es Markus in Interviews sonst immer gelingt, sich sehr klar und rhetorisch gut ohne „Ähms“ auszudrücken. Als Lob für Interviews, beim Vortrag noch Optimierungspotential.
    Ach ja, danke, dass du ein so wichtiges Thema vertrittst.

  3. „…weil Titten drauf zu sehen sind…“ ich lach mich schlapp! :D

    Alles in allem ein interessanter Vortrag – gerade die Beispiele zur Verletzung der NN (Freenet z.B.) helfen in den alltäglichen Diskussionen, Argumente wie „Ist doch alles nicht so schlimm – wir sind hier ja schließlich nicht in China“ zu entkräften.

  4. Hallo Markus, sehr interessanter Vortrag und noch mal mein Respekt für deine jahrelanges netzpolitisches Engagement. Trotzdem muss ich meine Kritik einiger Fragesteller anschliessen, und möchte meine eigene Sichtweise der Netzneutralität einbringen.
    1. Der Computer, wie wir ihn noch bis Anfang der Nullerjahre kennen, ist nicht mehr ein grauer Kasten unter dem Schreibtisch, sondern ein dünnes Notebook oder ein ca. 100-150 g schweres Smartphone, und permanent online. Das Internet ist überall, und besteht nicht nur aus Text und Fotos, sondern zunehmend aus Mediendateien in Form von Videos, Musik, oder Livestreams.
    2. Das Internet ist nicht mehr nur ein Informations- und Kommunikationsmedium, sondern wird immer mehr zum führenden Unterhaltungsmedium, der das Fernsehen, das Radio, den Videorekorder und die Videothek ersetzt (durch Youtube, last.fm, Onlinemediatheken etc.)
    3. Die bisherigen Internetleitungen sind dafür meiner Meinung nach noch nicht gebaut, und deshalb müssen sich die Provider schon die berechtigte Frage stellen , ob sie nicht gewisse Daten priorisieren (Stichw.: Netzwerkmanagement). In anderen Netzen gibt es auch Priorisierung ohne dass wir uns aufregen, vielleicht, weil es da um Menschenleben geht (Strassenverkehr: Polizei, Feuerwehr, Notarzt haben im Notfall Vorfahrt ; Paketversand: Expresspakete)
    4. Jeder von uns möchte ruckelfreie Videotelefonie (Skype) und ruckelfreies Streamen.
    5. Wäre da nicht an eine Differenzierung in der Debatte nötig: Netzneutralität (alle Daten sind gleich)>Netzpriorisierung (bestimmte Daten werden vorgezogen z.B. Video, Telefonie, Streams, es werden aber alle Daten gesendet)> Netzblockade/Netzzensur (Daten werden zensiert/geblockt)
    6. Solange Provider offene und transparente Priosierungsregeln hätten, diese auch offen kommunizieren würden, ohne Netzblockade zu betreiben und Netzzensur zu betreiben (dein Bsp: Telus in Kanada), würde ich eine Netzpriorisierung meines Providers zugunsten des Surfkomforts befürworten. Ich glaube, das würden viele akzeptieren. Was meinst du?

  5. Lieber Markus, schön, dass deine Präsentation unter CC-Lizenz steht. Würdest du bitte die entsprechende Datei zur Verfügung stellen? Vielen Dank!

  6. @noergler ich wuerde keiner netzpriorisierung zustimmen. denn: wird eine benachteiligung von bestimmten diensten dadurch gerechter, dass sie klar dargestellt ist?
    eine priorisierung bestimmter datenpakete haette zur folge, dass immer mehr eigenschaften des netzes aus der kontrolle der benutzer verschwinden und in die kontrolle der viel wenigeren netzbetreiber gelangt.
    priorisierung durch den netzbetreiber wuerde vermutlich auch den anreiz zum ausbau des netzes der verringern. warum in den ausbau eines netzes investieren, wenn man die geschwindigkeit bestimmter „normaler“ dienste durch priorisierung erreicht?

    und: wie sollte gerechte netzpriorisierung ueberhaupt funktionieren? sagen wir, skype-datenpakete wuerden bevorzugt weitergeleitet. ein konkurrent zu skype verwendet ein anderes datenformat, hat also gegenueber skype einen gecschwindigkeitsnachteil, obwohl er auch internettelefonie anbietet?
    und wenn es einfach nur eine kennzeichnung der datenpakete als telefonie ist, die zur bevorzugung von paketen fuehrt: dann sind innerhalb kuerzester zeit alle pakete (auch nicht-telefonie) mit dieser kennzeichnung ausgestattet, und die geschwindigkeit fuer telefonie ist wieder dieselbe, aber es wurde eine unnoetige/unwirksame verkomplizierung eingefuehrt.

    also: der netzbetreiber hat meiner meinung nach in den angelegenheiten der netzteilnehmer nichts verloren.

  7. @ Ewiger Nörgler

    Worum es bei Netzneutralität geht, ist die Wahlfreiheit der Nutzer/Konsumenten im Hinblick auf verschiedene Anwendungen.

    Diese ist nur gewährleistet, wenn Dienstleister die miteinander im Wettbewerb stehen, nicht im “Pakettransport” diskrimiert werden.

    Lässt man zu, dass die relative Chancengleicheit zwischen neuen und etablierten Unternehmen durch die ISPs verzerrt werden kann, dämpft dies den Wettbewerb auf der Anwendungsebene.

    Da wir uns im Netz permanent in einer Niedrigkostensituation befinden, sind wir gegenüber komparativen Kostenvorteilen sensibler als in der analogen Welt, wie z.B. langen Ladezeiten auf einer Seite X, die auf Seite Y mit ähnlichen Angeboten wesentlich kürzer sind.

    Kann der Anbieter der Seite Y diese kürzeren Ladezeiten erkaufen, muss sein Dienst im Wettbewerb mit Seite X nicht ebenso nutzerfreundlich und innovativ sein. Er setzt sich bereits durch, wenn der Mehrheit der Nutzer kürzere Ladeseiten wichtiger sind, als andere Features.

    So wächst die Nutzerzahl auf Seite Y, während die Innovationen auf Seite X kaum noch jemanden auffallen, es sei denn der Anbieter investiert ebenfalls in schnelleren Datentransport. In diesem Fall kommt es bestenfalls zu einer Aufrüstungsschlacht, welche gegen die Dienste der ISPs nicht zu gewinnen ist (Bsp. Deutsche Telekom vs. Skype).

    Als Nutzer erhalten wir durch Netzneutralität mehr und bessere Wahlmöglichkeiten, weil der Markt nicht auch noch auf der Anwendungsebene von (in der Regel kaum innovativen) Providern bestimmt wird.

    Über den Wettbewerb profitieren davon langfristig selbst Nutzer, die nie Blogs lesen oder auf Vimeo sind, sondern sich ausschließlich auf T-Online oder ViaCom Seiten aufhalten.

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