Öffentlichkeit

Wie der Copywar die Demokratie gefährdet

Schöner Kommentar von Sandro Gaycken vom Chaos Computer Club bei Zeit.de: Der Kampf gegen illegale Downloads bedroht die Informationsgesellschaft.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Die Forderungen der Medienindustrie bedrohen die politischen Fundamente der Informationsdemokratien. Diese Bedrohung scheint unabwendbar. Die Kopplung von verbindlicher Strafverfolgung und konsequenter Überwachung ist nicht auflösbar. Das macht dringend eine gründliche Evaluation der Klagen der Branche nötig. Verhältnismäßigkeitsüberlegungen müssen angestellt werden. Die entscheidende Frage lautet: Sind die Verluste der Musik- und Filmindustrie so gravierend, dass sie vielschichtige und sensible Einschränkungen der Informationsfreiheit von immerhin knapp einer Milliarde Menschen in den ACTA-Staaten rechtfertigen? Die Antwort fällt eindeutig aus. Die freiheitsrechtlichen Kosten stehen in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen. Zum einen, weil dieser Nutzen die Abwendung von finanziellen Schäden einer Minderheit ist. Die Wahrung wichtiger Menschen- und Grundrechte sollte dagegen immer schwerer wiegen.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
8 Kommentare
  1. Die größten Banditen sind doch in der Musikindustrie.

    Die bescheissen Kunden und Künstler.

    Beispiel für Kunden: Kunde kauft Iron Maiden Album in einem Laden (z.B. Karstadt) und als er dieses Album gebraucht verkauft wird er verklagt, weil es angeblich eine ungerechtfertigte Kopie war/ist.

    Beispiel für Künstler: Erstmal die Musik verkaufen, ohne die Rechte zu haben. Bezahlt wird irgendwann, oder auch nicht.

    Also sollte man doch ganz als erstes mal anfangen die Musikindustrie zu verklagen, da der Schaden den selbige anrichtet erheblich höher ist als der Schaden den die bösen bösen privaten Filesharer anrichten, denn im Gegensatz zu den Menschen die sich privat Musik runterladen macht die Musikindustrie mit dem Betrugsgeschäfft Millionen/Milliarden Gewinne, ohne die Künstler zu bezahlen.

    Davon ab sollten sich die Politiker überlegen ob die Gelder die die Musikindustrie zahlt es wirklich wert sind das Vertrauen in den Staat, in die Demokratie und in das Rechtssystem dermaßen zu (zer)stören.

  2. Wenn mich demnächst jemand fragt, warum sich die FDP einen freiheitlichen Anstrich gibt, aber in Wirklichkeit genau das Gegenteil bewirkt, werde ich ihm die URL zu diesem Zeit-Artikel von Sandro geben. Pharisäertum, wie ich gelernt habe.

  3. Ja, ein ganz schön inkonsistenter Kommentar von Sandro Gaycken…

    „Die Kopplung von verbindlicher Strafverfolgung und konsequenter Überwachung ist nicht auflösbar.“

    „Die Medienbranche muss sich entweder andere Wege ohne unerträgliche Kollateralschäden suchen. Oder sie muss im allgemeinen Interesse auf eine Durchsetzung ihrer unglaubwürdigen Forderungen verzichten.“

    Welche Alternative zur Position der Piratenpartei Sandro Gaycken nun also noch sieht, verrät er uns leider nicht oder er ist da eben nicht ganz konsistent… Und damit das nicht gleich so auffällt, wird selbiges Attribut eben fix der Piratenpartei zugeschrieben…

    Rhetorisch ist sowas zwar üblich, aber irgendwie ist das doch ziemlich unphilsophisch…

    mfg, Reina.

  4. Herr Gaycken ist Mitglied im CCC, wie hunderte anderer, er spricht aber nicht für den Club. Wenn ich das lese, bin ich da auch froh drüber.

    Ich habe ein eigenes P2P-Programm geschrieben, nichts daran ist illegal. Vermutlich ist das für einen Philosophen nur schwer zu verstehen: Ich will nicht kriminalisiert werden, nur weil ihr die Technik nicht versteht. Diese Technik hat so ein großes Potenzial, für uns alle.

  5. Stichwort Vorratsdaten/Überwachung: Seit ich das Thema zum ersten mal bewusst wahrgenommen habe, frage ich mich, ob ich ein Recht auf Einsicht oder gar Herausgabe auf die von meinem Diensteanbieter zum Zwecke der Vorratsdatenspeicherung erhobenen Daten habe?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.