Die CDU Online-Redaktion twittert seit kurzem unter cdu_news. Bisher followen 1424 Menschen dem offiziellen CDU-Twitter-Kanal. Gestern hatte ich darüber berichtet, dass der Account auf einmal ein neues CDU-Programm mit drei SPD-Kernthemen verkündete. Ich vermutete, dass jemand auf dem Politcamp09 den Netzwerkverkehr mitgeschnitten hat und beim twittern die Verwendung von https vergessen wurde. Das kann vorkommen, weil viele Twitter-Clients leider nicht https unterstützen und ich daher in offenen Netzwerken immer nur über den Browser und mit SSL twittert nutze.
Gestern Abend wurde mir von Seiten der CDU versichert, man habe selbstverständlich ein sicheres Passwort verwendet und sei zudem über UMTS ins Netz gegangen. Die Geschichte wurde immer verworrener, aber einen technischen Hack auf der Twitter-Plattform hab ich ausgeschlossen. Heute bekam ich aus derselben Quelle den Hinweis, dass keine der Vermutungen wahr sei, sondern man wohl einfach ein paar Passwörter ausprobiert habe und so Zugang zum Account bekam. Dies bestätigte mir dann auch ein CDU-Mitarbeiter, der aber nicht erklären wollte, ob das Passwort nun dasselbe war wie der Nutzername, auf jeden Fall war es aber sehr ähnlich. Ob cdu_news oder cdu-news, ist unklar. Auf jeden Fall war es etwas leichtsinnig von der CDU-Online-Redaktion, ein so unsicheres Passwort zu verwenden, was man mit ein paar Mal ausprobieren leicht herausfinden kann.
Nun ist die Mailadresse und das Passwort geändert und die CDU wartet seit gestern Abend darauf, dass Twitter reagiert und die Account-Daten wieder zurücksetzt. Nach 24h ist die fingierte Meldung immer noch zu sehen.
Die Story schaffte es auch auf focus.de: Wahl-Kampf der Hacker. Dort wurde auch erklärt, dass Unbekannte einige Tage zuvor den Twitter-Account des SPD-Politikers Ralf Stegner übernommen hatten und darüber twitterten, dass Stegner betrunken sei.
Interessant fand ich auf dem Politikcamp vor allem, dass viele mich aufforderten, ich solle die Quelle nennen, von der ich das kommuniziert bekommen habe. Mein Verständnis von Pressefreiheit ist aber, dass ich meine Quellen nicht verrate – warum sollte ich das auch tun? Auch kam die Argumentation, dass man so etwas nicht publizieren sollte. Diese teile ich auch nicht. Es ist passiert, die Meldung hat Neuigkeitsfaktor und vor allem lenkt es Bewusstsein auf das Thema Datensicherheit. Twitter wird irgendwann reagieren, die Accountdaten zurücksetzen und die CDU-Onlineredaktion hat sicherlich auch gelernt, dass man sichere Passwörter verwenden sollte.
Und nun ist der besetzte Account wieder zurückgegeben (Mal schauen, wann die CDU reagiert):
„24-Stunden-Hack hiermit beendet! Eure E‑Mail-Adresse ist wieder frei. Holt euch euer neues Passwort! Gegen Internet-Zensur! #zensursula“

