Kultur

Roland Reuß im Kreuzzug gegen Open Access

Roland Reuß, Philologe und Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg, organisiert gerade einen Kreuzzug gegen Google-Books und die Open Access Bewegung im Allgemeinen. Irgendwie jedenfalls. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn er nicht ständig seine Pamphlete in Medien unterbringen könnte und andere glauben, was er erzählt. Man kommt da teilweise aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Bei der Taz hatten wir ja vergangene Woche ein Pamphlet von Rudolf Walther, der sich gleich darin versteigerte, dass Open Access gefährlicher als die mordenden Piraten vor der Küste von Somalia sei.

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Mathias Spielkamp hat die Chronologie des Kreuzzuges von Reuß im Perlentaucher aufgeschrieben. Jetzt gibt es nämlich auch einen „Appell“, wo Reuß den einen und anderen Prominenten Kulturmenschen als Unterstützer drunter bekommen hat.

Walther befindet sich in bester Gesellschaft. Am Sonntag ist Reuß sein Husarenstück gelungen. Bei FAZ.net – wo sonst? – erschien der Appell „Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte“, unterzeichnet von so Illustren Unterstützern wie Michael Naumann, dem Herausgeber der Zeit und ehemaligen Kulturstaatsminister, über den Bestsellerautoren Daniel Kehlmann und Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, bis hin zu „Dominik Schaaf, Schüler, Köln“ – 139 an der Zahl bis zum Sonntagabend.

Golem berichtet auch darüber: Ein Kulturkampf um das Wissen.

Open Access und Google Books haben nur eine Gemeinsamkeit: Sie verbessern den Zugang zu Wissensressourcen auf elektronischem Wege. Dann ist aber auch Schluss mit Gemeinsamkeiten. Die zielgerichtete Verwischung der Unterschiede in der gegenwärtigen Kampagne könnte reiner Ahnungslosigkeit geschuldet sein. Die Tatsache aber, dass es eine Lagerbildung auf der einen Seite durch Geisteswissenschaftler, Literaten und Verleger kontra Open Access gibt, und auf der anderen Seite durch Natur- und Technikwissenschaftler, Forschungsgemeinschaften und Bibliotheken auf der anderen pro Open Access, verweist auf einen grundlegenden Konflikt. Hier prallen kulturell geprägte Wertvorstellungen vom Charakter und der Bedeutung von Wissen und Kulturgütern aufeinander. Das gegenwärtige Urheberrechtsregime genügt den Vorstellungen beider Seiten nicht mehr. Google schafft derweil Fakten.

11 Kommentare
  1. Vielleicht sollte ich mir noch einmal gut überlegen, ob ich in Heidelberg studieren will. Ich würde zwar nicht Germanistik wählen, aber ein Fach, das sich ebenfalls mit Sprachen beschäftigt. Am Ende hätte ich diesen Kauz noch als Professor…

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